Das Wichtigste in Kürze
  • Angelrollen mit Freilauf erlauben es dem Fisch, nach dem Biss Schnur von der Rolle zu ziehen, bevor Sie mit dem Drill beginnen.
  • Freilaufrollen sind besonders gut für das Grundangeln geeignet – zum Beispiel auf Karpfen, aber auch auf Raubfische.
  • Brandungsangler sollten darauf achten, dass die Freilaufrolle salzwasserfest ist.

freilaufrollen test

Fast fünf Millionen Deutsche gehen regelmäßig Angeln, das hat eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach ergeben. Zu den beliebtesten Varianten des Angelsports gehört das Grundangeln. Dabei legen Sie den Köder am Gewässergrund ab und warten, dass ein Fisch anbeißt. Besonders oft wird auf diese Weise mit Boilie-Ködern auf Karpfen geangelt oder mit toten Köderfischen auf Raubfische wie den Hecht.

Damit sich der Haken nicht direkt nach dem Biss wieder löst, ist es wichtig, dass der gehakte Fisch ungestört weiter schwimmen kann. Dies geht mit einer Freilaufrolle, die schon bei nur leichtem Zug die Schnur freigibt. Worauf Sie beim Kauf Ihrer nächsten Freilaufrolle achten sollten, erklären wir Ihnen in unserem Freilaufrollen-Vergleich 2020.

1. Wie ist die Funktionsweise und welche Vorteile hat eine Freilaufrolle?

weitwurfrolle mit freilauf: aufbau

Der Aufbau einer Baitrunner-Rolle mit Freilauf und Heckbremse.

Bei einer Freilaufrolle handelt es sich um eine Sonderform der Stationärrolle – nur dass neben der normalen Heck- oder Frontbremse auch noch eine zweite sogenannte Freilaufbremse eingebaut ist.

Die Freilaufbremse wird mit dem Freilaufhebel aktiviert und erlaubt dem Fisch nach dem Biss, Schnur von der Rolle zu ziehen. Das ist besonders beim Ansitzangeln wichtig, wenn man die Angel nicht dauerhaft im Auge hat oder auch mal ein kurzes Nickerchen macht.

Mit einer normalen Bremse wäre man in einer solchen Situation schnell den Fisch, die Schnur oder gar die ganze Angelrute los. Sobald man bei einer Angelrolle mit aktiviertem Freilauf an der Kurbel dreht, wird der Freilauf automatisch abgeschaltet, die normale Bremse greift wieder und Sie können den Drill (das Einholen des Fangs) beginnen.

Hinweis: Natürlich könnte man theoretisch auch einfach die normale Rollenbremse aufmachen. Wenn man dann allerdings vor dem Drill vergisst, die Bremse wieder zuzudrehen, hat man ganz schnell eine riesige Schnur-Perücke (Anglerdeutsch für „eine verhedderte Schnur“). Außerdem ist es schwer, in der Hitze des Gefechts die richtige Bremskraft einzustellen. Also greifen Sie doch lieber gleich zur Freilaufrolle.

Besonders gut funktioniert eine Freilaufrolle zusammen mit einem Bissanzeiger. Denn sie hält die Schnur unter Spannung und erlaubt dennoch ein leichtes Abziehen. Bei einer Rolle ohne Freilauf, bei der nur die Rollenbremse deaktiviert ist, könnten zum Beispiel auch der Wind oder die Strömung die Schnur bewegen und den Bissanzeiger auslösen.

Die Vor- und Nachteile einer Angelrolle mit Freilauf:
  • Sie müssen nicht sofort beim Biss reagieren
  • auch scheue Fische können gefangen werden
  • freies Abziehen der Schnur ohne Perückengefahr
  • schwerer als eine Rolle ohne Freilauf
  • durch die zusätzlichen Bauteile potentiell fehleranfälliger

karpfenrollen sonnuntergang

2. Kaufberatung: Darauf sollten Sie achten

Wenn Sie eine Freilaufrolle kaufen, gibt es einiges zu bedenken: Wieviel Meter Schnur sollten auf die Spule passen? Und wie viel Schnur sollte die Rolle pro Umdrehung einrollen?

Wir erklären Ihnen im folgenden Kapitel unseres großen Freilaufrollen-Vergleichs 2020 die wichtigsten Aspekte, damit Sie die beste Freilaufrolle für Ihre Ansprüche finden.

2.1. Qualität eines Getriebes lässt sich schlecht quantifizieren

Getriebe im Einsatz

Getriebe sind in vielen Maschinen und Fahrzeugen verbaut. In jedem Auto finden Sie zum Beispiel ein Schaltgetriebe. Und jedes Fahrrad hat ein Kettengetriebe (oder neuerdings auch ab und an ein Riemengetriebe).

Bei einer Stationärrolle steht die Achse der Spule senkrecht zur Achse der Kurbel. Ihre Kraft muss beim Drillen also mit Hilfe eines Getriebes von der Kurbel auf die Spule übertragen werden. Die Qualität einer Freilaufrolle hängt daher ganz zentral von der Qualität des verbauten Getriebes ab.

Kleine Fehler und Toleranzen bei der Fertigung der Zahnräder des Getriebes können dazu führen, dass die Rolle bei der Nutzung nicht hunderprozentig rund läuft – und dieser Effekt verstärkt sich unter Last, wenn Sie einen großen Fisch am Haken haben. Außerdem verschleißt ein solches Getriebe deutlich schneller, so dass Sie sich schon bald eine neue Rolle kaufen müssten.

Achtung: Leider lässt sich die Qualität eines Getriebes nicht in Zahlen ausdrücken. Daher müssen Sie sich dabei auf die Erfahrungswerte anderer verlassen oder Ihren eigenen Freilaufrollen-Test in der Praxis durchführen.

2.2. Kugellager: Es kommt auf die Qualität an, nicht auf die Anzahl

freilaufrollen kugellager

Fast alle Freilaufrollen haben mehrere Kugellager verbaut. Allerdings kommt es nicht auf die Anzahl der Kugellager, sondern auf deren Positionierung und Qualität an.

Die beweglichen Teile einer Angelrolle – also Spule, Kurbel, aber auch das Schnurlaufröllchen – sind oft auf Kugellagern gelagert. Dadurch werden sie leichtgängiger und die Rolle lässt sich besser bedienen. Viele Hersteller werben daher offensiv mit der Anzahl der verbauten Kugellager.

Doch die Zahl der Kugellager allein ist nicht ausschlaggebend – schon mit drei Kugellagern können Sie ausgezeichnete Angelrollen mit Freilauf bauen. Hauptsächlich kommt es auf die Position in der Rolle sowie die Qualität der Lager an. Denn Kugellager sind (wie Getriebe) Präzisionsbauteile, bei denen kleinste Fehler einen großen Effekt haben können.

Wie schon beim Getriebe lässt sich die Qualität der Kugellager nur schwer ohne einen auf Dauer angelegten Praxis-Test beurteilen. Also müssen Sie sich auch hier auf Erfahrungswerte und das Renommee der Hersteller verlassen. Gerade Shimano ist für seine ausgesprochen guten Angelrollen mit hochwertigen Lagern bekannt.

Einen kleinen Anhaltspunkt kann auch der Preis der Rolle liefern. Hochwertige Kugellager sind teuer – daher ist zum Beispiel bei einer Rolle, die trotz fünf oder sechs Kugellagern nur 30 € kostet, eine gewisse Skepsis angebracht.

angler mit freilaufrolle im see

2.3. Der Schnureinzug ist wichtiger als das Übersetzungsverhältnis

Wenn das Getriebe die Kraft von der Kurbel auf die Spule überträgt, ändert sich auch die Drehzahl – das nennt man Übersetzung. Bei Angelrollen wird daher immer auch das Übersetzungsverhältnis von Spulenumdrehung zu Kurbelumdrehung angegeben. Bei einem Übersetzungsverhältnis von 5 : 1 dreht sich die Spule also fünfmal für jede vollständige Umdrehung der Kurbel. Ein höheres Übersetzungsverhältnis ist daher grundsätzlich besser.

Noch wichtiger als das Übersetzungsverhältnis ist aber der effektive Schnureinzug pro Kurbelumdrehung. Denn die Spulen unterscheiden sich ja in ihrer Größe – und damit auch wie viel Schnur pro Umdrehung aufgewickelt wird. Eine Spule mit einem größeren Durchmesser wickelt also unter Umständen trotz schlechterem Übersetzungsverhältnis mehr Schnur auf.

2.4. Schnurkapazität: Wie viel Sie brauchen, hängt von Ihrem Angelstil ab

freilaufrolle mit schnur

Die Größe und Art des Gewässers bestimmt, für welche Rollengröße Sie sich entscheiden sollten.

Und zu guter Letzt sollten Sie noch bedenken, wie viel Angelschnur Sie auf Ihrer Freilaufrolle benötigen. An einem kleinen Teich oder Weiher kommen Sie mit 150 m Schnur sicher gut hin. Wenn Sie aber zum Beispiel auf Karpfen ansitzen an einer Stelle, die mehr als 100 m vom Ufer entfernt ist, brauchen Sie selbstverständlich deutlich mehr Schnur auf der Karpfenrolle.

Daher wird von den Herstellern die Kapazität der Spule angegeben, allerdings immer nur für Schnur mit einem bestimmten Durchmesser. Möchten Sie hingegen eine andere Art Schnur verwenden, müssen Sie selbst ausrechnen, wie viel auf die Weitwurfrolle passt.

Wir haben Ihnen einmal beispielhaft die Werte für eine Spule mit der Kapazität 140 m bei einem Durchmesser von 0,40 mm errechnet:

Durchmesser der Schnur Kapazität der Spule
0,40 mm 140 m
0,35 mm 182 m
0,30 mm 248 m
0, 25 mm 358 m
0,20 mm 560 m

Tipp: Falls Ihnen das zu kompliziert ist, können Sie für Ihre eigenen Berechnungen auf diesen Schnur-Rechner zurückgreifen.

3. Tackle: Grundausstattung, High Tech und Komfort

Mit einer umfangreichen Angelausrüstung kann man ganze Keller füllen. Vieles davon ist nicht essentiell, kann aber den Komfort ungemein steigern. Wir erklären Ihnen, was Sie außer einer Freilaufrolle definitiv brauchen – und was einen angenehmen Luxus darstellt.

3.1. Grundausstattung: Das brauchen Sie auf jeden Fall

Ohne die folgende Ausstattung wird es Ihnen wahrscheinlich nicht gelingen, einen Fisch an Land zu ziehen. Hier geht es um die absolute Grundausstattung:

  • meeresrollen ausrüstung

    Ohne Rute, Rolle, Schnur und Haken geht beim Angeln gar nichts.

    Angelruten sind die Basis jeder vollwertigen Angel. Es gibt eine ganze Reihe spezieller Angelruten-Typen: Spinnruten, Grundruten, Feederruten, Karpfenruten, Stippruten, Fliegenruten, Spoonruten, Brandungsruten – und diese Liste ließe sich leicht noch weiter fortführen.

  • Mit den Angelrollen wird die ausgeworfene Angelschnur wieder eingeholt. Die häufigsten Rollenarten sind Stationärrollen, Multirollen, Freilaufrollen, Spinnrollen, Karpfenrollen und Brandungsrollen.
  • An der Angelschnur wird der Angelhaken befestigt. Neben der üblichen Angelsehne, die aus einem einzelnen Kunststoff-Strang besteht, gibt es auch geflochtene Schnüre. Diese sind besonders stabil.
  • Als Angelköder kommen je nach Zielfisch verschieden Dinge in Frage: Karpfen angelt man mit Boilies, Raubfische mit Gummifischen, Dorsch und Seelachs beim Hochseeangeln mit einem Pilker und Lachse mit künstlichen Fliegen.

Darüber hinaus sollten Sie wahrscheinlich auch das Folgende mitnehmen:

  • wathose und weitwurfrolle

    Auch Wathose und Watstiefel gehören zur Grundausstattung vieler Angler.

    Mit einem Kescher bringen Sie jeden Fisch ganz schnell und einfach an Land.

  • Mit Wathose und Watstiefeln können Sie auch einmal ein paar Schritte ins Wasser gehen, ohne direkt nasse Füße zu bekommen.
  • Zum Ausnehmen der Fische sollten Sie auf jeden Fall ein Angelmesser dabei haben und ein Multitool schadet in der Natur auch nie.
  • Beim Ansitzangeln macht sich auch ein Rutenhalter oder Rod Pod gut, auf dem Sie Ihre Angelrute ablegen können.

3.2. Angel-High-Tech: Mit elektronischen Hilfsmitteln fangen Sie mehr Fische

Heutzutage können Sie Ihre Fangmenge aber auch mit technischen Hilfsmitteln deutlich erhöhen.

  • high tech am see: fischfinder und angelrolle mit bissanzeiger

    Für viele Angler gehört mittlerweile auch die moderne Technik zum Fischen dazu – zum Beispiel in Form eines Fischfinders.

    Mit dem Fischfinder, einer Art Echolot, orten Sie Fische und erstellen gleichzeitig ein Bodenprofil des Gewässers.

  • Mit einem elektronischen Bissanzeiger bemerken Sie garantiert jeden Biss, auch wenn Sie sich gerade ausruhen. Das ist besonders beim nächtlichen Grundangeln auf Karpfen oder Waller wichtig. Analoge Alternativen sind Knicklichter und Glöckchen, die Sie an der Angelschnur befestigen.
  • Mit einem Futterboot können Sie automatisch per GPS Futter an eine bestimmte Stelle im Gewässer ausbringen, um einen großen Fisch anzulocken – und das viel präziser als mit einer Futterschleuder.

3.3. Komfort ist auch beim Angeln wichtig

Gerade wenn Sie sich beim Karpfenangeln ganze Wochenenden am Gewässer aufhalten, sollte auch der Komfort nicht zu kurz kommen. So wollen Sie sich sicher auch einmal hinsetzen oder gar -legen – und das am besten im Trocknen, selbst wenn es regnet.

Mit folgenden Ausstattungsstücken wird der Angelausflug mit Sicherheit erholsam:

  • karpfenrollen und karpfenzelt

    Mit Angelzelt und Angelstuhl ist die Zeit am See Entspannung pur.

    Ein Angelstuhl ist geradezu essentiell und zusammengeklappt weder sperrig noch schwer. Falls Sie sich auch gelegentlich hinlegen und dösen möchten, können Sie stattdessen auch eine Karpfenliege mitnehmen.

  • Mit einem Angelzelt brauchen Sie Wind und Wetter nicht zu fürchten und überstehen garantiert jeden Regenguss.
  • Ein Rutenhalter, oder auch Rod Pod, erlaubt es Ihnen, die Angel auch einmal aus der Hand zu legen.
  • Damit Sie sich zwischendrin auch mal einen Tee oder Kaffee sowie eine warme Mahlzeit gönnen können, empfehlen wir immer auch Gaskocher, Campingtöpfe und Campinggeschirr einzupacken.

4. Was sind die besten Tipps und Tricks zum Aufwickeln der Rolle?

Am einfachsten ist es, wenn Sie sich die Spulen für Ihre Freilaufrolle im Angelladen befüllen lassen. Dort wird das automatisch mit einer elektrischen Maschine gemacht und geht deutlich schneller und einheitlicher als beim Bespulen von Hand.

Doch auch das ist möglich. Im folgenden Video lernen Sie, wie Sie Ihre Rolle mit ein paar einfachen Tricks auch ohne Maschine selbst bespulen können, warum unter eine geflochtene Schnur unbedingt noch einige Meter Monofil-Schnur sollten und warum der Angelshop am Ende trotzdem die beste Option ist.

5. Welches sind die wichtigsten Freilaufrollen-Hersteller im Überblick?

Wenn man nicht gerade selbst einen Angelshop besitzt, ist es gar nicht so leicht, bei den ganzen Angel-Marken durchzusehen. Klar, Shimano ist für seine hochwertigen Rollen bekannt, vertreibt aber auch günstige Freilaufrollen für Einsteiger. Ansonsten gelten vor allem Okuma und Daiwa als Hersteller sehr guter und gleichzeitig budgetfreundlicher Freilaufrollen.

Wir haben Ihnen die wichtigsten Marken zusammengestellt, die Sie in den meisten Freilaufrollen-Tests und -Vergleichen finden werden.

  • Abu Garcia
  • Balzer
  • Cormoran
  • Daiwa
  • Drennan
  • DAM
  • Fox
  • Greys
  • Mitchell
  • Okuma
  • Pelzer
  • Penn
  • Sänger
  • Shimano
  • Spro

6. Häufige Fragen zu Freilaufrollen

  • Welche Freilaufrolle empfiehlt die Stiftung Warentest?

    Leider hat die Stiftung Warentest noch keinen Freilaufrollen-Test mit zugehörigem Freilaufrollen-Testsieger veröffentlicht. Generell scheint es sich dort nicht um Freunde des Angelsports zu handeln: Es ist kein einziger Test zum Thema Angeln bei ihnen zu finden.
  • Gibt es Freilaufrollen mit integriertem elektronischen Bissanzeiger?

    Einige Hersteller bieten Angelrollen mit Bissanzeiger an – zum Beispiel Mitchell mit den Modellen der Baureihe Avocet RTE. Wirklich durchgesetzt hat sich das Konzept allerdings nie. Wir raten aber eher dazu, einen separaten Bissanzeiger zu verwenden. Dann haben Sie bei der Rolle die volle Auswahl, können sich zum Beispiel auch für eine Rolle der Kategorie Weitwurfrolle oder Meeresrolle entscheiden. Durch die geringere Auswahl bei den Angelrollen mit Bissanzeiger müssten Sie sonst höchstwahrscheinlich einen Kompromiss bei den Eigenschaften der Rolle eingehen.