Das Wichtigste in Kürze
  • Es gibt drei Sattelvarianten, die unter Reitern üblich sind: Der Sattel mit Baum hat einen integrierten Stützapparat, der baumlose Sattel verzichtet darauf und der Fellsattel ist die flexibelste Sattelvariante.
  • Von einem Fellsattel profitieren alle Pferdearten – egal ob Warmblut, Kaltblut, Halbblut, Araber, Pony oder Shetty – sowie Sie als Reiter, denn die Kommunikation von Tier und Mensch wird deutlich verbessert.
  • Ein Fellsattel ist nicht nur leicht und bequem für Reiter und Pferd, sondern mindert auch nachweislich den Druck auf den Pferderücken. Manche Hersteller weisen sogar Druckmessungen für Fellsättel aus.

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Zurück zur Natur, zurück zum natürlichen Umgang mit Reittieren. Das ist der Trend, der sich aktuell unter den Reitsportlern abzeichnet und als Barebackreiten bezeichnet wird. Möglich wird das unter anderem mit einem Fellsattel, der die Kommunikation von Pferd und Reiter verbessert, weil er mehr Nähe zulässt.

Fellsättel heißen im Fachhandel auch Lammfellsattel. Tests zu Sätteln mit Fell im Internet zeigen: Die Modelle sind meist ausnahmslos aus Lammfell, was nicht nur bequem und weich ist, sondern auch druckabsorbierend und atmungsaktiv. Worauf Sie mit Blick auf Größe und Ausstattung achten sollten, verraten wir Ihnen in diesem Ratgeber.

1. Wurde der Fellsattel einst nur zum Anreiten genutzt, heute erfreut er sich wachsender Beliebtheit?

Ursprüngliches Reiten

Der Fellsattel ist kein Novum. Bereits die Indianer nutzten diesen Sattel-Typ, da sie ihrem Pferd so nahe wie möglich sein wollten. Die Beziehung zum Pferd konnte so intensiver erlebt werden, die Bewegungen des Tieres waren intensiver wahrnehmbar und das Reiten fiel leichter.

Früher wurde der Fellsattel einzig und allein zum Anreiten benutzt. Das Pferd sollte sich so daran gewöhnen, dass etwas auf dem Rücken liegt.

Mit der Zeit jedoch erkannten Reiter, dass der Fellsattel auch zum Muskelaufbau durchaus sinnvoll ist.

Diese Tatsache sorgte mitunter dafür, dass der Fellsattel dem Klassiker, dem Baumsattel, immer mehr den Rang abläuft und von manchen sogar dauerhaft genutzt wird.

Achtung: Verwechslungsgefahr! Verwechseln Sie den Fellsattel oder Lammfellsattel nicht mit einer reinen Satteldecke aus Fell. Diese dient lediglich als Unterlage für einen normalen Sattel.

pony

Um das gleichmäßige Auflegen des Fellsattels auf den Rücken des Pferdes zu gewährleisten, besteht der Fellsattel aus Lammfell ohne Baum und ist im besten Fall gepolstert. Der Fellsattel passt sich dem Pferderücken sehr gut an und sorgt so für Bewegungsfreiheit beim Tier und ein besseres Gleichgewichtsgefühl beim Reiter. Der Direktvergleich zeigt: Der steife Baumsattel ist sehr hart und passt sich nur ungenügend dem Pferderücken an. Dadurch sind das Körpergefühl und die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter sehr eingeschränkt.

Da ein großer Teil der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter über den Sattel stattfinden sollte, ist der Fellsattel auch für Anfänger gut geeignet. Er verbessert die Körperwahrnehmung des Reiters und optimiert so auch die Verständigung zwischen Pferd und Reiter.

Praxistipp von Vergleich.org Der Fellsattel ist seinem Konkurrenten, dem Baumsattel, um einiges voraus: Durch die flexiblere Verarbeitung kann dieser Sattel als Allrounder-Sattel genutzt werden. Er ist sowohl für den Pferderücken ein Segen als auch für Anfänger gut geeignet. Er verbessert den Kontakt, passt sich dem Pferderücken gut an und ist auch zum Muskelaufbau geeignet. Es gibt auch Pferderücken, auf die ein Baumsattel nur sehr schwer passt. Dann kommt ebenfalls der flexible Fellsattel zum Einsatz.

2. Zeigen Fellsattel-Tests im Internet diverse Unterschiede zwischen Baumsattel und Fellsattel?

Der Fellsattel ist die flexible Soft-Variante zum Baumsattel. Das ist der Haupt-Unterschied, den Fellsattel-Tests im Internet aufzeigen. Allerdings unterscheiden noch weitere Details den Baumsattel vom Fellsattel, auch Vor- und Nachteile sind für beide Sättel zu benennen, wie die folgende Tabelle zeigt:

Fellsattel Baumsattel
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Ein Fellsattel ist gut geeignet

  • für junge Pferde zum Anreiten.
  • um den Muskelaufbau zu fördern.
  • für die Wintermonate, denn das Obermaterial hält auch bei kaltem Wetter warm.
  • für Anfänger, die ihr Pferd und die Bewegungen besser kennenlernen wollen.
Ein Baumsattel ist gut geeignet für

  • ausgiebige Reittrainings.
  • lange Ausritte.
  • Springreiter. Beim Springen ist der Fellsattel nicht erlaubt.
+ gute Bewegungsfreiheit
+ bequem, weich und leicht
+ antibakteriell, feuchtigkeitsabsorbierend, atmungsaktiv
+ für Anfänger geeignet
+ optimiert die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter
+ kurbelt die Durchblutung der Beine des Reiters an und die Durchblutung des Pferdes an
+ waschbar
+ passt sich fast jedem Pferderücken an, für alle Rassen geeignet
+ für alle Pferderassen geeignet
+ keine Pferdedecke oder Schabracke nötig
+ hohe Markenvielfalt
+ günstiger als ein Baumsattel
+ guter Druckschutz
+ leichtes Anbringen der Steigbügel
+ beim Springreiten Pflicht
+ gut geeignet für längere Trainingseinheiten
+ leichteres Ausbalancieren für Pferd und Reiter
+ Steigbügel geben Halt
- weniger Druckschutz
- ungeeignet für schwere Reiter
- ungeeignet bei Pferden mit wenig Muskeln
- ungeeignet für Springreiten
- ungeeignet für längere Ausritte
- mit Steigbügeln nur bedingt geeignet
- engt die Muskelbewegungen ein
- passt sich bedingt dem Pferderücken an
- Gefahr der einseitigen Druckbelastung (durch Steigbügel)
- sehr hart
- teurer als ein Fellsattel

Fazit von Vergleich.org: Der Fellsattel ist die flexibelste, moderne Sattelvariante, die die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter fördert und vor allem für junge Pferde und junge Reiter geeignet ist. Der Baumsattel wird der Klassiker bleiben, der für lange Ausritte gut geeignet ist und beim Springreiten sogar Pflicht ist. Zwischen diesen beiden Sattelvarianten gibt es noch den baumlosen Sattel am Markt, der ebenfalls mehr Bewegungsfreiheit zulässt.

3. Kaufberatung: Sind Größe, Pflegehinweise, Ausstattung und der Preis wichtige Faktoren bei der Wahl eines Fellsattels?

Wer sich ganz grundsätzlich für eine natürlichere Form des Reitens im Fellsattel entscheiden möchte, muss beim Kauf einiges beachten: Zwar ist der Fellsattel deutlich flexibler als der Baumsattel, dennoch sind auch bei der Wahl des Fellsattels Maße zu beachten. Darüber hinaus sollte Ihr Blick auf das Material, die Pflegeeigenschaften dessen sowie die Ausstattung des Fellsattels schwenken.

Recherchieren Sie mit Blick auf die folgenden Auswahlkriterien Ihren persönlichen Fellsattel-Testsieger. Die Stiftung Warentest hält hierfür keinen Vergleich vor.
Die Marken dieser Hersteller sind am Markt bekannt und beliebt:

  • Iberica
  • Engel
  • Christ
  • Barefoot
  • Grandeur
  • Horsedream
  • Andaluz
  • Eclipse

Dieses Video zeigt die ersten praktischen Erfahrungen einer Reiterin mit einem Fellsattel:

3.1. Die Sattellänge der Fellsättel liegt zwischen 42 und 60 Zentimetern

Auch ein Fellsattel muss zum Rücken Ihres Pferdes passen. Orientieren Sie sich bei der Wahl an den Größenangaben der Hersteller. Darüber hinaus soll Ihnen die folgende Tabelle eine kleine Orientierung bieten.

Bezeichnung der Pferdeart Sattellänge Sattelblatt-Länge Sattelblatt-Breite
Warmblut, Vollblut ca. 60 cm ca. 55 cm ca. 39 cm
Pony ca. 55 cm ca. 50 cm ca. 39 cm
Shetty ca. 42 cm ca. 32 cm ca. 30 cm

Sind Sie sich unsicher bei der Wahl des richtigen Sattels, sollte Ihre eigene Po-Größe als Maßstab gelten. Dieser muss nämlich auf die Sitzfläche passen. Die Höhe des Fellbesatzes liegt bei den meisten Herstellern zwischen 20 und 30 Millimetern. Meist gibt es die 20-Millimeter-Variante für Ponysätteln, 30 Millimeter ist der Fellbesatz bei einem Lammfeldsattel für ein größeres Pferd.

Recherchetipp: Worin genau sich Warmblut, Kaltblut, Halbblut, Araber, Pony und Shetty unterscheiden, zeigt dieser Vergleich der Pferdetypen.

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3.2. Lammfell ist für Sommer und Winter gut geeignet

Bei der Fertigung von Fellsätteln wird fast ausschließlich Lammfell verwendet. Das Lammfell besitzt verschiedene Eigenschaften: Es ist wärmeausgleichend, ist angenehm an heißen Tagen und wärmt an kalten Tagen.

Lammfell leitet Feuchtigkeit ab. So wird der Schweiß des Pferdes absorbiert. Das Material ist antibakteriell und somit auch für Allergiker geeignet. Durch die Elastizität und Reißfestigkeit ist es sehr langlebig. Außerdem ist Lammfell sehr pflegeleicht und kann bei 30 Grad Celsius gewaschen werden. So können Sie es bei einem Ritt durch Pfützen und Matsch schnell wieder reinigen.

Pflegetipp von Vergleich.org: Achten Sie auf ein für Lammfell geeignetes Waschmittel und lassen Sie das Fell nach dem Waschen lange genug trocknen. Hat der Fellsattel einen abnehmbaren Sitz, lässt sich das Fell quasi separat waschen. Ihre Waschmaschine wird es Ihnen danken.

3.3. Hersteller haben aufgerüstet: Viele bieten heute Fellsättel mit Steigbügeln

Die Ausstattung eines Fellsattels ist von Hersteller zu Hersteller individuell verschieden.

  • An einigen Modellen, wie z.B. am Fellsattel der Firma Engel, sind Ringe zum Befestigen von Steigbügeln und Steigbügelriemen vorhanden. Allerdings wird davon in vielen Fellsattel-Tests im Internet abgeraten, da der Druck durch die Steigbügel zu hoch ist. Dennoch gibt es mittlerweile viele Fellsättel mit Steigbügeln. Mit Fellsattel aufzusteigen, ist dann mit Aufsteighilfe möglich.
  • fellsattel mit steigbügel

    Für viele ist es regelrecht undenkbar, ohne Hilfszügel und ohne Steigbügel zu reiten. Beim Barebackreiten mit Fellsattel sollte das jedoch selbstverständlich sein.

    Ringe für Hilfszügel sind ebenfalls an den meisten Sättel vorhanden. Allerdings zeigt ein Blick in die Praxis, dass eher ohne Hilfszügel geritten wird, da allein durch den Fellsattel bereits eine sehr gute Kommunikation zwischen Pferd und Reiter möglich wird.

  • Fellsattel sind oftmals mit Einschubtaschen für Distanzgewebe (z.B. Schaumstoff) ausgestattet, um einen noch weicheren Sitz zu gewährleisten. Im Fachjargon ist dabei von Verbundschaumeinlagen die Rede oder von Pads für den Fellsattel.
  • Eine Schabracke ist bei einem Sattel mit Lammfell hingegen nicht unbedingt notwendig, da der Sattel auch an der Unterseite oftmals mit Fell ausgestattet ist.
  • Ein Sattelgurt wird wiederum benötigt, um den Sattel zu befestigen. Welche Länge der Sattelgurt haben sollte, wird so berechnet: Der Bauchumfang des Pferdes minus die Sattelblattlänge, multipliziert mit dem Faktor zwei. Abschließend werden von diesem Ergebnis 20 Zentimeter abgezogen. So haben Sie die passende Länge ermittelt.

Tipp von Vergleich.org: Spezielle Sattelschoner für Fellsattel gibt es kaum, allerdings können Sie auch ganz reguläre Sattelschoner zu diesem Zweck verwenden.

3.4. Günstige Fellsättel gibt es bereits ab 250 Euro

Fellsättel gibt es nicht beim Discounter wie etwa bei Aldi oder Lidl. Fellsättel kaufen Sie im Fachhandel bzw. ordern online im Fachhandel. Günstige Fellsättel gibt es auch dort, wie der Fellsattel-Vergleich 2020 zeigt. Kaufen können Sie günstige Fellsättel bereits ab 250 Euro. Teurer wird ein Lammfellsattel, der individuell für Pferd und Reiter konfiguierbar ist und dementsprechend auch als Unikat produziert wird. Der Markenhersteller Grandeur offeriert beispielsweise diesen Service.

In aller Regel sind Fellsättel in den Farben Schwarz, Braun, Natur und Anthrazit erhältlich.

4. Weitere wichtige Tipps und Fragen rund um den Fellsattel

  • Für wen ist der Fellsattel tabu?

    Wenn Sie das Springreiten zu Ihrem Hobby zählen, ist der Fellsattel leider keine gute Wahl, da er dafür nicht zugelassen ist. Auch bei der Dressur gibt es hier Schwierigkeiten.

    Wenn Sie allerdings ein leidenschaftlicher Reiter sind und die Bewegung Ihres Pferdes möglichst intensiv spüren wollen, ist der Fellsattel eine sehr gute Wahl. Durch seine flexible und enganliegende Beschaffenheit können Sie besonders gut mit Ihrem Tier kommunizieren.

  • Worauf ist beim Satteln und Reiten mit dem Fellsattel zu achten?

    Wenn Sie sich nun dazu entscheiden einen Fellsattel zu kaufen, dann denken Sie dabei in erster Linie an das Wohlergehen Ihres Lieblings und an Ihren eigenen Sitzkomfort. Bei der Wahl des richtigen Sattels ist es unbedingt nötig, diesen dem Rücken des Tieres anzupassen. Bei einem eher rund geratenen Pferd sollte der Gurt vorne und eben dort gerade verlaufen. Bei einem großen Widerrist, sollte die Gurtlage mittig sein und schrägt zum Pferde-Ellbogen verlaufen.

    Auch wenn der Fellsattel sehr flexibel einsetzbar ist, bedarf es trotzdem einer individuellen Anpassung. Achten Sie beim Reiten auf die Druck- und Gewichtsverteilung beim Gebrauch Ihres neuen Fellsattels. Das ist sehr wichtig für Ihre Gesundheit und die Ihres Pferdes. Der beste Fellsattel bringt Sie und Ihr Pferd in jedem Fall näher zusammen.