Das Wichtigste in Kürze
  • Analoge Synthesizer verwenden elektronische Oszillatoren zur Klangerzeugung und verändern die erzeugten Wellenformen durch Filter und Modulationen.
  • Neben tieffrequenten Modulations-Oszillatoren werden insbesondere Hüllkurven zur Veränderung bzw. Modulation der synthetisch erzeugten Töne eingesetzt.
  • Die besten Analog-Synthis verfügen über integrierte Step-Sequenzer und können Tonfolgen sowie Filter- und Modulationsverläufe mit bis zu 64 Schritten abspeichern. Mit integrierten Festspeichern können Sie hunderte Kreationen auch dauerhaft abspeichern.

synthesizer test

Seit der Markteinführung des ersten kompakten Keyboard-Synthesizers Minimoog Model D im Jahre 1970 sind die elektronischen Instrumente aus der Musikwelt nicht mehr wegzudenken. Ganze Musikgenres setzen teils ausschließlich auf die elektronische Klangerzeugung und insbesondere Filmmusik profitiert durch die Möglichkeiten moderner Hard- und Software-Synthesizer.

Synthis mit komplett analogen Schaltkreisen galten schon in den 1980er Jahren als überholt. Die digitale Klangerzeugung galt den meisten Herstellern als Königsweg und so gerieten die analogen Pioniere für einige Zeit in Vergessenheit – aber nicht ganz. Denn die solide konstruierten High-End-Geräte der 1970er und 1980er Jahre wurden bei Liebhabern sorgfältig gepflegt und bereits in den 1990er Jahren bildete sich ein stattlicher Markt für analoge Gebrauchtgeräte. Insbesondere in den 2000er Jahren wurden viele „Legenden“ in Form von Software-Plugins emuliert.

Zur Renaissance verhalf den alten Kisten auch die Technoszene, die in den Kellern und Bunkern Berlins der Nachwende-Zeit großes Gefallen an den Sounds der legendären Synthis von Korg, Roland, Moog oder Sequential Circuits fand. Diesem verstärkten Analog-Interesse auch von Musikern anderer Genres trugen viele Marken in der letzten Dekade Rechnung und legten Ihre alten Schätze wieder neu auf – und zwar nicht nur als VST-Synth-Plug-Ins. Analog-Technik ist also wieder in, wie auch der aktuelle Anstieg der Verkäufe von Schallplatten beweist (vgl. Meldung Stiftung Warentest 2017)!

Unser Synthesizer-Vergleich 2020 nimmt die besten analogen Wieder- und Neuerscheinungen genauer unter die Lupe. In der folgenden Kaufberatung erläutern wir Ihnen wichtige Kaufkriterien, auf die jeder Synthesizer-Vergleich eingehen muss, und geben Ihnen Empfehlungen, damit Sie schnell und unkompliziert Ihren persönlichen Synthesizer-Testsieger finden und den besten Synthesizer kaufen können. Wir haben uns hier besonders auf analoge Synthis mit Tastatur beschränkt, da wir Ihnen zeigen wollen, mit welchen Geräten Sie auch ganz ohne den Einsatz zusätzlicher Hard- und Software live jamen können. Gerade diese Flexibilität und Unabhängigkeit macht den besonderen Charme der analogen Klangkisten aus. Sie erfahren auch, welche technischen Komponenten unsere Vergleichsprodukte zur Klangerzeugung nutzen, welche Filter- und Modulationsmöglichkeiten auf keinen Fall fehlen dürfen und welche besonderen Funktionen die besten analogen Synths auszeichnen.

Sie brauchen noch anderes Studio-Equipment? Folgende Vergleiche könnten für Sie interessant sein:

1. Synthetische Klangerzeugung: Was kann ein analoger Synthi leisten?

keyboard-synthesizer-vergleich

Einfache Bedienung: Mit einer Klaviatur lassen sich unkompliziert Töne und Tonfolgen eingeben.

Strom macht Musik! Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert beschäftigten sich kreative Ingenieure mit der elektronischen Erzeugung von Tönen. Das Ziel: Alle natürlichen Schallereignisse auch synthetisch herstellen zu können. Zwei wichtige Größen des elektrischen Stroms ließen sich zur Repräsentation wichtiger Eigenschaften musikalischer Töne nutzen. Die Tonhöhe lässt sich über die wechselnde Frequenz des Wechselstroms darstellen – die Lautstärke entspricht der Höhe der elektrischen Spannung.

Diese wichtige Funktion wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für die Konstruktion von Röhrenverstärkern und elektro-akustischen Schallwandlern (bspw. Mikrofonen und Lautsprecherboxen) genutzt. Zur rein elektronischen Erzeugung von Tönen bedurfte es aber noch einer entscheidenden technischen Entwicklung: dem elektrischen Schwingkreis (auch LC-Schwingkreis genannt).

In einem Synthesizer heißen die schwingungsfähigen Systeme Oszillatoren. Sie bestehen aus einem Kondensator und einer Spule und sind mit einer Gleichspannungsquelle verbunden. Wichtig ist: Oszillatoren erzeugen eine Wechselspannung, die verstärkt werden kann. Durch die Strom-Einspeisung in die Schwingspule eines Lautsprechers wird ein magnetisches Feld induziert, das die Lautsprechermembranen bewegt – Sie hören dann die Töne. Wie laut ein Ton wiedergegeben werden kann, ist von der Höhe der Spannung abhängig. Wie hoch oder tief der Ton ist, wird von der Frequenz des Wechselstroms bestimmt.

modular-synth-vergleich

Mit modularen Synthesizern jede Funktion mit einem separaten Gerät meistern. Für Jam-Sessions und Live-Einsätze aber eher ungeeignet.

Zum Verständnis eines Synthesizer-Tests sind einige Vorkenntnisse grundlegend. Analoge Synthisnur um diese geht es hier – sind zuallererst technische Geräte mit einer Fülle an Funktionen. Jedoch nutzen alle dieselbe Methode. Unsere Produkte des Synthesizer-Test arbeiten mit der subtraktiven Synthese-Methode. Dabei erzeugt ein spannungsgesteuerter Oszillator (englisch Voltage-Controlled Oscillator_VCO) einen sehr obertonreichen Grundton. Dieser wird mithilfe weiterer Schaltungen verändert.

Die Veränderung des Grundtons wird durch Filterung und Modulation erreicht. Insbesondere die spannungsgesteuerten Filter (englisch Voltage-Controlled Filter_VCF) ermöglichen weitreichende Veränderungen des VCO-Signals. Bei den Modulationen gibt es die größten Unterschiede zwischen den Synthesizern im Vergleich. Fast alle setzen speziell abgestimmte Tieffrequenz-Oszillatoren (englisch Low-Frequency-Oscillator_LFO) als Modulationsquellen ein. Das ist auch der besondere Clou bei Synthesizern – Oszillatoren werden zur Klangerzeugung und -modulation eingesetzt. Dadurch lassen sich gezielt Obertöne erzeugen, womit sich die Klangfarbe verändern lässt.

Letztlich passiert das Signal den spannungsgesteuerten Verstärker (englisch Voltage-Controlled Amplifier: VCA). Hier wird das erzeugte, gefilterte und modulierte Signal soweit erhöht, dass es über die Hochpegelausgänge an einen Audio-Verstärker oder Aktiv-Lautsprecher ausgegeben werden kann. Lautstärke, Tonhöhe und Klangfarbe resultieren aus einer elektronischen, analogen Signalkette.

2. VCO – VCF – VCO: Was sind die Hauptfunktionen eines analogen Synthesizers im Detail?

2.1. Wellenform, Pegel und gegenseitige Modulation – Oszillatoren bei der Arbeit

Synthesizer-Oszillatoren produzieren zumeist obertonreiche Wellenformen. Das ist erstrebenswert, denn auch natürliche Klänge sind nie reine Sinus-Schwingungen. Zupfen Sie bspw. die Saite einer Gitarre, ertönen neben einer Grundfrequenz mehrere andere Frequenzen, die zusammen die Klangfarbe bilden. Zur synthetischen Emulation natürlicher Klänge erzeugen analoge Synthis folgende Wellenformen:

Wellenformen Eigenschaften

Sinus-Wellenform

 

  • harmonische Schwingung
  • ohne Obertöne
  • besteht aus einer Grundfrequenz
  • alle anderen Wellen stellen Summe von verschiedenen Sinuswellen dar

Sägezahn-Wellenform

 

  • nicht harmonische Schwingung
  • reich an Obertönen
  • besteht aus gerad- und ungerade ganzzahligen Vielfachen der Grundfrequenz
  • zur Emulation von Streichinstrumenten und Orgel

Rechteck-Wellenform

 

  • nicht harmonische Schwingung
  • besteht aus ungerade ganzzahlige Vielfachen einer Grundfrequenz
  • zur Emulation von z.B. Blechblasinstrumenten
  • sehr hohle Klangcharakteristik

Dreieck-Wellenform

 

  • nicht harmonische Schwingung
  • sehr wenig Obertöne
  • besteht aus gerad- und ungerade ganzzahligen Vielfachen der Grundfrequenz
  • zum „Andicken“ von flächigen Tönen geeignet
  • zur Emulation von z.B. Holzblasinstrumenten
Rauschgenerator

 

  • zufällig wechselndes, nicht-periodisches Signal
  • meist als „weißes Rauschen“ mit überlagerten Tönen aller hörbaren Frequenzen
  • perfekt für Schlagzeug-Emulationen oder für Naturgeräusche (Wind, Meer etc.)
Generell sind die Wellenformen aber nicht auf spezielle Sounds limitiert. Filtersektion und Modulationsfunktionen der Synthesizer ermöglichen vielfältige Klangformen und laden zum Experimentieren ein. Wollen Sie aber jeglichen erdenklichen Ton synthetisch erzeugen, sollte Ihr Synthi alle Wellenformen erzeugen können.

Die Wellenformen stellen quasi ein Grundgerüst dar. Daneben ist auch die Anzahl der Oszillatoren pro Stimme und deren Kombinationsmöglichkeit entscheidend. Es gibt monophone und polyphone Synthesizer. Einstimmige Geräte sind zum Live-Spielen weniger gut geeignet: Monophone geben keine Akkorde wieder. Ob monophon oder polyphon – die besten Synthesizer benutzen aber pro Stimme meist zwei bis drei VCOs.

Duophonie statt Ringmodulation

Monophone Synthesizer bieten es manchmal an: Statt der gegenseitigen Beeinflussung zweier VCOs können auch zwei Stimmen erklingen. Dann wird aus einem Mono-Synth ein Synth mit Duophonie.

Die Oszillatoren lassen sich zur gegenseitigen Beeinflussung einsetzten und vervielfältigen die klanglichen Möglichkeiten. Häufigstes Schaltungskonzept: Zwei frei justierbare Oszillatoren werden von einem Sub-VCO unterstützt. Während die beiden Haupt-VCOs sehr umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten bieten, kopieren Sub-VCOs das gleiche Signal eine oder zwei Oktaven tiefer. Wie der Name impliziert, „dicken“ Sub-VCOs Sounds im tieffrequenten Bereich an und sorgen für einen knackigen Sub-Bass.

Folgende Möglichkeiten der gegenseitigen Modulation der beiden Haupt-Oszillatoren werden eingesetzt:

  • Oszillatoren-Synchronisation: Lassen Sie zum Beispiel Sägezahn-Welle und Rechteck-Welle gleichzeitig erklingen und kreieren Sie spannende Lead-Sounds. Die Kombination von Wellenformen verleiht Ihren Tracks einen besonderen Wiedererkennungswert. Bei unterschiedlicher Frequenz der beiden VCOs wird einer bei jeder Schwingung zurückgesetzt, was zu mehr oder weniger schneidenden Sounds führt. Für elektronische Musik ein absolutes Muss.
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  • Frequenzmodulation: Benutzen Sie die Amplitude (Lautstärke) des einen VCO zur Veränderung der Tonhöhe (Frequenz) des anderen. Frequenzmodulationen eignen sich zur Erstellung sehr obertonreicher Sounds und halten so einige Überraschungen bereit, denn das erzielbare Resultat ist kaum vorab zu definieren: Experimentieren ist Pflicht!
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  • Amplitudenmodulation: Komplett umgekehrt: Bei der AM moduliert das Ausgangssignal des einen die Lautstärke des anderen Oszillators. Hierbei können Sie interessante Verzerrungen erzeugen. Sehr künstliche Sounds – für dramatische Filmszenen sehr passend.
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  • Ringmodulation: Ringmodulation ist ein Rechenspiel: Beide VCOs erzeugen unterschiedliche Signale. Die Summen- und Differenzfrequenzen der beiden Signale stellen die Ausgangssignale der Ringmodulation dar. Die erzeugten Dissonanzen und metallisch klingenden Sounds eignen sich perfekt für Musik des Industrial-Genres.

Exkurs Keyboard: Ein gelungener Synthesizer-Test kommt nicht um eine detaillierte Betrachtung der Tastatur hinweg. Wir haben der Tastatur in unserem Vergleich sogar eine besondere Stellung eingeräumt und uns nur auf analoge Synthesizer mit Keyboard konzentriert.

klaviatur-synthesizer

Insbesondere die Unabhängigkeit und Flexibilität der analogen Keyboard-Synthesizer lässt Einsteigern und Profis eine gewisse Freiheit, denn hier benötigen Sie keine separate MIDI-Tastatur.

Auch wegen der Unabhängigkeit vom PC und etwaiger Synthesizer-Software bzw. VST-Plugins sind analoge Hardwaresynthis mit Keyboard für intuitives jamen prädestiniert.

Noch besser: Über die Tastatur der elektronischen Klangerzeuger lassen sich bestimmte Parameter steuern, die nicht direkt mit den zu erzeugenden Tönen in Verbindung stehen:

  • Velocity: Die Anschlagsgeschwindigkeit und -stärke steuert die Lautstärke und Intensität der Oszillatoren. Damit können Sie wie beim Klavier mittels Ihrer Fingerfertigkeit bereits wichtige Klangparameter steuern.
  • Aftertouch: Sie haben einen Klang erzeugt und halten die Taste gedrückt. Nun variieren Sie die Intensität und können somit weitere Effekte hinzufügen – bspw. einen Vibrato, Tremolo oder eine Filterkurve.

Die Tastenanzahl kann entscheidend sein: Wollen Sie richtig jamen und Ihren Synthi auch mal zum vollwertigen Tasteninstrument umfunktionieren? Polyphonie ist Pflicht! Mit 37–44 Tasten spielen Sie drei Oktaven und holen alles aus Ihrem Gerät heraus. Kleinere Keyboards mit 25 Tasten spielen max. 2 Oktaven – alle Synthis im Vergleich lassen sich aber per Knopfdruck transponieren.

2.2. Subtraktive Synthese – Der der Filter ist die Waffe

große-klinke-synthesizer

Bevorzugter Synthesizer-Anschluss – 6,3 mm Klinkenstecker. Daneben wird auch die kleinere 3,5 mm Version häufig genutzt,

Analoge Synthesizer als Pioniere aller nachfolgenden Modelle mit digitaler Klangerzeugung arbeiten mit subtraktiver Klangsynthese. Kurzum: Die obertonreichen Oszillator-Klänge werden um einen Teil Ihrer Obertöne gebracht, damit ein fertiger Sound entstehen kann. Neben der Modulation ist die Filterung der erzeugten Wellen ein wichtiger Bestandteil beim „Schrauben“. Dabei werden verschiedene Typen hinsichtlich Ihrer Funktion unterschieden:

  • Tiefpass-Filter: Filtert hohe Frequenzen und lässt tiefe passieren.
  • Hochpass-Filter: Filtert tiefe Frequenzen und lässt hohe passieren.
  • Bandpass-Filter: Filtert Frequenzen oberhalb UND unterhalb eines definierten Frequenzbereichs
  • Kerbfilter: Filtert bestimmte Frequenzen oder Frequenzbereiche innerhalb eines definierten Frequenzbereichs

Die Filter haben eigene Klangcharakteristika. Wichtigster Filter bei Analog-Synthesizern – der Tiefpassfilter. Hiermit lassen sich bereits alle Frequenzen bis zum absoluten Cut-Off (bei dem kein Ton mehr hörbar ist) filtern. Mehr Filter erlauben aber mehr Spielraum bei der Erzeugung von Tönen. Hier spielt sicher auch der Einsatzzweck eine wichtige Rolle. Je multifunktionaler der Synth eingesetzt werden soll, desto entscheidender sind auch andere Filter-Typen, die im Verbund als Multimode-Filter bezeichnet werden.

Wollen Sie also neben knackigen Drums und prägnanten Lead-Sounds auch verschiedene Naturtöne und Instrumente erzeugen, sollten Sie einen Multimode-Filter in Erwägung ziehen. Generell gilt: Die Cut-Off-Frequenz lässt sich stufenlos regeln. Dadurch können Sie ganz exakt bestimmen, ab welcher Frequenz ein Filter einsetzen soll. Darüber hinaus verfügen alle Synths im Vergleich über einen Resonance-Regler. Damit können Sie die Cut-Off-Frequenz besonders betonen, um sehr quietschende Töne zu erstellen. Die genaue Klangqualität ist von Synthi zu Synthi verschieden und kennzeichnet die individuellen Stärken der Geräte.

Letztlich hat auch die „Aggressivität“ des Filters klanglich Auswirkungen. Mit der Flankensteilheit eines Filters regeln Sie die Intensität, mit der die Cut-Off-Frequenz greift. 12 dB und 24 dB pro Oktave lassen sich fast immer einstellen. Geringere Werte sind seltener, können aber insbesondere für klassische Musik und seidige Flächen-Sounds sehr interessant sein. Je weniger steil die Kurve des Filters verläuft, desto harmonischere Filterverläufe lassen generieren.

Stichwort Selbstoszillation: Viele Filter warten mit einer interessanten Funktion auf. Da im analogen Schaltkreis immer ein Grundrauschen produziert wird, kann der Filter zum Oszillator mutieren. Dabei wird bei ausgeschalteten VCOs der Resonanzregler des Filters voll aufgedreht und es entsteht ein sinusförmiger Grundton. Die Tonhöhe wird durch den Cut-Off-Regler bestimmt. Interessante Effekt sind das Resultat – wie der Wha-Wha-Effekt in folgendem Video:

2.3. Auf Pegel bringen – spannungsgesteuerte Verstärker machen das Signal hochpegeltauglich

Am Ende der Signalkette steht ein Verstärker oder ein Pärchen Aktiv-Boxen, um den erzeugten Klang bzw. die Klangfolge wiederzugeben. Am Synthesizer Kopfhörer anzuschließen, ist selbstverständlich auch immer möglich. Dafür muss aber ein kleiner spannungsgesteuerter Leistungsverstärker bereits Vorarbeit leisten, denn der komplette Signalfluss im VCO und VCF ist sehr gering. Manchmal arbeiten die VCAs aber auch umgekehrt als „Abschwächer“, falls das Signal bereits zu hoch ist.

Überall gleich: Alle Synthis besitzen eine stufenlose Lautstärke-Regelung – für den Audio- und Kopfhörerausgang getrennt. Darüber hinaus lassen sich auch bestimmte Hüllkurven für den VCA einstellen, worauf wir später noch gesondert eingehen werden. Selten ermöglichen es Hersteller analoger Geräte zusätzliche Parameter am Audio- oder Kopfhörerausgang des Synthesizers zu steuern – dann lassen sich aber noch Regler für Fine-Tuning oder Übersteuerung ausmachen.

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3. Ungeahnte Möglichkeiten: Lassen sich mit Modulationen spezielle Effekte erzeugen?

Mit den Oszillatoren entlocken Sie den Synthesizern Töne, die Sie durch Filterung in eine entsprechende Form bringen können. Für die Dynamik in der Synthesizer-Musik müssen Sie Klänge modulieren. Ein Zittern in der Stimmlage (auch Tremolo genannt), ein kontinuierliches Wabern des Basses (auch Vibrato genannt) oder stetig wiederkehrende Filterverläufe für eine spannungsgeladene Sequenz lassen sich mit LFOs, Hüllkurven und speziellen Verzerrungsreglern erstellen.

3.1. Low-Frequency-Oscillator (LFO) – periodische Effekte erzielen

CV-Pedal

LFO und andere Funktionen lassen sich auch über ein Fußpedal steuern.

Mit einem Low-Frequency-Oscillator (LFO) stellen Ihnen analoge Synthis neben den bereits erläuterten VCOs zusätzlich Frequenzgeneratoren zur Verfügung. Einziger Unterschied: Vom LFO produzierte Signale können Sie nicht über an den Synthesizer angeschlossenen Lautsprechern hören. Tieffrequente Oszillatoren werden nur zur Beeinflussung der VCOs eigesetzt. Sie produzieren zumeist so tiefe Frequenzen, dass diese dem menschlichen Gehör verborgen bleiben.

Die Arbeitsweise ist simpel: Das LFO-Signal wird per Ringmodulation mit dem Signal eines VCOs verbunden – allerdings periodisch. Mit der LFO-Rate lässt sich die Geschwindigkeit des Effekts regeln. Die Schaltungen sind allerdings komplex, da ein analoger Synthesizer bis zu vier LFOs in seinem Gehäuse vereinen kann. Darüber hinaus lassen sich verschiedene Parameter durch einen LFO modulieren: Tonhöhe, Lautstärke, Klangfarbe oder Filtereinstellungen.

Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass hier kaum valide Aussagen über klangliche Potentiale und Resultate gegeben werden können. Einzig valide lässt sich festhalten: Wenn Sie gerne Experimentieren und Ihrer Kreativität keine Grenzen setzten wollen, sind mehrere LFOs mit variablen Einstellungsmöglichkeiten perfekt. Allerdings dürfen Sie auch keine Scheu vor vielen Reglern und komplexen technischen Funktionen haben. Sollten Sie gerade ins Synthi-Segment einsteigen und wenige Erfahrungen haben, können auch ein bis zwei LFOs eine gute Basis sein.

3.2. Envelope Generators – Mit Hüllkurven Parameter exakt steuern

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Audio-, MIDI-, und CV-/Gate-Anschlüsse. Der Moog Sub 37 ist für alles gerüstet.

Ob Modular-Synth, Software-Synth, Keyboard-Synth – Hüllkurven stellen sowohl bei analogen als auch bei digitalen Synthesizern elementare Funktionen dar. Die im englischen als Envelopes bezeichneten Hüllkurven erweitern die Optionen: Sie steuern zeitliche Verläufe von Tönen oder Filtern. Dabei werden bestimmte Parameter unterschieden, die Start-, Halte- und Nachhallzeiten regulieren und individuell anpassbar sind:

  1. Attack: Regelt die Einschwingzeit eines Tones oder einer Filterkurve. Höhere Attackzeiten bedeuten einen bei Tastendruck langsamer aufbauenden Ton. Je geringer der Wert, desto abrupter kann eine Note wiedergegeben werden, was insbesondere für Drum-Sounds wichtig ist.
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  2. Decay: Regelt den Zeitintervall, bis zu dem der Sustain-Level erreicht wird.
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  3. Sustain: Der Sustain-Level kann als Hold-Level interpretiert werden und gibt an, wie lange ein Ton oder eine Filterkurve nach Aktivierung gehalten wird.
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  4. Release: Regelt die Ausschwingzeit eines Tones oder Filterkurve. Je höher der Wert, desto länger hallt ein Ton nach oder klingt eine Filterkurve aus. Insbesondere für flächige Sounds sind lange Releasezeiten unabdingbar.

Die meisten Marken spendieren ihren Modellen einen flexiblen Hüllkurven-Generator – Entweder mit fester Zuordnung zu VCF und VCA, oder auch frei programmierbar. Die besten Synthesizer können auch zwei oder drei dieser Generatoren zur Steuerung der Lautstärke, Tonhöhe und Filterkurven beherbergen und die Einstellungen sogar als Loop immer und immer wieder reaktivieren.

Tipp: Die ADSR-Hüllkurven lassen sich bei manchen Synths auch auf Modulationen des LFO anwenden. Sie fügen den rhythmischen Modulationen gewisse Spannungsverläufe hinzu, was der Musik noch mehr dynamische Elemente verleiht.

4. On Top – Mit Arpeggiator und Sequenzer ganze Tracks erstellen und speichern

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Kein Sequenzer integriert? Der Korg SQ-1 kommuniziert über CV-/Gate-Anschlüsse mit Ihrem Gerät.

Die meisten analogen Synthis gehören eigentlich in die Kategorie: Mischwesen. Denn fast alle können die erzeugten, gefilterten und modulierten Töne speichern – zumindest vorübergehend. Viele haben aber sogar integrierte Speicherplätze zum dauerhaften Speichern eigener Presets.

Eine einfache Möglichkeit zum Abspielen einer Abfolge von Tönen stellt die Arpeggiator-Funktion dar. Dazu müssen Sie einfach eine Abfolge von Tönen programmieren, die sich einmal gespeichert durch einen Tastendruck abspielen und auch loopen lässt. Anschließend bei laufendem Loop weitreichende Veränderungen vorzunehmen, ist natürlich kein Problem. Folgendes Video zeigt Ihnen den Workflow:

Noch umfangreicher ist natürlich ein Step-Sequencer. Damit lassen sich sehr umfangreiche Tonfolgen speichern. Die besten integrierten Sequenzer speichern bis zu 64 aufeinanderfolgende Töne. Noch besser: Zumeist können Sie mehrere Spuren aufzeichnen, womit sich vom Leadsound über die Drums bis hin zur Fläche bereits viele wichtige Elemente eines ganzen Tracks mit einem analogen Synthesizer kreieren und abspeichern lassen. Mit vielen Hundert Speicherplätzen ausgerüstet, können Sie Ihre kreativen Sounds für die spätere Verwendung direkt im Gerät sichern. Gerade die Kombination aus Arpeggiator und Sequenzer macht die analogen Keyboard-Synthesizer zu flexiblen Musikinstrumenten für den Live-Einsatz.

5. Kommunikationstalente – Mit den richtigen Anschlüssen bleiben Sie flexibel

Klar, die hier verglichenen Modelle glänzen besonders durch Ihre Unabhängigkeit. Schließlich sind Sie eine Antwort auf modulare Synths. Bei Modular-Synthesizern übernehmen verschiedene Geräte verschiedene Aufgaben. Filterung, Verstärkung, Oszillation – für jeden Arbeitsschritt gibt es ein eigenes Gerät und alle werden mit Patchkabel verbunden.

Die Geräte hier bestechen durch Ihr Integrationsvermögen. Trotzdem bieten sie diverse Schnittstellen und Anschlüsse für Peripherie-Geräte:

Anschluss Beschreibung

Audio-Anschlüsse

klinke_6.3-audio

  • entweder über 6,3 mm oder 3,5 mm Klinkenbuchse
  • zum Anschluss an Aktiv-Lautsprecher, Audioverstärker oder Kopfhörer (Audio-Ausgänge)
  • zum Anschluss einer externen Audioquelle (Audio-Eingänge)
  • Eingangs- und Ausgangsbuchsen werden unterschieden (In/Out)
CV-/Gate-Anschlüsse

klinke 3.5mm

  • entweder über 6,3 mm oder 3,5 mm Klinkenbuchse
  • zur Kommunikation mit anderen analogen Geräten
  • bspw. Sampler, Effektgeräten, ext. Sequenzern etc.
  • überträgt nur Steuerinformationen wie Tonhöhe, -dauer oder Anschlagstärke – keine Audiodaten
  • Eingangs- und Ausgangsbuchsen werden unterschieden (In/Out)
MIDI-Anschlüsse

midi-kabel-anschluss

  • entweder über 5-polige DIN-Buchse oder USB
  • zur Kommunikation mit anderen digitalen Geräten
  • vereinfacht die Steuerung anderer Geräte und ermöglicht die Fernsteuerung durch anderer Geräte
  • überträgt nur Steuerinformationen wie Tonhöhe, -dauer oder Anschlagstärke – keine Audiodaten
  • Eingangs-, Ausgangs- und Durchschleif-Buchsen werden unterschieden (In/Out/Through)
Besonders die CV-/Gate-Anschlüsse sind bei analogen Synthesizern bemerkenswert. Mit Ihnen lassen sich ähnliche Funktionen wie mit der Nachfolge-Schnittstelle MIDI steuern. Weitere Informationen finden Sie hier.

6. Fragen und Antworten zum ums Thema Analog-Synths

cv-gate-anschluesse

Starker Verbund: Über Patchkabel verbundene Komponenten.

6.1. Was bedeutet Synthesizer?

Das englische Verb to synthesize bedeutet: synthetisch zusammensetzen. Dieses Verb hat seinen etymologischen Ursprung im griechischen Wort Synthese, was dieselbe Bedeutung trägt. Insbesondere der Aspekt des nachträglichen bzw. künstlichen Zusammensetzens charakterisiert die Wortbedeutung und symbolisiert auch das Verfahren des elektronischen Musikinstruments: Beim Synthesizer werden Töne künstlich erzeugt. Es sind folglich keine aufgezeichneten Töne eines natürlichen Schallereignisses.

6.2. Wie spielt man einen Synthesizer?

Dem Synth einen Ton zu entlocken, gelingt auf verschiedenen Wegen. Synthesizer mit Klaviatur lassen sich durch Tastendruck spielen. Ohne Keyboard müssen Sie auf Druckknöpfe bzw. Dreh- und Schieberegler zurückgreifen. Konzeptionell kann ein Synthi zwar ähnlich wie ein Klavier benutzt werden, jedoch sind insbesondere analoge Synthesizer oft monophon. Polyphone Analog-Synthesizer haben nur wenige Stimmen, weshalb hier Akkorde nur bedingt spielbar sind.

6.3. Wie funktioniert ein Synthesizer?

Die Hauptbestandteile eines Synthesizer sind elektronischen Schaltungen: Oszillatoren, Filter und Verstärker. Damit werden sowohl Töne erzeugt als auch moduliert. Durch die Erzeugung obertonreicher Wellenformen und deren Filterung und Modulation lassen sich alle erdenklichen Sounds erstellen. Je nach Schaltkonzept haben analoge Synthis bestimmte Vor- oder Nachteile. Daher stammen bestimmte Begriffe wie Bass-Synth, Drum-Synth oder Guitar-Synth. Dennoch sind diese Bezeichnungen nicht als Limitierung zu betrachten. So muss beispielsweise die Novation Bass Station II als vollwertiger Synthesizer betrachtet werden und lässt sich keinesfalls nur auf den Bass-Bereich reduzieren.

6.4. Wer hat den Synthesizer erfunden?

Der Namensgeber des US-amerikanischen Synthesizer-Produzenten Moog – Robert Moog – gilt auch als der Erfinder des Synthesizers. Seine grundlegenden Forschungen und Entwicklungen führten bereits in den frühen 1960er Jahren zur Konstruktion der ersten Synthesizer-Prototypen. Der legendäre Kompakt-Synthesizer Minimoog Modell D stellt den ersten Live spielbaren Synth dar und wurde 1970-1981 in großen Stückzahlen verkauft.

Das Gerät verhalf Bands wie Pink Floyd, Manfred Mann’s Earth Band und Kraftwerk zu Welterfolgen und bereite den Weg für alle populären elektronischen Musikgenres. Auch heute wird in verschiedenen Synthesizer-Tests auf die gute Qualität der Nachfolge-Modelle des amerikanischen Unternehmens verwiesen.