Das Wichtigste in Kürze
  • Entscheidend für den Nutzen eines Schmerzgels ist vor allem der Wirkstoff. Bei Entzündungen hilft Diclofenac vielen, aber auch Schmerzsalben mit Ibuprofen oder Felbinac können Ihnen Linderung versprechen.
  • Bessern sich die Symptome auch nach drei- bis fünftägiger Anwendung des Schmerzgels nicht, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Die Selbstmedikation mit Schmerzcremes kann keinen ärztlichen Rat ersetzen.
  • Bei tiefliegenden Schmerzen wirken Salben nicht immer. Im Zweifel ist die Einnahme ärztlich verordneter Tabletten erforderlich, deren Nebenwirkungen stark sein können.

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Schmerzmittel gehören in Deutschland zu den meistverkauften, rezeptfreien Arzneimitteln. Ibuflam (Schmerztablette mit Ibuprofen) war 2015 sogar das zweitmeistverkaufte Medikament, wie eine Erhebung des IMS Health Instituts ergab. Über 23 Millionen Packungen wurden verkauft. Voltaren dolo kam mit circa 18 Millionen verkauften Packungen auf Platz vier der beliebtesten Medikamente.

Viele schmerzlindernde Wirkstoffe sind auch in Cremes enthalten. Doch nützen diese wirklich genauso viel wie Tabletten? Sind teure Tuben immer besser als die billigen oder reicht nicht ein Produkt aus der Drogerie? Unser Schmerzgel-Vergleich 2020 klärt die wichtigsten Fragen zu dem Thema.

1. Sind Schmerzgele sanfter als Schmerztabletten?

Arzneimittel richtig entsorgen

Medikamente gehören nicht in die Spüle oder in die Toilette. Über den Restmüll können Sie alte Arzneimittel umweltverträglich versorgen – sofern der Restmüll zu einer Verbrennungsanlage kommt.

Dies ist nicht in jeder Kommune der Fall, daher nehmen auch Recyclinghöfe und Schadstoffmobile Medikamentenabfall an.

„Stoppt den Schmerz, wo er entsteht“, heißt es in einer Werbung für eine Schmerzcreme. Auch wenn es hier anders klingt, sind Tabletten dennoch effektiver als lokale Anwendungen. Denn bei der äußeren Anwendung müssen die Wirkstoffe durch Hautschichten gelangen.

Dafür sind die Nebenwirkungen von Schmerzgelen deutlich geringer und treten seltener auf. Zu diesen gehören hauptsächlich Hautausschlag und andere entzündliche Reaktionen auf der Haut. Daher können Sie die Salben auch häufiger auftragen.

Die Schmerztabletten dagegen können zu Magen-Darm-Beschwerden führen und das Herz-Kreislauf-System belasten. Zudem stellt ein hoher Medikamentenkonsum immer einen gewissen Risikofaktor für Leber und Niere dar.

schmerzcreme rücken Je näher das Schmerz-Problem an der Haut liegt, desto zuverlässiger können Ihnen Cremes helfen.

Hier sehen Sie die Vor- und Nachteile von Schmerzgelen im Vergleich zu denen von Tabletten auf einen Blick:

  • Nebenwirkungen sind seltener und deutlich schwächer
  • Schmerzgels dürfen regelmäßig angewendet werden
  • Wirkstoff muss erst durch die Haut kommen
  • Wirkung bei sehr starken Schmerzen nicht ausreichend

2. Ist Wärme ist bei Entzündung und Bluterguss wichtig?

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Laut einer Statista-Umfrage von 2017 gebrauchen 34 Prozent der Deutschen Schmerzsalben bzw. Wärmepflaster, um Rückenschmerzen zu lindern.

Bei akuten Sportverletzungen wie beispielsweise Prellungen oder Entzündungen der Gelenke ist die durchblutungsfördernde Wirkung von Wärme kontraproduktiv.

Auch wenn Sie gerade Fieber haben, sollten Sie auf Wärmeanwendungen verzichten.

Benutzen Sie in solchen Fällen stattdessen kühlende Schmerzgels. Kühlende Salben sind auch bei Blutergüssen sinnvoll, da der Kältereiz die kleinen Blutgefäße unter der Haut verengt und so die Blutung verringert.

Bei Salben gegen Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen ist Wärme oft wirkungsvoll, wenn die Schmerzen aus Verspannungen oder Überlastungen resultieren.

Auch einen Muskelkater machen wärmende Sportsalben angenehmer (ersetzen aber nicht Aufwärmübungen oder Dehnübungen). In solchen Fällen sind übrigens auch Heizkissen, Wärmeflaschen oder Wärmekompressen hilfreich.

schmerzcreme testTipp: Einen entzündungsbedingten Schmerz erkennen Sie meist daran, dass die entsprechende Stelle warm, gerötet oder angeschwollen ist.

Wenn Sie als junger Mensch regelmäßig mit Schmerzen im Rücken oder Nacken aufwachen und diese sich erst nach Auflockerungen bessern, deutet das ebenfalls auf Entzündungen hin.

3. Kaufberatung zu entzündungshemmenden Salben und Schmerzgelen

3.1. Auf diese Wirkstoffe müssen Sie achten

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Paracetamol hilft anders als Ibuprofen kaum gegen Entzündungen und ist daher besser gegen Fieber, Kopf- oder Regelschmerzen geeignet.

Die apothekenpflichtigen Schmerzcremes verwenden vor allem Wirkstoffe, welche der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, angehören. Antirheumatisch bedeutet, dass sie besonders bei Entzündungen helfen.

Nichtsteroidal heißt, dass es sich nicht um ein Kortisonmittel handelt. Wirkstoffe vom Typ NSAR helfen vor allem bei Schmerzen nach Verletzungen und teilweise bei Gelenkentzündungen bzw. Gelenkschmerzen.

Weniger wirksam sind die entzündungshemmenden Salben, wenn Ihre Schmerzen durch Muskelverspannungen entstanden sind. Dann helfen die wärmenden Mittel besser.

Zu den NSAR gehören folgende Wirkstoffe:

  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Etofenamat
  • Flufenaminsäure
  • Naproxen
  • Felbinac

Nach bisherigen Studien gilt Diclofenac als das wirksamste nichtsteroidale Antirheumatikum für die lokale Anwendung. Bis zu einer Konzentration von 5 % sind Schmerzgele mit Diclofenac ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Salben und Pflaster mit anderen NSAR-Wirkstoffen wurden noch nicht so intensiv durch klinische Studien geprüft, daher ist deren Nutzen eventuell höher, als bislang erwiesen ist.

Umweltschützer sehen Diclofenac allerdings sehr kritisch: In deutschen Gewässern wurden hohe Konzentrationen des Inhaltsstoffes gefunden, die schädlich für Fische sind. Und auch das Trinkwasser ist durch langlebige Substanzen wie Diclofenac belastet.

Tipp: Nachdem ein Wirkstoff-Patent abgelaufen ist, kommen günstigere Nachahmer (Generika) auf den Mark. Ein günstiges Schmerzgel Generikum ist etwa Diclo von Heumann Pharma. Sein Vorgänger-Original ist Voltaren.

Aber: Dosis und Hilfsstoffe können variieren und ein Generikum kann Allergien auslösen oder eine andere Haltbarkeit aufweisen. Lassen Sie sich im Zweifel von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

3.2. Nutzen durch Schmerzgele nicht hinreichend bewiesen

Die Stiftung Warentest fasste im Oktober 2017 zentrale Erkenntnisse aus Studien mit äußerlich angewendeten NSAR-Wirkstoffen zusammen.

Es zeigte sich, dass manche Versprechen der Pharmaunternehmen nur eingeschränkt stimmen:

Symptom Nutzen durch Schmerzgele
Arthrosebeschwerden an Fingern und Knien Bei Diclofenac: Deutliche Linderung ist in den ersten acht bis zehn Wochen erkennbar, nach drei Monaten gibt es kaum einen Unterschied im Vergleich zum Behandlungserfolg mit einem Scheinmedikament.
chronische Beschwerden an anderen Gelenken Hierfür liegen noch keine aussagekräftigen Studien vor.
akute Sportverletzungen wie Schwellungen, Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen In der ersten Woche nach der Verletzung wirken die antientzündlichen Gele deutlich besser als wirkstofffreie Gele. Pflaster nützen sogar bis zu zwei Wochen nach der Verletzung.
rheumatische Beschwerden/Rückenschmerzen Der Nutzen der NSAR-Stoffe ist hier nicht ausreichend nachgewiesen worden.

4. Sind schonende Mittel auf pflanzlicher Basis effektiv?

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In pflanzlichen Salben sind oft ätherische Öle enthalten. Diese können genau wie chemische Mittel Allergien auslösen.

Teufelskralle, Arnika, Eukalyptusöl auch Wirkstoffe der pflanzlichen Kategorie sollen Schmerzen bekämpfen und Entzündungen hemmen.

Die Untersuchungsergebnisse zu dem Nutzen sind jedoch meist unklar oder nicht vorhanden, weshalb in unserem Schmerzgel-Vergleich kein rein pflanzliches Mittel zu den besten gehört.

So wird von Experten beispielsweise das Produkt Kytta-Balsam dafür kritisiert, dass die einzige Studie zum verwendeten Beinwellwurzel-Extrakt nicht optimal durchgeführt wurde.

Der Balsam kann schnell schmerzlindernd wirken, das ist aber eben nicht sicher belegt.

Eine positive Ausnahme ist der Cayennepfeffer mit dem natürlichen Alkaloid Capsaicin (CPS), welches auch für Wärmepflaster verwendet wird. Hier ist der Nutzen bei Muskelschmerzen im Bereich von Armen, Schultern sowie dem Rücken belegt.

Möchten Sie regelmäßig eine Schmerzsalbe benutzen, schadet es nicht, ein paar von der sanfteren Sorte auszuprobieren.

Positive Erfahrungsberichte bezüglich der Behandlung gegen Verspannungen sind vorhanden; auf Unbedenklichkeit wurden diese Produkte geprüft.

5. Zur Umweltverträglichkeit von Schmerzgelen im Test

prüfte im März 2017 19 Schmerzgele. In diesem Schmerzgel-Test ging es vor allem darum, ob die Wirkung der verwendeten Inhaltsstoffe wissenschaftlich belegt ist, und ob diese umweltverträglich sind.

Die Schmerzgel-Testsieger wurden die Mobilat Intens Muskel- und Gelenksalbe 3% Creme von Stada sowie das Thermacare Schmerzgel von Pfizer. Die beiden besten Schmerzgele verwenden Flufenaminsäure bzw. Felbinac, deren Nutzen klinische Studien klar bestätigen.

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Schmerzsalben mit Arnika und anderen Heilpflanzen erhielten von Ökotest schlechte Noten.

Das Voltaren Schmerzgel erhielt nur die Note 4. Aufgrund der umweltschädlichen Auswirkungen von Diclofenac wertete Ökotest das Produkt ab.

Noch schlechtere Bewertungen erhielten Schmerzgele aus Drogerien, von denen man höchstens eine kühlende oder wärmende Wirkung erwarten könne.

So setzt beispielsweise das Produkt Das gesunde Plus Medizinische Sport Salbe aktiv aus dem DM auf eine Arnikablütentinktur, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist.

6. Fragen und Antworten zum Thema Schmerzgel

  • Welche Schmerzgele dürfen in der Schwangerschaft verwendet werden?

    Grundsätzlich sollten Sie kein Schmerzgel jeglicher Marke aus unserem Vergleich während der Schwangerschaft oder Stillzeit verwenden, ohne dass Sie das mit Ihrem Arzt abklären.
  • Salben mit Diclofenac beispielsweise dürfen Sie in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden und anschließend gar nicht.
  • Wie lange ist ein Schmerzgel haltbar?

    Unabhängig davon, welches Schmerzgel Sie kaufen, alle haben ein Haltbarkeitsdatum. Danach sollten Sie das Produkt nicht mehr anwenden. Auch nach dem Öffnen sollten Sie die Gele nicht ewig verwenden. Das Voltaren-Gel beispielsweise ist nach dem Öffnen maximal drei Jahre haltbar, während Mobilat intens nach Angaben des Herstellers geöffnet nur ein Jahr haltbar ist.

    Informationen zur Haltbarkeit nach Anbruch finden Sie immer am Ende des Beipackzettels. Generell empfiehlt es sich, Salben nicht in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit zu lagern, also besser nicht im Badezimmer.

  • Wie oft darf man die Schmerzsalben auftragen?

    Sie können die Salben in der Regel drei- bis viermal täglich auftragen. Starke Mittel wie das Voltaren Schmerzgel forte wirken etwa zwölf Stunden und dürfen Sie daher nur zweimal am Tag auf Ihren Körper auftragen.
  • Wie hochdosiert ein Schmerzgel ist und wie häufig es maximal am Tag aufgetragen werden darf, entnehmen Sie der Packungsbeilage.
  • Welches Schmerzgel ist für Kinder geeignet?

    Cremes gegen Schmerzen, die auch für Kinder unter 14 Jahren geeignet sind, haben lediglich einen kühlenden oder wärmenden Effekt. Für Kinder, die ein richtiges Schmerzmittel benötigen, gibt es spezielle Säfte mit Ibuprofen.