Das Wichtigste in Kürze
  • Trotz ihrer Länge muss die Lawinensonde gleichzeitig äußerst stabil und steif sein. Deshalb bestehen die meisten Lawinensonden aus Carbon oder Alu, einige wenige aus Titan.
  • Das Benutzen der Lawinensonden ist nur in Ausnahmesituationen gefragt. Damit sie dann griffbereit sind, sollten sie klein und leicht genug für jeden Rucksack sein.
  • Bei der Bergrettung sind Lawinensonden Teil der Ausrüstung. Auch wenn mit viel Funktechnik gearbeitet wird, gelingt erst mit ihr die exakte Ortung unter Schnee.

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Am Beispiel der Schweiz, die weit zurückreichende Statistiken führt, zeigt sich, dass die Gefahr durch Lawinen recht konstant bleibt. Umso wichtiger ist es, für genau diese Situation die passenden Rettungswerkzeuge dabei zu haben. Neben einer Vielzahl von Funkgeräten und hochmodernen Ortungssystemen bleiben Lawinenschaufel und Lawinensonden unerlässlich.

In unserem Lawinensonden-Vergleich 2020 erfahren Sie, welche Unterschiede bei den Materialien in der Praxis auftreten können. Nicht zwangsläufig müssen Lawinensonden 320 cm lang sein, was auch ein Blick auf die Verhaltensregeln bei Lawinen hier auf Vergleich.org zeigt.

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1. Ist die Lawinensonde ein wichtiger Teil der Ski-Ausrüstung?

Gefahrenstufen

Die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenabgangs wird in fünf Stufen unterteilt. Die meisten Opfer sind laut Institut für Schnee- und Lawinenforschung bei der mittleren Stufe zu verzeichnen. Erfahrene Skifahrer trauen sich bei dieser Lage noch ins Gelände und verursachen die Abgänge teils selbst.

Ist das Unglück passiert, bleibt nicht viel Zeit. Da ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) stets auf Sendebetrieb ist, müssen die Suchende jetzt auf Empfang umstellen und das Gebiet, in dem die Verschütteten vermutet werden, entweder rasterförmig oder entsprechend konzentrischer Kreise absuchen. Hierfür sind mehrere Meter Abstand sinnvoll und die besten Strategien hängen von der Anzahl der Helfer ab, wobei mehr natürlich immer besser sind.

Besteht der Signalkontakt, kommen die Lawinensonden zum Einsatz, die in einer schneckenförmigen Kreisbewegung in den Schnee getaucht werden, um Hindernisse im tiefen Schnee aufzuspüren. Dann heißt es, die Skala an der Lawinensonde kurz abzulesen und gezielt loszubuddeln mit Schneeschaufel und alle anderen Hilfsmitteln, die zur Verfügung stehen. Schnelligkeit ist beim Einsatz eines Lawinensets das oberste Gebot, denn bereits nach knapp 15 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich.

Fazit: Sind Sie sich des Risikos bewusst, das in verschneiten Bergen herrscht, und befolgen alle Sicherheitsregeln, dann darf auch die Lawinensonde nicht fehlen. Zusammen mit Lawinenschaufel und LVS-Gerät können Sie dank einer kompletten Ausrüstung sofort nach einem Abgang reagieren und Leben retten. Die eingebauten RECCO-Sender, die teilweise auch in preiswerter Winterbekleidung von Aldi oder Lidl vernäht sind, können nur von Rettungsdiensten geortet werden. Für die schnelle Suche abseits belebter Gebiete sind Sonden und Zubehör ohne Alternative.

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2. Verschiedene Typen von Lawinensonden: Ist an Aluminium und Kohlenstofffasern kein Vorbeikommen?

In verschiedensten Tests von Lawinensonden im Internet lassen sich genau zwei Materialien identifizieren, die herangezogen werden, um die nötige Stabilität zu erreichen. Pauschal kann daran aber nicht festgemacht werden, welche am Ende die besten Lawinensonden sind.

Kategorie Eigenschaften
Lawinensonde aus Kohlenstofffasern
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+ sehr geringe Dichte
+ hohe Festigkeit
+ biegsam
- kann bei seitlicher Belastung brechen
Lawinensonde aus Aluminium
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+ geringe Dichte
+ kann nicht brechen
+ rostet nicht
- leicht verformbar
Keine Gewichtsfrage: Nicht einmal ein Gramm trennt beide Stoffe bei der Dichte je Kubikzentimeter. Zugseil, Griff und Arretierung ähneln sich zumeist stark, sodass der Lawinensonden-Testsieger beim Gewicht nicht an der Frage „Carbon oder Alu?“ ausgemacht werden kann.

Für die Kaufberatung besitzt das Material keinen übergeordneten Stellenwert. Während die eine Sonde verbiegen kann, besteht bei der anderen die Gefahr des Brechens. Allerdings ist es nur wichtig, dass sie in dem einen Moment funktioniert, in dem sie gebraucht wird. Dann bleibt natürlich das Argument, dass Aluminium eher bei günstigen Lawinensonden von 20 bis 50 € zu finden ist. Kohlenstofffasern sind allein durch den aufwendigen Herstellungsprozess teurer als Alu und liegen oft deutlich über 50 €.

Andere Materialien finden sich am ehesten bei Lawinensonden der Bergrettung. Hier sind sie häufiger in Gebrauch und Gewicht und Packmaß spielen kaum eine Rolle. Dann lässt sich durchaus auch Titan einsetzen, das noch einmal wesentlich stabiler, aber auch spürbar kostspieliger ist.
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3. Welche Details gehören in jeden Testbericht über Lawinensonden?

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Ist der ungefähre Fundort in einer Lawine ermittelt, entscheidet die Suche mit der Sonde, wo gegraben wird.

3.1. Die Handhabung hat im Notfall oberste Priorität

Unter dem Zeitdruck, der einer Lawinenrettung innewohnt, fallen auch einfachsten Handgriffe plötzlich schwer oder misslingen. Wie leicht sich eine Lawinensonde benutzen lässt, ist deshalb besonders wichtig.

Gerade mit einer kleinen Schnur am Ende ist das Greifen vor allem in Handschuhen schwierig. Besser gestaltet sich beim Ziehen ein Griff am Ende des Zugseils, während große und stets geöffnete Handschlaufen, wie zum Beispiel bei verschiedenen Lawinensonden von Ortovox oder Black Diamond, ideal für die Bedienung in Handschuhen sind.

Alle Lawinensonden haben die Funktion, dass sich das Seil automatisch arretiert. Hier gibt es lediglich verschiedene Herangehensweise bei der konkreten Ausgestaltung. Mammut oder Ortovox zum Beispiel setzen auf spezielle Zugsysteme, die sich per Knopfdruck arretieren und wieder lösen lassen. Kaufen Sie Lawinensonden von unbekannten Herstellern, handelt es sich häufig um schlichte Druckknöpfe, die automatisch ausfahren.

Tipp: Die Schnelligkeit des Aufbaus wird nur selten vom Zugsystem beeinflusst. Das Einklappen, das aber ohne Zeitdruck auskommt, kann bei einfachen Lawinensonden länger dauern.

Tipp: Machen Sie selbst den Lawinensonden-Test, indem Sie die Neuanschaffung ganz in Ruhe ausfahren und wieder zusammenfalten. So sind Sie in einer Notsituation bereits mit dem Handgriff vertraut.

3.2. Das Packmaß entscheidet mit

Lawinensonden lassen sich auf den ersten Blick schnell als Ballast abtun, der nur mit geringer Wahrscheinlichkeit zum Einsatz kommen wird. Dann aber ist er von so essentieller Bedeutung, dass ein Verzicht gar nicht infrage kommt.

Damit die Versuchung gänzlich ausbleibt, auf das Lawinenset im Ganzen oder nur auf Teile zu verzichten, zählen besonders eine geringe Größe und Masse. Beim Packmaß bleiben die Lawinensonden der meisten Marken bei 45 cm oder weniger. So passt die Sonde in fast jeden Rucksack und die einzelnen Glieder bleiben lang genug für eine hohe Stabilität.

Das Gewicht in g liegt in der Regel unterhalb von 400 g. Selbst teure Modelle, wie beispielsweise die Lawinensonde Ortovox 280 PFA+ aus Kohlenfaserstoffen, liegt nur knapp unter dieser Grenze. Eher finden sich einfach gestaltete Lawinensonden mit geringer Länge mit niedrigerem Gewicht, obwohl es auf Skitouren kaum auf 100 bis 200 g ankommen sollte.

Tipp: Nehmen Sie lieber ein Utensil Sicherheitstechnik mehr mit, als dass es im entscheidenden Moment fehlt. Das gilt erst recht bei etwas so Leichtem und Kompaktem wie einer Lawinensonde.

3.3. Die Länge bietet zwei Betrachtungen

Eine Lawinensonde mit 320 cm reicht natürlich weiter in den Schnee hinein, zeigt sich aber bei schnellen Absuchen und Einstechen sowie Herausziehen als vergleichsweise unhandlich.

Bei 240 cm können Sie schneller vorankommen, aber vielleicht fehlt in der einen entscheidenden Situation die nötige Länge. Allerdings ist ein Verschütteter in mehr als einem Meter Tiefe unter einer Lawine extremen Druck und Luftmangel ausgesetzt, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem schnellen Ersticken führt, sodass auch die kurze Sonde ihre Aufgabe rational betrachtet vollumfänglich erfüllt.

Viele Hersteller, die auch Modelle in 240 oder 320 cm anbieten, favorisieren die goldene Mitte von 280 cm. Wir von Vergleich.org meinen, dass sich so die beschriebenen Vor- und Nachteile recht gut die Waage halten.

3.4. Weitere Eigenschaften kaum ausschlaggebend

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Mit mehreren Helfern kann die Suche koordinierter ablaufen und das Graben gelingt natürlich zügiger.

Eine große Auswahl an Farben gibt es wie bei allen Outdoor-Artikel auch bei den Lawinensonden. Eine auffällige Farbe ist für eine bessere Sichtbarkeit natürlich von Vorteil, aber auch Schwarz oder Silber wird die Funktionalität nicht einschränken.

Einen begrenzten Temperaturbereich gibt es wegen fehlender elektronischer Teile nicht. Bei einem LVS-Gerät sollten Sie aber genau hierauf achten, da in höheren Lagen auch schnell -30 °C unterschritten werden können.

3.5. Die Marken sind bekannt

Vor allem bei Sicherheitstechnik für Wintersport findet sich eine Vielzahl namhafter Hersteller, die für Sportausrüstung bekannt sind. Bei Gerätschaften, die für die Lebensrettung gedacht sind, dürfen sie sich erst recht keinen Fauxpas bei der Herstellung erlauben.

Da es außerdem leider keinen passenden Lawinensonden-Test bei Stiftung Warentest zu finden gibt, hilft die Orientierung an bekannten Namen:

  • Ortovox
  • Salewa
  • Pieps
  • Mammut
  • BCA
  • K2
  • Black Diamond
  • Arva
  • MSR

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4. Das richtige Verhalten bei Lawinenabgängen

Bevor es an das Retten verschütteter Personen unter Lawinen mit der richtigen Technik und den passenden Geräten geht, gilt es sich schon in der Lawine richtig oder zumindest nicht komplett falsch zu verhalten. Ein paar einfache und sehr nachvollziehbare Regeln ab dem Moment, in dem sich das Schneebrett unter Ihnen löst, hat das Magazin Geo zusammengetragen:

  • Skistöcke abwerfen, da sonst Verletzungen drohen
  • noch im Fahren möglichst nah an den Rand steuern, also seitlich fahren
  • schon im Liegen mit Schwimmbewegungen das Untergehen verhindern
  • wird die Lawine langsamer, Mund und Nase schützen für eine kleine Atemhöhle

In der Praxis sieht es zwar schnell ganz anders aus, die Grundidee der Regeln ist aber unbestreitbar: auf keinen Fall untergehen. Die beste Lawinensonde ist nämlich die, die gar nicht erst gebraucht wird.

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5. Fragen und Antworten zu Lawinensonden

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Unverzichtbar auf der Tour durchs Gelände ist ein vollständiges Lawinenset – unabhängig von der aktuellen Gefahrenstufe.

5.1. Wieso sind Lawinensonden eigentlich „Sonden“?

„Sonde“ klingt eigentlich nach medizinischem oder wissenschaftlichem Gerät. Allerdings liefert die Lawinensonde Daten, die auf andere Weise kaum zu erhalten sind. Damit macht sie genau das, wofür Sonden im Allgemeinen genutzt werden.

Mit ihrer Hilfe lassen sich tief im Schnee vergrabene Objekte anhand des Widerstands aufspüren, die weder zu sehen sind noch derart genau über Funktechnik geortet werden könnten.

Die Funktion der Lawinensonde besteht also in der exakten Lokalisierung von Verschütteten, die mit anderer Ausrüstung bereits ungefähr ausgemacht sind. Wie weit diese sich dabei eintauchen lässt, verrät die ungefähre Tiefe, bis zu welcher gegraben werden muss.

5.2. Woraus besteht ein Lawinenset?

Neben der Lawinensonde gehören die Lawinenschaufel und das LVS-Gerät in ein Lawinenset. Das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) hilft bei der groben Suche. Die Sonde wird dann in der nahen Umgebung eingesetzt und beim Auffinden kommt schließlich die Schneeschaufel zum Einsatz. Besonders wichtig ist, dass jeder einzelne Teilnehmer an einer Tour alles dabei hat.

Tipp: Nicht nur, wenn Sie mit Tourenski oder auf Schneeschuhen unterwegs sind, gehört das Rettungspaket genau wie kleine LED-Lampen und selbstverständlich der Skihelm schlichtweg dazu. Wir von Vergleich.org empfehlen bei allen winterlichen Aktivitäten abseits ausgewiesener Pisten und Loipen die komplette Sicherheitsausrüstung, da die Gafahr durch Lawinen nicht unterschätzt werden darf.