Das Wichtigste in Kürze
  • Kamera-Gimbals sind Stabilisatoren, mit denen Ihnen besonders flüssige Filmaufnahmen gelingen. Zudem eignen sich Gimbals mit Teleskop-Stange auch als Selfie-Sticks.
  • Unterscheiden Sie Gimbal-Typen nach kleineren Modellen für Ihr Smartphone oder größeren und solideren Exemplaren für Systemkameras, Action-Cams wie GoPros und sogar Spiegelreflexkameras.
  • Achten Sie bim Kauf eines Gimbals neben einer möglichst hohen Akkulaufzeit und einer ausreichenden Belastbarkeit unbedingt auf eine möglichst hohe Schwenkachse und einen voll ausgereizten Neigungswinkel von 360 Grad.

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Verwackelte Videos waren gestern, heute gibt es Gimbals! Hinter dem englischen Begriff versteckt sich ein wahres Wunderwerk der Technik, mit dem schon Leonardo da Vinci experimentierte – heutzutage nutzt man diese an Selfie-Stick-ähnlichen Geräte zur Stabilisierung von Videoaufnahmen. Und tatsächlich steigt die Anzahl derer, die mindestens einmal pro Woche Videportale wie YouTube nutzen, seit Jahren stetig an (Quelle: VuMA).

In unserem Gimbal-Vergleich 2020 haben wir die derzeit beliebtesten Modelle genau unter die Lupe genommen und erläutern Ihnen im folgenden Ratgebertext, worauf Sie beim Kauf neben Akkulaufzeit und Belastbarkeit noch achten sollten – zudem wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, wie genau diese moderne Kamerastabilisierung funktioniert.

1. Sind Gimbals vielseitig einsetzbar?

Gimbals für Drohnen?

Gimbals (mit Teleskop-Stangen) werden nicht nur in der Form von Selfie-Sticks für die manuelle Videoführung produziert, sondern auch in Kamera-Drohnen (Quadrocoptern) eingesetzt, denn gerade bei Drohnen-Aufnahmen kommt es – bedingt durch starke Winde – oft zu unerwarteten Rucklern und Verwacklungen. Die spezielle Bildstabilisierung durch einen Gimbal ist hier sogar unerlässlich.

Die von uns in diesem Ratgeber verglichenen Kamera-Gimbals dienen in erster Linie der Stabilisierung von Videoaufnahmen – seien diese mit einem iPhone geschossen, einer Kompaktkamera oder einer professionellen Spiegelreflex.

Wie aber funktioniert die Bildstabilisierung durch ein Gimbal? Die Hersteller greifen hier auf ein altes Prinzip zurück, das bereits für Kompasse zur Seefahrt verwendet wurde – durch einen ausgewogenen Schwerpunkt werden ruckartige Bewegungen durch komplizierte Technik augenblicklich ausgeglichen. Gimbals eignen sich für den Einsatz in folgenden Situationen:

  • Vlogging-Aufnahmen: Sich selbst verwacklungsfrei zu filmen war noch nie so unkompliziert
  • Filmaufnahmen in Bodennähe: Auf diese Weise werden auch Makroaufnahmen zum Kinderspiel
  • Reguläre Filmaufnahmen: Durch das Laufen verursachte Bewegungen werden auf einem Höhenlevel gehalten
  • Selfie-Fotos: Je nach Länge des Sticks eignen sich Gimbals prinzipiell auch gut für Selfie-Snapshots

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2. Welche Gimbal-Typen gibt es?

Zwar gibt es keine grundlegend unterschiedlichen Arten von Gimbals bzw. Kamera-Stabilisatoren, aber man kann (und das haben wir in unserer Vergleichstabelle getan) zwischen den Kamera-Typen unterscheiden, die der jeweilige Gimbal zu bedienen fähig ist.

Gimbal-Typ Beschreibung
Gimbal für große Kameras

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Gimbals, die fähig sind, eine System- oder gar eine große Spiegelreflexkamera (DSLR) sicher zu halten, müssen entsprechend größer und stabiler gebaut sein – die Schwenkachse und auch der Neigungswinkel bei diesen Modellen beträgt in der Regel 360 Grad.

+ hohe Belastbarkeit
+ Neigungswinkel maximal ausgereizt
+ lassen sich (bei Teleskopstangen-Option) auch als Selfie-Sticks nutzen

- vergleichsweise schwer

Gimbal für Smartphones

gimbal für smartphone

Kleinere Gimbals, die extra für Smartphones oder kleine Action-Cams (wie die Modelle der Go-Pro-Reihe) fabriziert werden, sind in der Regel auch leichter und können entsprechend weniger stark belastet werden. Zwar gibt es Modelle, in denen die Schwenkachse wie auch der Neigungswinkel vollständig (auf 360 Grad) ausgereizt werden können, tendenziell müssen Sie bei diesen kleineren Gimbals allerdings Abstriche machen.

+ geringes Gewicht
+ unkomplizierter Transport

- relativ geringe Belastbarkeit
- oft weniger flexibel (kleinere Schwenkachse und geringerer Neigungswinkel)

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Gimbald der Kategorie „App-gesteuert“: Hier im Bild die App der App zum Gimbal von Hersteller Zhiyun.

3. Auf welche Kaufkriterien für Gimbals sollte man Acht geben?

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Bevor Sie sich einen Gimbal kaufen, sollten Sie sichergehen, dass der Neigungswinkel sowie die Schwenkachse ausreichend groß für Ihre Zwecke sind.

Die meisten Modelle aus unserem Gimbal-Vergleich können zusätzlich zur manuellen Handhabe am Gerät selbst durch eine separate App auf dem Smartphone gesteuert werden. Worauf sie ansonsten noch achten sollten, erfahren Sie in den folgenden Punkten unserer Gimbal-Kaufberatung.

3.1. Schwenkachse und Neigungswinkel

Wie Sie bereits unserer Typen-Tabelle in Kapitel 2 entnehmen konnten, sind Sie bei Gimbals für größere Digitalkameras auf der sicheren Seite, was die volle Ausreizung von Schwenkachse und Neigungswinkel betrifft – bei Gimbals für Mobiltelefone bzw. Smartphones müssen Sie hier hingegen oft kompromissbereiter sein. Schauen Sie genau auf die Angaben der Hersteller in unserer Tabelle.

3.2. Akkulaufzeit

Gimbals werden prinzipiell mit regulären Lithium-Ionen-Batterien (Li-Ion) betrieben, unabhängig von Größe und Bestimmung – die Akkulaufzeit variiert hier von Hersteller zu Hersteller stark: Während 6 bis 12 Stunden bereits als ausreichend lang gelten, erreichen einige Produkte allerdings auch eine Akkulaufzeit bis zu 18 Stunden.

Tipp: Die von uns untersuchten Gimbals können alternativ auch über einen USB-Slot mit einer Powerbank aufgeladen werden, was eine kurze Akkulaufzeit überbrücken kann.

3.3. Belastbarkeit

Die angegebene Belastbarkeit der Gimbals ergibt sich aus der Bestimmung für entweder größere Spiegelreflex- und Systemkameras, kleinere Bridge- oder Action-Kameras oder Ihr Smartphone. Smartphone-fokussierte Gimbals können in der Regel nicht mehr als 200 Gramm aushalten, die zumeist allerdings ausreichen.

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4. Wie balanciere ich meinen Gimbal richtig aus?

Der richtige Umgang mit einem Kamera-Stabilisator will geübt sein – im Folgenden haben wir Ihnen eine Liste relevanter Tipps zum Umgang mit einem Gimbal zusammengestellt, die es zu beachten gilt:

  • gimbal-laden-mit-powerbank

    Auch der beste Gimbal kommt nicht ohne Strom aus – im Notfall kann eine Powerbank Abhilfe schaffen.

    Stellen Sie stets sicher, dass Ihr Smartphone bzw. Ihre Kamera fest am Gimbal verankert ist, dass nichts verrutscht und alle Schrauben festgezogen sind.

  • Die Verwendung eines Gimbals ist eine wunderbare Methode, um Kamerabewegungen schwungvoll, elegant und professionell aussehen zu lassen, aber für das richtige Tempo bzw. die bestmögliche Art und Weise der Bewegung sollten Sie verschiedene Gangarten bzw. Laufstile durchprobieren.
  • gimbal-spiegelreflexkamera

    Je nach persönlicher Kamera-Präferenz muss Ihr persönlicher Gimbal-Testsieger keine DSLR halten, wenn Sie nur mit einem Smartphone filmen.

    Bewegen Sie sich möglichst immer gleichmäßig und vermeiden Sie hektische, schnelle Bewegungen oder gar Sprünge.

  • Belassen Sie den Stabilisator stets auf gleicher Höhe und vermeiden Sie ein Auf- und Abschwingen des Gimbals.
  • Falls Sie den Autofokus (bspw. aus künstlerischen oder rein pragmatischen Gründen) vermeiden – achten Sie darauf, stets den gleichen Abstand zum gefilmten Objekt einzuhalten, um unerwartete Unschärfen zu vermeiden.
  • Verwenden Sie den Gimbal-Joystick (bzw. einen Gimbal Controller) bzw. die vom Hersteller zur Verfügung gestellte Gimbal-App, wenn bspw. der Schwenkprozess automatisch ausgelöst werden soll – dies erfordert zwar besondere Übung, sollte sich mittelfristig aber auszahlen.

Das folgende Video (in englischer Sprache) gibt Ihnen zusätzliche Hilfestellungen zur Gimbal-Bedienung:

5. Fragen und Antworten rund um das Thema Kamera-Stabilisierung

5.1. Was sind die derzeit beliebtesten Hersteller und Marken von Gimbals?

Zu den renommierten Herstellern von Schwebestativen gehören die folgenden:

  • Zhiyun
  • Rollei
  • Neewer
  • Feiyu
  • Freevision
  • DJI

Diese Anbieter sind bisher erst wenigen Hobby-Filmern bekannt:

  • IKAN
  • Dobot
  • LESHP
  • XSTEADY
  • Moza
  • Morros
  • Yi Technology
  • Movo
  • Hohem
  • LCLrute

5.2. Gibt es bereits einen Gimbal-Test der Stiftung Warentest?

gimbal-drohne, gimbal drone

DJI Drones (hier: DJI Phantom 3) greifen auf einen Gimbal zurück, um die Kamera so flexibel wie möglich ausrichten zu können

Obwohl sich die Kollegen von der Stiftung Warentest häufig nicht nur mit Kameras und Objektiven, sondern auch mit verwandten Themen der Fotografie beschäftigen und regelmäßig Produkte testen, wurde bislang kein exklusiver Gimbal-Test durchgeführt.

Gimbals in Drohnen bzw. Drohnen-Gimbals hingegen wurden durchaus untersucht – laut des Artikels vom Dezember 2017 wurde die DJI Phantom 4 Pro+ Testsieger, gefolgt von der DJI Mavic Pro.