Das Wichtigste in Kürze
  • Bremsflüssigkeiten sind nach DOT-Klassen von DOT 3 bis DOT 5.1 geordnet. Je höher die Zahl, desto neuer und leistungsfähiger die Flüssigkeit.
  • Spätestens alle zwei Jahre sollte die Bremsflüssigkeit in der Regel ausgetauscht werden. Mit speziellen Bremsflüssigkeits-Testern können Sie selbst nachprüfen, ob ein Wechsel nötig ist.
  • Bremsflüssigkeiten nehmen mit der Zeit bei Erhitzung das Wasser in ihrer Umgebung, z. B. aus den Bremsschläuchen, auf. Wenn der Feuchtigkeitsgehalt der Bremsflüssigkeit 3,5 % erreicht hat, wird ein Wechsel nötig.

Bremsflüssigkeit Test

Bremsflüssigkeiten übertragen in hydraulischen Bremssystemen die Bremskraft vom Bremspedal zu den Bremsen. Damit die Flüssigkeit für eine schnelle Bremsreaktion sorgt, muss sie auch bei hohen Temperaturen zuverlässig sein und darf nur einen geringen Anteil an Wasser aufweisen.

Je nach DOT-Klasse (aus dem Englischen: „department of transportation“) dauert es bis zu zwei Jahren, bevor die Bremsflüssigkeit ausgewechselt werden muss.

In unserer Kaufberatung stellen wir Ihnen Leistungsfähigkeit und Korrosionsschutz der verschiedenen DOT-Klassen vor und zeigen Ihnen, wann und wie Sie die Bremsflüssigkeiten auswechseln müssen. Dies und mehr finden Sie in unserem Bremsflüssigkeiten-Vergleich 2020.

Bremsflüssigkeit PKW

1. Bremsflüssigkeit-Tests zeigen: Warum sollte beim Kauf auf die richtige DOT-Klasse geachtet werden?

Grundsätzlich gilt: Bevor Sie Bremsflüssigkeit kaufen, sollten Sie in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs nachsehen, welcher DOT-Klasse die Bremsflüssigkeit entsprechen muss. In den meisten PKWs und Motorrädern ist Bremsflüssigkeit der Klasse DOT 4 Standard.

1.1. PKWs, die fünfzehn Jahre oder älter sind, benötigen in den meisten Fällen noch DOT-3-Bremsflüssigkeit

Von den heute marktüblichen Bremsflüssigkeiten stellen Flüssigkeiten der Klasse DOT 3 die älteste Kategorie dar und werden hinsichtlich der Leistung von den neueren Klassen DOT 4 und DOT 5.1 übertroffen.

Dot 3 Bremsflüssigkeit

In älteren Fahrzeugen kommt oft noch die DOT-3-Bremsflüssigkeit zum Einsatz.

Das hat für Sie konkrete Auswirkungen auf die Haltbarkeit und Bremswirkung der Flüssigkeit. DOT-3-Bremsflüssigkeiten werden in der Regel doppelt so schnell unbrauchbar wie neuere Formeln. Wir empfehlen Ihnen, gerade bei älteren Autos einmal im Jahr den Zustand Ihrer Bremsflüssigkeit zu kontrollieren oder in der Werkstatt prüfen zu lassen.

Für den schnelleren Verschleiß sind die Siedepunkte und Viskosität bzw. Dickflüssigkeit der DOT-3-Bremsflüssigkeit verantwortlich. Wenn die Bremsen betätigt werden und sich das Bremssystem erhitzt, wird auch die Bremsflüssigkeit heiß.

Durch die Wärme wird die Bremsflüssigkeit dünnflüssiger. Im Ergebnis können sie die Bremskraft weniger effektiv übertragen und Sie müssen stärker ins Pedal treten.

Besonders wenn Sie ein älteres Auto fahren, sollten Sie beim Kauf der Bremsflüssigkeit aufpassen. Die meisten erhältlichen Bremsflüssigkeiten entsprechen dem Standard DOT 4 und können Ihr altes Bremssystem stark beschädigen. Falls Sie momentan DOT-3-Flüssigkeit nutzen, Ihr Auto aber laut Betriebsanleitung oder Auskunft in der Werkstatt DOT 4 verwenden kann, empfehlen wir Ihnen, beim nächsten Bremsflüssigkeits-Wechsel auf DOT 4 umzusteigen.

1.2. DOT-4-Bremsflüssigkeit ist der Standard in den meisten PKWs und Motorrädern

Da die meisten Fahrzeuge DOT-4-Bremsflüssigkeit benötigen, haben Sie hier das größte Angebot an Herstellern und Flüssigkeiten. Im Gegensatz zu DOT-3-Bremsflüssigkeit gibt es hier mehr Auswahl bei den Produkten.

Dot 4 Bremsflüssigkeit

Wollen Sie die beste Bremsflüssigkeit günstig kaufen, achten Sie auf Zusätze wie „Plus“, welche für verbesserte Eigenschaften wie einen höheren Siedepunkt stehen.

Grundsätzlich übertrifft die DOT-4-Flüssigkeit ihren Vorgänger DOT 3 in Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit. Alle zwei Jahre muss DOT-4-Bremsflüssigkeit im Schnitt gewechselt werden. Das liegt daran, dass die Flüssigkeit auch bei starker Hitze ihre Dickflüssigkeit behält und die Kraft des Bremspedals übertragen kann.

Achten Sie beim Kauf von DOT-4-Flüssigkeiten auf die Herstellerangaben bezüglich der Siedepunkte. Eine DOT-4-Flüssigkeit darf nicht unter 155 °C anfangen, sich zu verdünnen. Einige Hersteller, z. B. Motul und febi bilstein, liefern ihre Bremsflüssigkeiten mit höheren Siedepunkten aus. Dadurch erhöht sich die Temperaturbeständigkeit insbesondere bei sehr heißen Außentemperaturen von 35 °C und mehr.

Sowohl bei DOT-3- als auch DOT-4-Bremsflüssigkeiten müssen Sie mit dem Verschleiß Ihres Bremssystems rechnen. Da die Flüssigkeiten bei Erhitzung Wasser aufnehmen, ist ein vollständiger Korrosionsschutz Ihres Hauptbremszylinders nicht gegeben. Um Ihre Bremsanlage vor Rost zu schützen, empfehlen wir Ihnen die regelmäßige Überprüfung der Bremsflüssigkeit.

Tipp: Wenn Ihr Fahrzeug über ein aktives Sicherheitssystem wie ein Antiblockiersystem (ABS), eine Antriebsschlupfregelung (ASR) oder ein Elektronisches Stabilitäts-Programm (ESP) verfügt, empfehlen wir Ihnen eine Bremsflüssigkeit, welche die Standard-Vorgaben für DOT 4 übertrifft, z. B. DOT 4 Plus. Diese funktionieren bei sehr hohen oder niedrigen Temperaturen besonders zuverlässig mit den elektronischen Systemen zusammen.

1.3. DOT-5.1-Bremsflüssigkeiten bilden die neueste und leistungsfähigste erhältliche Variante

DOT 5?

DOT 5 bildet eine Sonderklasse unter Bremsflüssigkeiten, weil sie auf Silikon basiert. Damit ist sie für den Einsatz von aktuellen Fahrzeugen ungeeignet, kommt aber teilweise in Oldtimern zum Einsatz.

Besonders in aktuellen Sportwagen von BMW, Porsche und Mercedes-Benz kommt Bremsflüssigkeit der Klasse DOT 5.1 zum Einsatz. Damit diese bei hohen Geschwindigkeiten sehr schnell und zuverlässig abbremsen, ist DOT 5.1 die beste Alternative.

Damit eine Bremsflüssigkeit der Klasse DOT 5.1 entspricht, muss ihr Siedepunkt bei mindestens 180 °C liegen.

Dot 5.1 Bremsflüssigkeit

Machen Sie selbst den Hydraulikflüssigkeit-fürs-Auto-Test und schauen Sie nach, ob DOT-5.1-Flüssigkeit in Ihrem Auto verwendet werden kann.

Das heißt, Ihre Bremsen funktionieren mit DOT-5.1-Bremsflüssigkeit auch bei extremen Außentemperaturen von minus 50 °C bis 50 °C über null noch zuverlässig. Damit ist DOT 5.1. auch für elektronische Sicherheitssysteme wie ESP die beste Wahl.

DOT-5.1-Bremsflüssigkeit bietet außerdem den besten Korrosionsschutz, da die Flüssigkeit langsamer Wasser bindet. Wir empfehlen Ihnen trotzdem, die Flüssigkeit alle zwei Jahre zu prüfen und ggf. wechseln zu lassen. Je besser erhalten die Bremsflüssigkeit ist, desto weniger Schaden nimmt das Bremssystem.

Falls Ihr Fahrzeug aktuell über eine DOT-4-Mischung verfügt, aber laut Betriebsanleitung auch DOT 5.1 verwenden kann, müssen Sie Ihre alte DOT-4-Bremsflüssigkeit nicht komplett entsorgen. Teilweise können Sie die Flüssigkeiten auch untereinander mischen. Achten Sie hier auf einen gelben Aufkleber auf der Packung, der Sie über die Verträglichkeit informiert.

Im Bremsflüssigkeiten-Vergleich finden Sie die passende Kategorie für Ihre Ansprüche:

DOT-3-Bremsflüssigkeit DOT-4-Bremsflüssigkeit DOT-5.1-Bremsflüssigkeit
DOT 3 DOT 4 DOT 5.1
+
Siedepunkt bei 140 °C
++
Siedepunkt bei 155 °C
+++
Siedepunkt bei 180 °C
+
Wartung jedes Jahr nötig
++
Wartung alle zwei Jahre nötig
+++
Wartung alle zwei Jahre empfohlen
x
nicht für den Einsatz mit ABS, ASR und ESP geeignet

für den Einsatz mit ABS, ASR und ESP geeignet

für den Einsatz mit ABS, ASR und ESP geeignet
+
mäßig guter Korrosionsschutz
++
guter Korrosionsschutz
+++
sehr guter Korrosionsschutz

für PKW, Motorrad und Moped

für PKW, Motorrad und Moped

für PKW, Motorrad und Moped

teilweise untereinander mischbar

häufig untereinander mischbar

häufig untereinander mischbar

Entsorgung nur im Sondermüll

Entsorgung nur im Sondermüll

Entsorgung nur im Sondermüll

Bremse Straße

2. Sind die Siedepunkte der Bremsflüssigkeit zuverlässige Indikatoren für die Leistungsfähigkeit?

Wir geben Ihnen eine Übersicht über die drei Kriterien bei Bremsflüssigkeiten.

2.1. Trocken- und Nasssiedepunkte haben Einfluss auf Leistung und Korrosionsschutz

Beim Trockensiedepunkt handelt es sich um die Temperatur, bei der eine neue Bremsflüssigkeit siedet, d. h. anfängt, ihre Leistung einzubüßen. Dieser liegt bei DOT-3-Bremsflüssigkeiten bei 205 °C. DOT 5.1 büßt dagegen erst ab 260 °C an Bremswirkung ein.

Durch die Erhitzung und die Umgebung wie Bremsschläuche nimmt die Flüssigkeit nach einiger Zeit Wasser auf. In diesem Fall ist der Nasssiedepunkt von Bremsflüssigkeiten entscheidend, der unter dem Trockensiedepunkt liegt. Je höher der Nasssiedepunkt, desto leistungsfähiger ist die Bremsflüssigkeit auch nach Monaten der Benutzung.

Insbesondere Vielfahrern empfehlen wir daher, sofern möglich, eine DOT-4-, DOT-4-Plus- oder eine DOT-5.1-Bremsflüssigkeit zu wählen, z. B. von Brembo oder Bosch.

Bremsflüssigkeit Motor

2.2. Die Dickflüssigkeit entscheidet darüber, wie temperaturbeständig die Bremsflüssigkeit ist

Damit Bremsflüssigkeit die Kraft vom Pedal zum Bremssystem leitet, muss sie dickflüssig sein. Die älteren DOT-3- und DOT-4-Klassen weisen eine sehr hohe Dickflüssigkeit auf, werden jedoch vergleichsweise schnell unbrauchbar, wenn sie Wasser binden.

DOT-5.1-Bremsflüssigkeit ist dagegen weniger dickflüssig und bindet vergleichsweise weniger Wasser. Wir empfehlen Ihnen insbesondere bei der Nutzung Ihres Fahrzeugs bei extremen Außentemperaturen die temperaturbeständige DOT-5.1-Bremsflüssigkeit.

Auch im Zusammenhang mit ABS, ASR und ESP raten wir Ihnen zu einer Bremsflüssigkeit des Typs DOT 4 Plus oder DOT 5.1. Diese büßen durch die plötzliche Hitze, die beispielsweise beim automatischen Bremsvorgang entsteht, nicht an Leistungsfähigkeit ein.

Bremsflüssigkeit Einsatz

3. Wird Bremsflüssigkeit immer von einer Auto-Werkstatt gewechselt?

3.1. Auch wenn Sie die Bremsflüssigkeit in der Werkstatt wechseln lassen, lohnt es sich, die Flüssigkeit selbst zu kaufen

Vom TÜV Süd wird empfohlen, die Bremsflüssigkeit in einer Werkstatt wechseln zu lassen. Für den Wechsel ist nicht nur eine genaue Kenntnis der Bremsanlage nötig, sondern auch spezielle Werkzeuge wie ein Druckluftkompressor und Auffanggeräte.

Bremsflüssigkeit prüfen

Machen Sie selbst den Flüssigkeit-für-Bremsen-Test und kontrollieren Sie den Stand.

Außerdem sind Sonderleistungen wie die komplette Spülung des Bremssystems in vielen Fällen bereits als Service im Bremsflüssigkeits-Wechsel enthalten, sodass auch die letzten Reste der alten Bremsflüssigkeit abgesaugt werden und die Bremsanlage von Ablagerungen befreit wird. Auch die fachgerechte Entsorgung der alten Bremsflüssigkeit im Sondermüll ist meist im Wechsel inbegriffen.

Wir empfehlen Ihnen trotzdem, die Bremsflüssigkeit selbst zu kaufen, da hier von der Werkstatt oft eine Standard-Flüssigkeit gewählt wird, die hinsichtlich der Leistungsfähigkeit Markenprodukten, z. B. dem DOT-4-Plus-Mittel von febi bilstein, unterlegen ist.

Die Kosten für Ablassen, Reinigung, Auffüllen, Entlüften, Prüfen belaufen sich je nach Werkstatt auf 40 bis 60 Euro. Der Preis für die Entsorgung ist meist inbegriffen.

Vor- und Nachteile des Wechsels in der Werkstatt gegenüber selbstständigem Wechsel

    Vorteile
  • komplette Spülung der Bremsanlage
  • Entsorgung der Bremsflüssigkeit inbegriffen
  • garantierte Funktionstüchtigkeit
    Nachteile
  • weniger Kosten für Bremsflüssigkeit, sofern Spezialwerkzeuge vorhanden

3.2. Sie können den Zustand der Bremsflüssigkeit selbst überprüfen

Der Bremsflüssigkeitsbehälter im Motorraum hat Markierungen, anhand derer Sie sehen können, ob ausreichend Bremsflüssigkeit eingefüllt ist. Die Farbe sollte durchsichtig bis bernsteinfarben sein. Hat sich die Flüssigkeit braun gefärbt und ist trüb geworden, ist ein Wechsel dringend notwendig.

Zusätzlich gibt es elektronische Bremsflüssigkeitstester, die Ihnen den Feuchtigkeitsgehalt in der Bremsflüssigkeit genau anzeigen. Eine Anschaffung empfehlen wir aber nur, wenn Sie die Bremsflüssigkeit ohnehin selbst austauschen wollen.

Für den Wechsel muss zuerst die alte Bremsflüssigkeit bei allen vier Rädern abgelassen werden. Anschließend werden die Bremsen entlüftet und mit neuer Bremsflüssigkeit befüllt.

Eine Video-Anleitung zum Austausch der Bremsflüssigkeit bei einem PKW finden Sie hier:

Bremsflüssigkeit Wechseln

4. Häufige Fragen zu Bremsflüssigkeiten

4.1. Woran erkennen Sie, dass die Bremsflüssigkeit ausgewechselt werden muss?

Probleme mit der Bremsflüssigkeit können Sie hören. Wenn Sie Schleifgeräusche hören und wenn beim Treten des Bremspedals das Pedal leicht vor und zurückschlägt, sollten Sie dringend den Zustand der Bremsflüssigkeit prüfen. Ein weiteres kritisches Zeichen besteht darin, dass der Druckpunkt des Pedals nachlässt, d.h. sich das Pedal leichter durchdrücken lässt.

Achtung bei der Prüfung: Wenn Sie feststellen, dass sich weniger Bremsflüssigkeit im Behälter befindet als vorgesehen, oder die LED-Anzeige Ihres Autos auf einen Mangel an Bremsflüssigkeit hinweist, sollten Sie nicht einfach Bremsflüssigkeit nachfüllen. Eventuell deutet der Stand auf eine undichte Stelle in der Bremsanlage hin, die vom Fachpersonal kontrolliert werden sollte.

4.2. Ist eine Bremsflüssigkeit der Klasse DOT 4 oder DOT 5.1 die bessere Wahl?

Welches Produkt Sie wählen sollten, hängt davon ab, für welche Bremsflüssigkeit Ihr Fahrzeug ausgelegt ist. Sowohl bei PKWs als auch Motorrädern darf nur die Bremsflüssigkeit eingefüllt werden, die vom Hersteller vorgesehen ist.

Für Bremsflüssigkeiten liegt bisher noch kein Bremsflüssigkeit-Test der Stiftung Warentest vor. Ein Bremsflüssigkeit-Testsieger sollte über einen möglichst hohen Nass- und Trockensiedepunkt verfügen und temperaturbeständig sein.

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