Das Wichtigste in Kürze
  • Die Anwendungsgebiete der Elektrostimulation liegen ursprünglich in der Medizin und im Sport zur Schmerztherapie sowie zur Rehabilitation geschwächter Muskeln. Vermehrt werden die Reizstromgeräte im Alltag auch als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung sowie Fitness zum Muskelaufbau genutzt.
  • In der Kategorie Reizstromgeräte gibt es sowohl EMS- als auch TENS-Geräte. Während ein EMS-Gerät den gezielten Aufbau der Muskulatur anstrebt, stimuliert ein TENS-Gerät die Nerven und lindert Schmerzen.
  • Reizstromgeräte gibt es mit selbstklebenden Elektroden-Pads oder als stationäre Anlage, bei der die Elektroden im Gerät verbaut sind. Die Anwendung erfolgt individuell anhand von Programmen, die die Impulsstärke, die Frequenz und die Impulsdauer regulieren.

Reizstromgerät Test

Stecken Sie dem Menschen Nadeln ins Gesicht und schon wird er sich entspannen – was hier nach einem gelungenen Voodoo-Ritual klingt, ist Teil der traditionellen chinesischen Medizin, hört auf den Namen Akupunktur und findet längst auch in Deutschland Anwendung. Insofern ist es kaum erschreckend, dass durch den Körper gesendete Stromschläge schmerzlindernd und nicht -verstärkend sind. Reizstromgerät-Tests haben gezeigt, dass in der richtigen Dosierung, und an der richtigen Stelle, elektrische Impulse Schmerzen überlagern und darüber hinaus unsere Muskulatur stärken können. Deshalb ist diese Methode vor allem auch bei Anhängern des Sixpacks beliebt. Das entsprechende Gerät für die Elektrostimulation nennt sich Reizstromgerät und lässt sich leicht selbst anwenden. Wie das funktioniert, wie Sie das beste Reizstromgerät finden und was sich sonst noch hinter den Geräten verbirgt nunmehr in ausführlicher Weise.

Tipp: Eine weitere effektive Alternative gegen Alltagsstress und Blockaden im Körper ist die Chi-Maschine:

1. Was ist ein Reizstromgerät und wie funktioniert es?

Reizstromgeräte Pads

Vier Elektroden-Pads der Marke Promed.

In der Medizin und Physiologie wird Elektrotherapie oder Reizstromtherapie zur Unterstützung von Heilungsprozessen, zur Behandlung chronischer Schmerzen oder bei Inkontinenz (z.B. Harninkontinenz) angewendet. Dabei werden elektrische Impulse durch den menschlichen Körper gejagt, um Nerven und Muskeln zu stimulieren und zu kräftigen. Die bekannteste Anwendung ist der Herzschrittmacher, der Kontraktionen im Herzmuskel anregt.

Neben dem professionellen Anwendungsgebiet von Reizstrom zur Schmerztherapie werden Elektrostimulationsgeräte im Sport und im Alltag auch zum Muskeltraining genutzt. Anders als beim Herzschrittmacher werden die Elektroden außen am Köper angebracht und über ein meist batteriebetriebenes, handgroßes Gerät mit Strom versorgt. Reizstromgerät-Tests haben gezeigt, dass besonders effektive Behandlungspunkte zur Elektro-Muskel- und Nervenstimulation Knie, Bauch, Hals und Nacken sowie der Rücken sind. Durch gezielte elektrische Impulse können die Geräte als Wellness-Bodyformer Verspannungen lösen, Muskeln aufwärmen und straffen. Darüber hinaus wirkt die Behandlung schmerzlindernd. Bei chronischen Schmerzen empfiehlt sich allerdings eine fachärztliche Anweisung.

Hinweis: Mit einem Elektrostimulationsgerät allein lässt sich nicht abnehmen. Um überschüssiges Fett loszuwerden, sind regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung unerlässlich. Wer keine Lust auf Sport hat, dem gefallen möglicherweise Bauchweggürtel. Übrigens wird das durch die Muskelstimulation gewonnen Sixpack erst bei einem Fettanteil von unter 15% sichtbar.

2. Welche Typen der Reizstromgeräte gibt es?

In der Reizstromtherapie wird allgemein zwischen EMS-Gerät und TENS-Gerät unterschieden. Ein EMS-Gerät ist ein Muskelstimulator, der die Muskeln stärkt und ihre Leistungsfähigkeit erhöht, ein TENS-Gerät ist auf Schmerztherapie und die Stimulation der Nerven spezialisiert. In der Kategorie Reizstromgeräte erhalten Sie sowohl EMS- und Tensgeräte als auch Kombi-Artikel, die beide Formen der Elektrostimulation vereinen. Beide Einzeltypen möchten wir Ihnen im Reizstromgeräte-Vergleich 2020 einmal näher beschreiben.

Typ Beschreibung
EMS-Gerät EMS-Geräte werden hauptsächlich im Sport und in der Freizeit zur Muskelentspannung, zum Aufwärmen von Muskeln oder zur Körperformung genutzt. Insbesondere am Rücken oder Bauch aber auch an den Waden oder Oberarmen stimulieren elektrische Impulse die Muskeln und erhöhen ihre Leistungsfähigkeit. EMS ist die Kurzbezeichnung für elektrische Muskelstimulation (electrical muscle stimulation).
TENS-Gerät Die Abkürzung TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation (transcutaneous electrical nerve stimulation). Die Elektroimpulse werden auf schwacher Frequenz in der Nähe der schmerzenden Stelle ausgelöst und sorgen für Kontraktionen der Nervenbahnen. So wird der Schmerz unterdrückt und die Muskeln gleichzeitig gestärkt. Die gesendeten Elektroimpulse empfinden wir als leichtes Kribbeln auf der Haut.

3. Kaufkriterien: Was macht ein gutes Reizstromgerät aus?

Möchten Sie sich ein Elektrostimulationsgerät zulegen und wissen aber noch nicht, worauf es ankommt? Für alle Neulinge der Elektrotherapie haben wir eine Kaufberatung der wichtigsten Kriterien im Reizstromgeräte-Vergleich zusammengestellt.

3.1. Ausstattung

Sanitas Sem 43

Das Reizstromgerät von Sanitas Sem 43 gilt ebenso wie sein Vorgänger Sem 40 auch als Massagegerät.

Ein EMS- oder Tensgerät gibt es in verschiedenen Größen und in unterschiedlichem Ausmaß zu kaufen, wobei hier die Anzahl an Kanälen und Pads gemeint ist, aus denen sich das Elektrostimulationsgerät zusammensetzt. Auf den sogenannten Pads befinden sich die Elektroden, die den Reizstrom übertragen, während ein Kanal mehrere Elektroden-Pads über Kabel miteinander verbindet. Bei den meisten Modellen, wie zum Beispiel dem Tenstem Eco oder dem Neurotech Tensgerät Omnitens XP, werden die Pads als kleine, flache Rechtecke wie ein Pflaster in gleichen Abständen auf die nackte Haut geklebt und sind sowohl untereinander als auch mit dem Bedienungselement verbunden. Verfügt das Reizstromgerät über mehrere Kanäle, dann lassen sich die Elektroden in verschiedenen Reihen festkleben.

Neben diesen geläufigen Modellen gibt es Artikel, die sich als Bauchgürtel (z.B. Reizstromgerät Beurer) oder Fußmatte verkaufen. In diesem Fall sind die Elektroden zur Behandlung in das Bedienelement integriert. Die Vorbereitungen zur Therapie fallen somit deutlich kürzer aus, da die Pads nicht einzeln auf zum Teil schwer erreichbare Stellen am Körper geklebt und dort fixiert werden müssen. Ebenfalls sparen Sie sich den Kabelsalat, der von Kanal zu Kanal untereinander verbundenen Klebestreifen. Allerdings sind die Einzelgeräte ohne Zubehör auf je spezielle Körpergegenden (z.B. Füße) spezialisiert und somit in ihrer Reichweite eingeschränkt.

3.2. Programme

Jedes EMS- und Tensgerät aus dem Reizstromgeräte-Vergleich bietet dem Verbraucher voreingestellte Programme, mit unterschiedlich starken und intensiven Impulszyklen. Je nach Bedarf lässt sich somit selbst auswählen, welche Frequenz (Hz), Stärke (mA) und Dauer (µS) die elektrischen Impulse haben. Einige Produkte bieten darüber hinaus unter dem Stichwort Doctors Function Raum zur Programmierung eigener Zyklen. Andere Modelle wie die Reizstromgeräte Sanitas fungieren gleichzeitig als Massagegerät.

Es gilt, dass eine niedrige Reizstrom-Frequenz bis 18 Hz nicht nur der Massage dient sondern auch langsam reagierende Muskelfasern erreicht, die eine gute Ausdauer fördern. Frequenzen zwischen 30 und 50 werden für die schnellen Muskelfasern benötigt. Werden 50 Hz überschritten, kann ein Muskelaufbau stattfinden. Wer sein EMS-Fitness-Gerät für große Muskeln beansprucht, der wird für die Therapie länger anhaltende Impulse benötigen. Bei kleineren Muskelpartien reicht auch eine kürzere Impulsdauer unter 200 µS. Die Stromstärke, angegebenen in Milliampere, richtet sich nach der Häufigkeit der Anwendung. Anfänger sollten die Impulsstärke gering halten und sich bei regelmäßiger Nutzung stetig nach oben arbeiten. Wer das Gerät nur selten in Anspruch nimmt, sollte tendenziell auf einem niedrigen Intensitätslevel verweilen.

Vor- und Nachteile programmierbarer Geräte
  • individuellere Behandlung möglich
  • eigenständige Fortsetzung ärztlicher Therapien
  • erhöht die Anzahl der Programme um ein Vielfaches
  • aufwendig
  • sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen sein

4. Was sind die besten Pflege- und Nutzungstipps für Reizstromgeräte?

Stromversorgung

Reizstromgeräte, egal ob Tensgerät oder EMS-Gerät, beziehen ihre Energie meist aus Batterien. AAA-Micro-Batterien oder AA-Mignon-Batterien sind am häufigsten, gelegentlich wird auch eine 9-Volt-Block-Batterie benötigt. Selten finden Sie stationäre Reizstromgeräte mit Netzteil.

Wer sich das beste Reizstromgerät kaufen möchte, der sollte neben dem Kaufpreis auch die Folgekosten in die Kalkulation miteinbeziehen. Diese können je nach Angebot und Artikel sehr unterschiedliche ausfallen. So wird jedes EMS- und TENS-Gerät über Strom betrieben, der Verbrauch variiert jedoch. Wer das Gerät häufig nutzen möchte, sollte sich also vorab darüber informieren, wie hoch der Stromverbrauch der einzelnen Produkte ist, um sich das Geld für neue Batterien zu sparen. Im besten Fall handelt es sich um ein Reizstromgerät mit Netzteil, das nach jedem Gebrauch vom Stromnetz gekoppelt werden kann.

Wenn im Tensgeräte-Vergleich oder im EMS-Geräte-Vergleich die Rede von Folgekosten ist, taucht häufig die Frage nach dem Preis neuer Pads auf. Nicht jedes Produkt ist mit allen handelsüblichen Pads kombinierbar und zwischen den Preiskategorien markeneigener Klebestreifen liegen meist Welten. Stellen Sie sich auch hier die Frage, zu welchem Zweck und wie oft Sie das Gerät benutzen möchten. Zur Verlängerung der Lebensdauer der Elektrodenpads bietet es sich an, die eigene Haut an den betreffenden Stellen vorm Bekleben zu reinigen und die Pads nach jedem Gebrauch vorsichtig mit lauwarmem Wasser abzuspülen – je weniger Dreck an die empfindlichen Klebestreifen gelangt, desto länger sitzen sie fest auf der Haut auf.

5. Fragen und Antworten rund um das Thema Reizstromgeräte

Bauchgürtel Beurer

Neben dem klassischen TENS-Reizstromgerät Beurer EM41 bietet der Hersteller auch einen Bauchgürtel an.

5.1. Reizstromgeräte bei der Stiftung Warentest

Während bei der Stiftung Warentest offensichtlich Stromausfall ist und das Institut keinen Reizstromgeräte-Testsieger bereitstellt, hat sich Ökotest bereits mit Reizstromgeräten im Allgemeinen und der Tens-Therapie im Speziellen auseinandergesetzt. Leider kommen die Modelle abseits der ärztlichen Klinik nicht immer gut weg, da insbesondere die Elektroden Schadstoffe enthalten können. Da sich im Internet zu diesem Thema nur wenige Stellungnahmen finden, konsultieren Sie bei Bedenken am besten Ihren Arzt des Vertrauens.

5.2. Wie oft am Tag kann man ein Reizstromgerät anwenden?

Wie oft das Reizstromgerät am Tag gebraucht werden darf, hängt davon ab, welches Ziel mit der Anwendung verfolgt wird. Ein Tensgerät zur Schmerzlinderung wird in der Regel 4 – 5 Mal pro Tag mit einer Therapiedauer von 20 – 30 Minuten empfohlen. Wer das EMS- oder TENS-Reizstromgerät ausschließlich zum Fitness und zum Muskelaufbau nutzt, der sollte höchstens einmal am Tag auf die elektrischen Impulse des Reizstroms zurückgreifen, da sie die natürliche Muskelsteuerung unterbrechen. Geht Ihnen der Muskelaufbau nicht schnell genug, empfiehlt sich zusätzlich Eiweißpulver.

5.3. Wie muss man das Reizstromgerät einstellen?

Im besten Fall wird jede Einstellung, insbesondere in der Schmerztherapie, mit dem eigenen Hausarzt abgesprochen. Darüber hinaus gilt, dass Anfänger moderate Programme mit geringer Stromstärke und kurzer Impulsdauer wählen sollten. Dabei lassen sich mit niedrigen Frequenzen die Muskeln für den Ausdauersport und mit hohen Frequenzen ab 50 Hz die schnellen Muskeln für den Muskelaufbau ansprechen.

Die Faustregel für die Einstellung von Reizstromgerätenlautet demnach:

  • durchschnittliche Frequenz von 35 – 50 Hz
  • durchschnittliche Kontraktionsdauer von ca. 10 Sekunden
  • die Pausen sollten der Kontraktionsdauer entsprechen
  • niedrige Impulsdauer zwischen 50 – 100 µs für Ausdauertraining
  • lange Impulsdauer zwischen 200 – 300 µs für Muskelaufbau

5.4. Geschlechtsverkehr mit einem Reizstromgerät – geht das?

Tatsächlich haben Medizin und Sport das Feld der Elektrostimulation nicht für sich gepachtet. Allzu gerne werden Reizstromgeräte auch für Elektrosex genutzt. Wir empfehlen allerdings, hier nicht einfach auf das Dittmann Tensgerät Ten 240 oder das Tensgerät Ten 260, ebenfalls von Dittmann, zurückzugreifen, die in erster Linie Schmerzen lindern und Muskeln aufbauen sollen. Lassen Sie sich am besten in einem speziellen Shop beraten, welche Reizstromgeräte für Elektrosex infrage kommen. Das folgende Video gibt einen ersten Einstieg in die Thematik:

5.5. Wie funktioniert Logopädie mit einem Reizstromgerät?

Bitte glauben Sie nicht, dass Logopäden die Zungen Ihre Patienten zur erfolgreichen Stimmtherapie mit Stromschlägen versetzen. Vielmehr werden die Elektroden am Hals angebracht, um eine erkrankte oder geschwächte Kehlkopfmuskulatur durch minimale Reizströme aufzubauen.