Das Wichtigste in Kürze
  • Ein optisches Nivelliergerät ist ein Messinstrument, mit dem sich Höhenunterschiede und Distanzen messen lassen. Auf Baustellen und bei der Landvermessung ist ein Nivelliergerät unabdinglich.
  • Um mit einem Nivelliergerät Messungen durchzuführen, benötigen Sie ein Stativ, auf dem Sie das Gerät befestigen, und eine Nivellierlatte, welche an dem Ort positioniert wird, der ausgemessen werden soll.
  • Optische Nivelliergeräte erlauben präzise Messungen über sehr große Distanzen. Die Höhe eines 1000 Meter entfernten Punktes kann millimetergenau bestimmt werden.

Nivelliergeräte-Test Teaser

Heimwerken und Do-it-yourself-Arbeiten liegen im Trend. Ein Drittel der Deutschen legt, laut IfD Allensbach, selber Hand an und überall dort, wo ein Gefälle eine Rolle spielt, muss zum Nivelliergerät gegriffen werden. Denn die präzise Messung von Höhenunterschieden ist eine der Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung von Bauprojekten.

In folgender Kaufberatung unseres Nivelliergeräte-Vergleichs 2020 klären wir Sie darüber auf, was Sie beim Kauf Ihres Nivellierers hinsichtlich des Blendendurchmessers, der Nivelliergenauigkeit und der IP-Klasse beachten müssen, damit Sie Ihr Vorhaben wie gewünscht umsetzen können.

1. Was sollte man über ein Nivelliergerät wissen?

Bei einem optischen Nivelliergerät handelt es sich um ein Messinstrument. Mit diesem kann man Höhenunterschiede und Distanzen messen, zudem lassen sich Höhenhorizonte herstellen. Wenn Sie beispielsweise ein Fundament gießen und sicherstellen möchten, dass dies keine Neigung aufweist, müssen Sie ein Nivelliergerät nutzen. Im Gegensatz zu anderen Typen von Nivellierern (Linienlaser, Rotationslaser) lassen sich mit einem optischen Nivelliergerät auch Messungen über Distanzen machen, die größer als 50 Meter sind.

Nivelliergerät Test inkl. Messlatte und Fernrohr

Ein Nivellier-Set besteht aus Nivelliergerät, Stativ und Messlatte.

Ein Nivelliergerät verfügt über ein bewegliches Zielfernrohr, welches sich um 360 Grad um die eigene Achse drehen lässt. Dieses Zielfernrohr wird auf einem Stativ installiert und durch einen Mechanismus waagerecht ausgerichtet. Heutzutage geschieht die Ausrichtung meist automatisch durch einen Kompensator. Da das Zielfernrohr horizontal ausgerichtet ist, haben alle Punkte, die sich im horizontalen Zielstrahl des Nivelliergeräts befinden, dieselbe Höhe

Zum Nivellieren benötigt man neben dem Nivelliergerät eine Nivellierlatte. Diese Latten sind mehrere Meter lang und verfügen, genau wie ein Zollstock, über eine Einteilung in Zentimetern. Beim Nivellieren wird die Nivellierlatte senkrecht auf dem zu vermessenden Punkt aufgerichtet. Blickt man durch das justierte Fernrohr auf die Latte, gibt der sich im Fadenkreuz des Fernrohrs befindende Wert den Abstand an, der zwischen dem Aufsetzpunkt der Latte am Boden und dem horizontalen Zielstrahl des Nivelliergeräts besteht.

Ein Nivelliergerät erfüllt dieselbe Funktion wie eine Wasserwaage: Es stellt Höhenunterschiede fest. Überall dort, wo eine Wasserwaage an ihre Grenzen stößt, ist ein Nivelliergerät das richtige Werkzeug.

2. Kaufkriterien für Nivelliergeräte im Test: Worauf ist zu achten?

2.1. Grad oder Gon: Achten Sie auf die Maßeinheit

Mit einem Nivelliergerät lässt sich der Winkel zwischen zwei Messpunkten bestimmen. Dafür befindet sich am Nivelliergerät eine Skala, die einmal rund um das Gerät läuft. An dieser Skala lässt sich ablesen, in welchem Winkel das Fernrohr zur Skala steht. Die Einheit dieser Skala ist entweder in Grad oder in Gon. Ist die Skala in Grad, so teilt sie den Kreis in 360 Einheiten auf, ist sie in Gon, so teilt sie den Kreis in 400 Einheiten auf.

Nivelliergerät 360 Grad

Nivellierer mit 360 Grad Skala.

Grundsätzlich ist keine der beiden Maßeinheiten besser als die andere und so bleibt es eine Frage Ihrer Präferenz, ob Sie ein Gerät aus der einen oder anderen Kategorie wählen. Wenn Sie jedoch mehrere Geräte im Einsatz haben, sollten Sie auf die Skalen achten, da Sie sonst immer wieder von der einen Einheit in die andere umrechnen müssen. Diese Rechnerei bleibt Ihnen bei einheitlichen Skalen erspart.

2.2. Die Schutzklasse gibt die Bedingungen an, unter denen Sie das Gerät benutzen können

Nivelliergeräte sind unterschiedlich robust gebaut. Einige Geräte sind spritzwasser- und staubgeschützt, andere Geräte lassen sich auch unter widrigen Bedingungen, beispielsweise im strömenden Regen nutzen, ohne Schaden zu nehmen. Auskunft über die Schutzart gibt die IP-Klasse. Besonders robuste Geräte sind teurer in der Herstellung und kosten dementsprechend mehr.

Bevor Sie sich ein Nivelliergerät zulegen, sollten Sie sich also darüber Gedanken machen, unter welchen Bedingungen Sie das Gerät nutzen möchten. Wenn Sie ein Heimwerker sind und ausschließlich bei gutem Wetter arbeiten, können Sie bedenkenlos auf ein Nivelliergerät zurückgreifen, das sich in einer niedrigen IP-Klasse, wie IP-54, befindet.

Wenn Sie professionelle Arbeiten erledigen, nicht auf gutes Wetter warten können und das Gerät den Strapazen einer großen Baustelle ausgesetzt ist, benötigen Sie ein Gerät, das mindestens IP-56 zertifiziert ist.

IP 54 IP 56
  • geschützt gegen Staub in schädigender Menge
  • vollständiger Schutz gegen Berührung
  • geschützt gegen Staub in schädigender Menge
  • vollständiger Schutz gegen Berührung
  • Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
  • Schutz gegen starkes Strahlwasser
Die erste IP-Kennziffer gibt an, wie gut ein Gerät gegen Fremdkörper und Berührung geschützt ist. Die zweite IP-Kennziffer gibt Auskunft über den Schutz gegen Wasser.

2.3. Ein Blendendurchmesser von mindestens 36 mm sorgt für ein gutes Bild

Der Blendendurchmesser gibt Ihnen Auskunft über die Lichtstärke des Objektivs. Mit zunehmender Größe des Blendendurchmessers kann mehr Licht ins Objektiv gelangen, was sich positiv auf die Qualität des Bildes ausübt.

Ein großer Blendendurchmesser erleichtert Ihnen die Arbeit, da das Ablesen der Messergebnisse besser gelingt. Zudem lässt sich mit einem lichtstarken Objektiv auch unter nicht optimalen Lichtverhältnissen, wie sie beispielsweise an bewölkten Tagen oder während der Dämmerung herrschen, noch arbeiten.

2.4. Ein starker Zoom erlaubt Messungen über große Distanzen

Nivelliergerät Testsieger im Einsatz

Nivellieren ist Team-Arbeit.

Der Zoom gibt an, wie stark das Fernrohr den Bildausschnitt vergrößert. Je größer der Zoom, desto stärker die Vergrößerung. Blicken Sie beispielsweise durch ein Fernrohr, das über einen 32-fachen Zoom verfügt, so erscheint Ihnen das sich im Bildausschnitt befindliche Objekt 32-mal so groß, wie es Ihnen mit bloßem Auge erscheinen würde.

Durch das Verwenden eines Nivelliergerätes mit einem hohen Zoom bleiben die Messergebnisse auch bei größeren Entfernungen konstant gut, da die Messlatte dank der starken Vergrößerung präzise abgelesen werden kann. Der Zoom spielt so vor allem dann eine wichtige Rolle, wenn Sie Messungen über größere Distanzen von mehr als 30 Metern machen.

Der Zoom hat auch Auswirkungen auf die Mindestmessstrecke. Diese bezeichnet den minimalen Abstand, den die Nivellierlatte vom Nivelliergerät haben muss, damit eine korrekte Messung möglich ist. Wenn Sie über kurze Distanzen nivellieren möchte, beispielsweise beim Verlegen von Fliesen, müssen Sie darauf achten, dass das von Ihnen gewählte Nivelliergerät über eine dementsprechend kurze Mindeststrecke verfügt.

Fazit: Wenn Sie Messungen über weitere Entfernungen als 30 Meter machen, sollten Sie ein Nivelliergerät kaufen, das mindestens einen 28-fachen Zoom hat. Bei kürzeren Distanzen können Sie auf ein günstigeres Gerät mit 20- oder 24-fachem Zoom zurückgreifen.

2.5. Hervorragende Messergebnisse durch eine hohe Nivelliergenauigkeit

Die Nivelliergenauigkeit gibt an, wie weit die gemessenen Ergebnisse von den tatsächlichen Werten abweichen. Ist die Nivelliergenauigkeit mit ±1 Millimeter auf 30 Meter angegeben, so liegt das auf einer 30 m entfernten Nivellierlatte gemessene Ergebnis höchstens 1 Millimeter über oder 1 Millimeter unter dem tatsächlichen Wert. Für eine Vielzahl an Messungen, besonders im Bau, reicht eine solche Genauigkeit aus.

Bedenken Sie beim Kauf jedoch, dass die Nivelliergenauigkeit mit zunehmender Distanz von Nivelliergerät und Messlatte abnimmt. Wenn Sie über große Distanzen messen, lohnt sich der genaue Blick auf die Nivelliergenauigkeit. Beim technischen Nivellement, das beispielsweise bei Trassierung oder beim Bau von Kanälen zum Einsatz kommt, liegt die Messgenauigkeit beim Doppelnivellement üblicherweise zwischen 0,5 Millimeter und 1 Millimeter auf 1 Kilometer.

2.6. Nivelliergeräte-Test: So wird die Nivelliergenauigkeit ermittelt

Das Beste Nivelliergerät laut Stiftung Warentest

Große Distanzen erfordern ein besonders präzises Nivelliergerät.

Die Nivelliergenauigkeit wird auf zwei verschiedene Arten angegeben. Die beiden Arten geben Aufschluss darüber, wie das Test- bzw. Messverfahren ablief, bei dem die Werte ermittelt wurden. Achten Sie beim Vergleich der Geräte zweier unterschiedlichen Marken darauf, dass die beiden Werte durch dieselbe Art der Messung zustande gekommen sind.

Einige Hersteller geben den Wert einer einfachen Nivellierung an. Dieser Wert wird auf einer relativ kurzen Strecke ermittelt und es wird lediglich einmal gemessen. Die oben beschriebene Nivelliergenauigkeit von 1 Millimeter auf 30 m ist das Ergebnis einer solchen Messung.

Die zweite Art zu messen nennt sich Doppelnivellement. Wie der Name schon sagt, wird doppelt gemessen und der so ermittelte Durchschnittswert wird mit dem tatsächlichen Wert verglichen, um die Genauigkeit zu ermitteln. Üblicherweise findet diese Messung über eine Distanz von 1.000 Metern statt.

2.6. Ein Kompensator richtet das Zielfernrohr automatisch horizontal aus

Automatisches Nivelliergerät

Ein automatisches Nivelliergerät misst nicht automatisch, es horizontiert lediglich das Zielfernrohr automatisch.

Moderne Nivelliergeräte verfügen über einen Kompensator. Dieser Mechanismus horizontiert das Zielfernrohr automatisch, d.h. er richtet es waagerecht aus und erspart Ihnen somit das genaue Justieren per Hand. Nivelliergeräte mit Kompensator werden daher häufig auch als automatische Nivelliergeräte bezeichnet.

Der Kompensator funktioniert nicht gänzlich selbstständig, eine ungefähre Vorjustierung per Hand bleibt notwendig. Dies geschieht unter Mithilfe einer Libelle, die sich am Nivelliergerät befindet. Sobald das Nivelliergerät ausreichend waagerecht ausgerichtet ist und es sich im Arbeitsbereich des Kompensators befindet, findet die Feinjustierung automatisch statt. Je größer der Arbeitsbereich des Kompensators ist, desto einfacher ist die Horizontierung.

Ein weiterer Faktor ist die Genauigkeit des Kompensators. Um bestmögliche Messergebnisse zu erhalten, muss das Zielfernrohr so horizontal wie möglich ausgerichtet sein. Die Genauigkeit des Kompensators gibt an, wie groß die Abweichung vom tatsächlichen Horizont ist, nachdem der Kompensator das Zielfernrohr ausgerichtet hat. Hier ist ein möglichst geringer Wert ein Zeichen von hoher Qualität.

Nivelliergerät Test auf der Baustelle

3. Zubehör: Sind Stativ und Nivellierlatte ein Muss?

3.1. Das zum Nivellieren benötigte Equipment auf einen Blick

  • Nivelliergerät
  • Nivellierlatte
  • Stativ mit 5/8“ Gewinde

3.2. Achten Sie auf die Kompatibilität von Nivelliergerät und Stativ

Ohne ein Stativ lässt sich nicht nivellieren. Beim Kauf eines Stativs sollten Sie darauf achten, dass es äußerst stabil steht und nicht wackelt. Bereits kleine Wackler können Ihre Messergebnisse drastisch verfälschen.

Stellen Sie zudem sicher, dass das von Ihnen gewählte Stativ mit Ihrem Nivelliergerät kompatibel ist, sonst wird Ihnen der Aufbau des Nivelliergeräts nicht glücken. Nivelliergeräte verfügen in der Regel über ein 5/8“-Gewinde. Entweder kaufen Sie ein Stativ mit demselben Gewinde oder Sie kaufen einen Adapter.

3.3. Eine Präzisionslatte ermöglicht sehr genaue Messungen

Nivellierlatten werden in verschiedenen Qualitätsstufen gefertigt. Neben der einfachen Messlatte (DIN 18703), die über Einteilung in Dezimeter und Zentimeter verfügt, gibt auch es Präzisionslatten (DIN 18717).

Präzisionslatten sind resistent gegen Längenänderung, die durch eine Veränderung der Temperatur verursacht werden. Zudem verfügen sie über eine Einteilung in Millimeter.

Diese Vor- und Nachteile hat eine Präzisionslatte gegenüber einer einfachen Messlatte
  • resistent gegen Längenänderung
  • Einteilung in Millimeter
  • höherer Preis

4. Fragen rund um das Thema Nivelliergerät

4.1. Welche Vor- und Nachteile hat der Kauf eines Nivellier-Sets gegenüber dem Kauf einzelner Komponenten?

Ein Nivellier-Set besteht mindestens aus einem Nivellierer, einem Stativ und einer Nivellierlatte. Wenn Sie zu einem Nivellier-Set greifen, haben Sie alles, was sie brauchen und können direkt loslegen. Sie müssen sich nicht über Stative oder Nivellierlatten informieren und diese separat bestellen. So sparen Aufwand und Zeit.

Der Nachteil liegt darin, dass sich die mitgelieferten Komponenten nicht zwangsläufig für Ihre Zwecke eignen. Besonders bei Stativen gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Stabilität, des Gewichts und der Justierbarkeit.

4.2. Wann setzt man ein optisches Nivelliergerät ein und wann einen Kreuzlinienlaser?

Sowohl mit einem optischen Nivelliergerät, als auch mit einem Kreuzlinienlaser, können Sie Nivellieren. Kreuzlinienlaser sind besonders gut für den Indoor-Einsatz geeignet. Dort sind die Strecken meist kürzer als 5 Meter und die Lichtverhältnisse ermöglichen es, dass man den Laser gut sieht.

Optische Nivelliergeräte lassen sich auch Indoor nutzen, allerdings ist das Messen aufwendiger. Unter freiem Himmel hat ein optisches Nivelliergerät viele Vorteile gegenüber dem Kreuzlinienlaser. So stellt eine hohe Helligkeit kein Problem dar, es kann über ein weites Spektrum an Strecken gemessen werden und Nivelliergeräte sind nicht auf eine Stromversorgung angewiesen.