Das Wichtigste in Kürze
  • Für das Upcycling alter Möbel oder eine Wandgestaltung im Landhausstil eignet sich Kreidefarbe optimal. Es entsteht eine matte und samtige Oberfläche, die von dem hohen Kreideanteil herrührt.
  • Kreidefarbe lässt sich komplett aus natürlicher Kreide, Farbpigmenten und Wasser herstellen. Diese Farben, die auf chemische Zusätze verzichten, sollten im Nachhinein gut versiegelt werden, zum Beispiel mit Wachs.
  • Die hohe Deckkraft und eine Haftung auf fast jedem Untergrund sorgen für die vielfältige Einsetzbarkeit der Vintage-Farben. Selbst auf Fliesen hält Kreidefarbe.

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Pastelltöne, kraftvolle Farbkontraste und Shabby-Chic-Optik für Möbel im Retro-Stil sind im Trend. Das ist kein Wunder, wenn man aktuellen Umfragen etwa von YouGov folgt, laut derer immerhin 79 Prozent der Deutschen nachhaltig leben wollen. Mit einem alten Möbelstück und einer Auswahl an Kreidefarben können Sie selbst einen solchen Blickfang für Ihre Wohnung gestalten und dabei etwas Altem neues Leben einhauchen. Die matte Oberfläche, die besondere Struktur und die leichte Handhabung sorgen dafür, dass sich Möbel mit Kreidefarbe einfach streichen lassen und ein faszinierender Vintage-Look entsteht.

Mit dem passenden Zubehör wie Schleifpapier, geeigneten Pinseln und, je nach Situation, einer Versiegelung gelingt Ihr Möbel-Projekt auch dank einer Vielzahl von Anleitungsvideos im Internet zumeist problemlos. Wie viel Kreidefarbe Sie kaufen müssen und was bei der Farbe für den Außeneinsatz besonders zu beachten ist, erfahren Sie in unserem Kreidefarbe-Vergleich 2020.

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1. Entstehen mit Kreidefarbe strukturierte und einzigartige Oberflächen?

Anders als gewöhnliche Holzlacke oder Lasuren verleiht Kreidefarbe Möbeln eine Oberflächenstruktur. Sie haftet sehr gut auf nahezu jedem Untergrund und mit Schleifpapier und etwas Übung lässt sich der perfekte Shabby-Chic-Look kreieren.

Wollen Sie Ihren alten Schrank nicht wieder wie neu aussehen lassen, sondern Ihr eigenes Vintage-Möbel bauen, ist Kreidefarbe das Mittel der Wahl. Kreidefarbe eignet sich für Holz, genauso können aber auch Fliesen mit Kreidefarbe völlig neu gestaltet werden. Hier sind Ihren Ideen grundsätzlich keine Grenzen gesetzt.

Tipp: Kreide als Hauptbestandteil ist verantwortlich für die deckenden und haftenden Eigenschaften der Vintage-Farben. Je nach Herkunft variieren die Weißtöne und die Farbe lässt sich durch Zugabe weiterer Pigmente sehr leicht verändern. Je nach Gehalt ändert sich natürlich die Deckkraft, sodass günstige Kreidefarbe in der Regel dünner ausfällt, aber in dieser Form zum Beispiel ideal für Wandgestaltungen ist.

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2. Die Eigenschaften in Kreidefarbe-Tests: Sind Zusätze erlaubt?

2.1. Hohe Deckkraft für gute Verarbeitung

Zähflüssig und mit hohem Kreideanteil lässt sich die Farbe besonders gut auf unebenen Flächen auftragen. Eine hohe Deckkraft bedeutet gleichzeitig, dass Sie eine eigene Struktur in die neu entstehende Oberfläche einbringen können. Das gelingt insbesondere bei der Verwendung eines Pinsels sehr gut, weniger mit einer Rolle.

Die meisten Kreidefarben besitzen die Deckkraftklasse 1, überstreichen also einen Untergrund nahezu vollständig. Es bedeutet aber nicht, dass Sie nach einem Anstrich mit weißer Kreidefarbe schwarzen Lack sofort überdecken. Das kann auch die beste Kreidefarbe nicht leisten. Aber bereits mit einem zweiten Anstrich dürfte das Ergebnis Ihren Vorstellungen entsprechen.

Tipp: Wir von Vergleich.org empfehlen bei Kreidefarbe für die Wand und anderen größeren Flächen eine niedrigere Deckkraftklasse. Die Verarbeitung mit einer Malerrolle fällt dann leichter und auch der Preis ist üblicherweise niedriger.

2.2. Die Ergiebigkeit hängt mit dem Projekt zusammen

Hohe Deckkraft und hohe Reichweite treffen eigentlich nie zusammen. Gut deckende Kreidefarbe wird dick aufgestrichen und kann deshalb einen kleineren Bereich abdecken als dünn gestrichene Farbe.

Das macht die Reichweitenangabe wiederum zu einem guten Indikator für die Höhe des Kreideanteils, der die Dickflüssigkeit bestimmt. So sind mit der üblichen Dosengröße von 750 ml meistens 5 bis 6 Quadratmeter behandelbar. Es schwankt aber je nach Untergrund sehr stark und Sie sollten sich nicht zu sehr auf den Wert verlassen.

Ein geeigneter Untergrund für eine hohe Reichweite ist glatt, sauber und nicht saugfähig. Bei rauem Holz oder Gipsoberflächen müssen Sie dagegen mit einem höheren Farbverbrauch rechnen.

Tipp: Bei einem hüfthohen Schränkchen werden Sie Farbe für etwa 2 Quadratmeter verbrauchen.

2.3. Wasser und Kreide immer dabei, Lösungsmittel muss nicht sein

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Volatile organic compounds oder flüchtige organische Verbindungen sind nicht genau definiert, finden sich aber in unterschiedlicher Weise als Lösemittel in Farben. Sie können Überempfindlichkeitsreaktionen und Kopfschmerzen auslösen, sind aber auch für die gute Streichbarkeit und Härte von Farben verantwortlich, gerade im Außenbereich.

In weiße Kreidefarbe gehören Kreidepigmente und als Basis Wasser. Je nach Art und Herkunft ändert sich der Farbton jedoch, weshalb in reinem Weiß zumeist bereits weitere Zusätze enthalten sind. Die Verarbeitung dieser natürlichen Farbe ist recht schwierig und die Langlebigkeit der Kreideschicht ist ohne einen zusätzlichen Schutz gering.

Deshalb findet sich bei zahlreichen Marken eine Vielzahl von Zusätzen, die die Verarbeitung verbessern. Besonders bei Kreidefarbe für Außenbereiche kommen Sie an chemischen Zusatzstoffen kaum vorbei. In der Regel wird die Kreidefarbe für kleine Möbel und andere Dekoarbeiten eingesetzt, sodass sich vor allem wegen der geringen Mengen die beigesetzten Stoffe schnell verflüchtigen.

Da Kreidefarbe stets wasserverdünnbar ist, fällt der Einsatz dieser flüchtigen Stoffe auch durch einen strengen EU-Grenzwert vergleichsweise gering aus. Wenn Ihnen jedoch eine Unverträglichkeit bekannt ist, empfehlen wir von Vergleich.org in der Kaufberatung, nur die Farben komplett ohne Zusätze anzuwenden.

Hinweis: Verglichen mit Lackfarben auf Lösemittelbasis ist Kreidefarbe zum Lackieren von Möbeln in der Regel völlig unbedenklich. Achten Sie aber stets auf eine ordentliche Deklaration der Inhaltsstoffe. Bei großen Flächen im Innenbereich entscheiden Sie sich besser für Farbe mit wenigen Zusätzen.

2.4. Das Trocknen hängt von vielen Faktoren ab

Die üblicherweise zu findende Zeitangabe ist nur eine grobe Orientierung. Einen zweiten Anstrich können Sie meist schon nach einer Stunde aufbringen. Wollen Sie dagegen mit dem Schleifen anfangen, warten Sie lieber deutlich länger als die angegebene Zeit.

Außerdem beeinflussen der Untergrund, die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit die Trocknungszeit. Ist die Oberfläche gleichmäßig gefärbt, fühlt sich nicht kalt an und weist die matte und raue Struktur auf, ist sie zumeist für die weitere Bearbeitung trocken genug.

2.5. Farbgebung durch Abtönen nahezu grenzenlos

Kein echtes Kriterium in Kreidefarben-Tests kann die Farbe sein. Einige Hersteller setzen zwar auf besonders lustige oder kreative Farbbezeichnungen und gerade Pastelltöne sind besonders beliebt, aber eigentlich sind Sie in der Farbwahl komplett frei.

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Das Zubehör vom Streichen mit anderen Farben können Sie problemlos auch für Kreidefarbe nutzen.

Kreidefarbe aus dem Obi oder einem anderen Baumarkt können Sie unmittelbar vor Ort einfärben lassen, in der Regel ohne zusätzliche Kosten. Dabei werden festgelegte Farbcodierungen verwendet, sodass Sie auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal die identische Farbe kaufen können.

Noch individueller gelingt die Farbwahl mit einem Set Abtönpasten. So können Sie jederzeit leichte Abweichungen kreieren und zum Beispiel Farbverläufe erreichen oder, fast noch wichtiger, trotz verschiedener Untergründe gleiche Resultate erzielen. Je nach Art und Eigenschaften der Oberfläche ergeben sich nämlich variierende Farben nach dem Trocknen.

Es spricht einiges für die individuelle Einfärbung mit eigenen Abtönfarben im Vergleich bereits fertig gefärbten Kreidefarben:

  • spontane Anpassung je noch Situation möglich
  • nicht auf das Angebot spezieller Hersteller angewiesen
  • nicht auf Kreidefarbe von Obi o.Ä. angewiesen
  • nachträgliches Ändern möglich
  • teurer als der Kauf fertiger Farben
  • erfordert Geschick und gutes Auge

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3. Gelingt das Streichen mit dem richtigen Zubehör mühelos?

Auch der Testsieger der Kreidefarbe nützt Ihnen allein nur wenig. Mit ein paar essentiellen Hilfsmitteln sind Sie aber bereits bestens ausgestattet, um eine Kommode zum Vintage-Objekt umzugestalten.

Utensil Einsatz
Malerkrepp
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  • zum exakten Abkleben bei verschiedenfarbigen Elementen
  • hält sicher
  • kann rückstandslos entfernt werden
Schleifpapier
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  • zum Glätten der Oberfläche vor dem Streichen
  • zum Durchschleifen nach den Anstrichen für den Used-Look
  • besonders handlich als Schwämmchen
  • bei größeren Flächen empfiehlt sich ein elektrisches Schleifgerät
Pinsel
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  • sorgen für zusätzliche Struktur in der Oberfläche
  • breite Pinsel für Seiten und Oberflächen
  • Heizkörperpinsel für schwer zugängliche Stellen
  • an Wänden und Holzverkleidung ist die Rolle am besten geeignet
Versiegelung
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  • matte und raue Oberfläche wird glatt und widerstandsfähig
  • besonders auf Abstellflächen und bei regelmäßigem Gebrauch wichtig
  • an Wänden unnötig
Nicht falsch sparen: Damit der Spaß bei der Arbeit nicht zu schnell vergeht und Sie Ihr Zubehör mehr als einmal benutzen können, empfehlen wir von Vergleich.org, bei der Anschaffung vor allem auf die Qualität und erst dann auf den Preis zu schauen. Insbesondere bei den Pinseln sind die Unterschiede bezüglich Haltbarkeit und Festigkeit der Borsten extrem groß.

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4. Wichtige Ergebnisse aus Untersuchungen in anderen Medien

Bei Stiftung Warentest findet sich leider kein Kreidefarbe-Test. Aber 2017 hat das Institut Wandfarben untersucht und eine Reihe hilfreicher Tipps dazu veröffentlicht, die auch beim Umgang mit Kreidefarben beherzigt werden können.

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Ein altes Möbelstück ist schnell gefunden. Aber erst, wenn es dabei gut aussieht und noch funktioniert, ist es auch vintage.

Bei Öko-Test gibt es dagegen eine sehr umfangreiche Überprüfung aus dem Sommer 2018, die sich entsprechend dem Konzept des Magazins vor allem mit den Umweltaspekten befasst. Komplett überzeugen konnte nur die Kreidefarbe von yellowchair, die ohnehin auf sonstige Zusatzstoffe verzichtet. Während ganz viele Farben wegen fehlender Deklaration abgewertet wurden, kamen zumindest die Produkte von Painting the Past und Style Color noch mit der Note 3 davon.

Dabei störte die Tester vor allem die mangelnde Deklarierung der Inhaltsstoffe und weniger das Vorhandensein chemischer Zusätze. So bekam zum Beispiel die bereits erwähnte Farbe von Painting the Past ein befriedigendes Urteil, auch wenn Acryl beigemischt ist.

Generell gilt aber, dass durch die Beimischung von typischen Bestandteilen von Farbe auch Kreidefarbe profitiert, sowohl in der Handhabung als auch dem Verhalten beim Trocknen. Auch die Haltbarkeit und die Beständigkeit der Farbe können als Gründe angeführt werden. An die festgelegten Grenzwerte für flüchtige organische Verbindungen müssen sich die Hersteller selbstverständlich halten, auch wenn es scheinbar bei der Benennung manches Mal noch nicht klappt.

So können Sie erwartungsgemäß bei den etablierten Produzenten von der Einhaltung aller Verbraucherschutzregeln ausgehen, auch wenn ein reines Naturprodukt bei vielen nicht in der Dose sein wird:

  • Bondex
  • Farbmanufaktur Contura Ann Sterling
  • Lignocolor
  • Marabu
  • yellowchair
  • Painting the Past
  • Rust-Oleum
  • Style Color
  • Rügenfarben
  • Shabby Chic Colors
  • Annie Sloan
  • Rayher
  • Gäbig+Mätteli

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5. Häufig auftretende Fragen zu Kreidefarbe

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Kreide findet sich in Europa an vielen Orten. Abgebaut wird häufig in Tagebauen auch in Norddeutschland.

5.1. Wie lässt sich Kreidefarbe versiegeln?

Am weitesten verbreitet sind die Versiegelungen mit Klarlack und mit Wachs. Beide Kategorien gibt es als speziell für Kreidefarbe abgestimmte Varianten, aber eigentlich ist nur die Verdünnbarkeit mit Wasser wichtig. Ein Lack mit Lösungsmitteln hingegen könnte den darunterliegenden Anstrich beschädigen.

Bei der Ergiebigkeit mit Blick auf den Preis sind die Unterschiede nicht sonderlich groß. Wenn Sie die Kreidefarbe mit Wachs versiegeln, zahlen Sie relativ viel für eine kleine Menge, die aber für eine größere Fläche reicht. Genau umgekehrt ist es beim Lack, sodass sich diese Unterschiede zumindest finanziell annähernd aufheben.

5.2. Wie kann ich Kreidefarbe auftragen?

Wollen Sie eine eigene Struktur mit der Farbe erzeugen, empfehlen sich ein Pinsel und eine zähflüssige Konsistenz.

Um eine Wand mit Kreidefarbe zu streichen, ist eine Rolle besser geeignet. Außerdem sollten Sie sich für eine niedrigere Deckkraft entscheiden, weil diese Farben in der Regel flüssiger sind. Allerdings können Sie sie auch direkt vor der Verarbeitung mit Wasser verdünnen, um die Farbe entsprechend Ihren Vorstellungen anzupassen.

Beide Methoden eignen sich für eine Vielzahl von Untergründen:

  • Holz
  • Gips
  • Putz
  • Tapete
  • Beton
  • Mauerwerk
  • Fliesen

In Blogs und Videoanleitungen im Internet finden sich zahlreiche Tests zu einzelnen Kreidefarbe etwa von Annie Sloan oder auch Painting the Past, in denen eindrucksvoll gezeigt wird, dass sich fast jeder feste Untergrund zum bemalen eignet.