Das Wichtigste in Kürze
  • Lötkolben mit Gas bieten fernab von Steckdosen hohe Leistungen und sind meist so handlich wie ein großer Stift. Daher eignen sich Gas-Lötkolben besonders für filigrane Lötarbeiten.
  • Je nach aufgesteckter Lötspitze können mit dem Gaslötgerät extrem feine Platinen oder auch breite Verbindungen gelötet werden. Außerdem gibt es Aufsätze zum Brandmalen, Heißschneiden und zum Bearbeiten von Schmelzverbindungen.
  • Lange Laufzeit und hohe Temperaturen sind die Königsdisziplinen für potenzielle Gaslötkolben-Testsieger. Gaslötgeräte mit nur geringer Leistung eignen sich eher als Zweitmodelle.

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Wie ein Gaslötkolben funktioniert

Lötkolben mit Gas arbeiten ähnlich wie Feuerzeuge: Im Griff ist ein Gastank. Schalten Sie das Werkzeug an, strömt Butangas in die Spitze und wird entzündet. Aufgrund des Gases bekommt das Gerät häufig den Namen „Butan-Lötkolben“.

Die Gasflamme ist jedoch nur so groß, dass sie gerade die Lötspitze erreicht und auf diese Weise erhitzt. Bei den meisten Gaslötkolben-Typen lässt sich die Flamme vergrößern, sodass sie außerhalb der Spitze brennt.

100 ml Feuerzeuggas (Butangas) kosten im Durchschnitt weniger als 3 Euro. Die besten Gaslötkolben laufen mit ungefähr 20 ml Butan länger als zwei Stunden. So kosten die filigranen Mini-Lötkolben im Betrieb lediglich Centbeträge, ermöglichen aber Lötarbeiten auf höchstem Niveau.

Je nachdem, welche Aufsätze im Gaslötkolben-Set enthalten sind, können Sie damit nicht nur löten, sondern auch brandmalen, heißschneiden, Schrumpfschläuche schmelzen oder Hartlöten.

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Gaslötkolben sind so handlich, dass sie einem Stift ähneln. Nicht zu Unrecht heißen Sie auch Mini-Lötkolben.

Die Mini-Lötkolben sehen den Batterie-Lötkolben zwar zum Verwechseln ähnlich, allerdings erreichen die Gaslötkolben mit ihren Flammen wesentlich höhere Temperaturen als die Batterie-Modelle. Doch durch die schlanke Bauweise erhalten Sie mit den Geräten den Komfort einer Batterie-Lötkolben-Erfahrung und trotzdem mehr Leistung.

Wer jedoch hauptsächlich Elektronik lötet und kaum weiterführende Ansprüche an seinen Lötkolben stellt, wird eventuell auch mit simplen, günstigen Elektro-Lötkolben glücklich:

Wenn Sie Temperaturen von mehr als 400 °C brauchen und was sich hinter einem Piezozünder verbirgt, verraten wir in der Kaufberatung unseres Gaslötkolben-Vergleichs 2020.

1. Laufzeit: Wählen Sie Gaslötgeräte mit wenigstens 60 min

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Für die meisten Lötarbeiten brauchen Sie lange Laufzeiten, besonders, wenn die Arbeit präzise ist und Sie das Gerät häufig abstellen müssen, um die Hände auszuruhen.

Die Laufzeit ist bei dieser Lötkolben-Kategorie nicht zu unterschätzen, da Lötvorgänge meist viel Zeit in Anspruch nehmen. Nicht selten liegt ein Lötkolben beim Werkeln angeschaltet neben dem Werkstück und wartet darauf, wieder zum Einsatz zu kommen.

Dies erscheint Laien vielleicht wie Energieverschwendung, doch erfahrene Bastler wissen, dass man nicht immer die Zeit hat, zu warten bis der Kolben wieder die richtige Arbeitstemperatur erreicht hat. Profis lassen den Gaslötkolben also durchaus weiterbrennen.

Daher ist es unwahrscheinlich, dass Modelle mit weniger als 60 Minuten Laufzeit jemals einen Gaslötkolben-Test gewinnen. Doch gerade die Geräte mit 30 Minuten Laufzeit gibt es immer wieder im Angebot (bspw. bei Amazon, Aldi oder Conrad).

Bevor Sie solch einen günstigen Gaslötkolben kaufen, sollten Sie sich klarmachen, dass Sie ihn nach fast jedem Bastelvorgang auffüllen müssen. Zum „Zwischendurch-Löten“ reichen kurze Zeiten von bis zu 60 Minuten, zu mehr aber auch nicht.

Lange Löt-Laufzeiten für aufwendige Projekte:

Wer aber komplette Platinen verlöten möchte, braucht mehr als 60 Minuten. Für Brandmalereien brauchen Sie höchstwahrscheinlich noch länger. Hier empfehlen sich 90 bis 120 Minuten Laufzeit.

Vor- und Nachteile kurzer Laufzeiten:

  • kleiner Tank macht Gerät handlicher
  • meist günstig
  • nur kurze Arbeitszeiten
  • meist nur zum Löten nutzbar
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In der Regel bekommen Sie die Geräte in einem kleinen Gaslötkolben-Set, dem Lötzinn, Flussmittel sowie eine extra Spitze beiliegen.

2. Bei welcher Maximaltemperatur werden Lötkolben flexibel?

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Besonders heiße Gaslötkolben eignen sich auch für Brandmalerei. So können Sie Holzgravuren entweder verschönern oder direkt einbrennen.

Die höchstmögliche Temperatur einer Lötkolbenspitze bestimmt ebenfalls die Auswahl der möglichen Einsatzzwecke. Zwischen 200 °C und 350 °C sind bereits simple Lötarbeiten möglich. Diese Temperaturen schaffen aber selbst billigste Lötkolben und sind optimal für Computerplatinen.

Profis löten Computerplatinen beispielsweise meist am oberen Limit für Computerchips mit 350 °C, da sie so besonders schnell arbeiten können.

Sobald Sie aber hartlöten wollen, brauchen Sie Temperaturen von über 450 °C. Je mehr Celsius, desto besser. Ab 450 °C beginnen Hartlote überhaupt erst nutzbar zu schmelzen. Bei unter 450 °C schmelzen sie zwar auch, aber nicht so, dass man damit löten könnte.

Zum Brandmalen und Heißschneiden sind ebenfalls Temperaturen von mehr als 450 °C wichtig. Je nach Härte des Holzes kann es sein, dass Sie vermutlich mehr als 500 °C brauchen. Bei besonders heißen Gaslötkolben erhalten Sie häufig gleichmäßigere Ergebnisse.

Hier heben sich renommierte Hersteller von billigen Marken ab: Meist bieten Gaslötkolben von Würth, Ersa, Weller, Dremel und Proxxon mindestens 500 °C.

Mehr als 450 °C lässt verschiedene Projektarten zu:

Damit Hartlöten, Brandmalen oder Heißschneiden überhaupt erst mit dem Gaslötgerät möglich werden, muss der Mini-Lötkolben heißer als 450 °C werden. Mit Temperaturen darunter gewinnt das Gerät keinen Gaslötkolben-Test.

Hier eine kleine Übersicht der wichtigsten Temperaturen zum Weichlöten:

Zin-Blei-Verhätnis vom Weichlot Schmelzpunkt
60 % Zin | 40 % Blei ab 190 °C
50 % Zin | 50 % Blei ab 214 °C
95 % Zin | 5 % Blei ab 224 °C
40 % Zin | 60 % Blei ab 230 °C

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3. Braucht man zum hartlöten eine offene Flamme?

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Die kleinen Butan-Lötkolben eignen sich sogar zum Hartlöten von Kupferrohren.

Wer besonders auf Hartlöten heiß ist, für den sind Gaslötkolben mit offener Flamme ein Segen. Sobald das Gaslötgerät eine solche Löt-Flamme bietet, erreicht die Flamme selbst bei günstigen Modellen über 1.000 °C. Hartlot-Verbindungen sind wesentlich robuster als Weichlot-Verbindungen.

In dieser Temperatur-Kategorie fließen die meisten Hartlote am besten um die zu lötende Stelle herum (z. B. Kupferrohre oder Stahlteile). Je heißer die Flamme, desto hochwertiger kann das Hartlot sein. Messinghartlot fließt beispielsweise erst ab 900 °C und immer besser, je heißer die Flamme wird.

gas-lötkolben-als-gasbrenner

Wenn die Lötspitze abmontiert ist, wird der Gaslötkolben zum kleinen Gasbrenner.

Hartlote brauchen Sie zum Beispiel beim Verlöten von Kupferrohren für Heizungsrohre oder sanitäre Anlagen. Stiftung Warentest hat viele hilfreiche Heimwerker-Tipps in dem Buch „Reparaturen kompakt“ zusammengefasst.

Gaslötgerät und Gasbrenner

Doch nicht nur zum Löten mit Gas ist eine offene Flamme praktisch. Sie können damit auch die sogenannten Schrumpfschläuche schmelzen. Dazu wird die Flamme lediglich in die Nähe der Gummischläuche gehalten, die sich sofort zusammenziehen.

Die Flamme des Gaslötkolbens eignet sich sogar für das Dessert Crème brûlée: Dort wird die Zuckeroberfläche mit einer Flamme kandiert. Sie können das Gaslötgerät also wie einen kleinen Gasbrenner einsetzen und sparen sich ein Werkzeug für Heißluft.

Rohre verlöten braucht viel Hitze:

Wer nur Platinen für Computer löten möchte, der kann die Qualität der Gasbrenner-Flamme ignorieren. Wollen Sie hingegen den Lötkolben für sanitäre Anlagen nutzen, dann werden Sie damit früher oder später Hartlote verlöten und kommen um eine besonders heiße Flamme nicht herum. Zum Hartlöten mit Gas lohnt sich ein Modell mit mindestens 1.200 °C, die meisten Gaslötgeräte bieten sogar 1.300 °C.

4. Ermöglicht die Piezo-Zündung einen schnellen, zuverlässigen Start?

gaslötkolben-piezo-zündung

Mit einer Piezo-Zündung schaltet sich der Gaslötkolben wie ein modernes Feuerzeug zuverlässig an.

Es finden sich kaum noch Gaslötkolben ohne Piezo-Zündung in Fachhandlungen oder Baumärkten. Doch gelegentlich gibt es Modelle, die die veraltete Steinzündung verwenden. Dabei wird ein Rädchen an einem Stein gerieben, sodass Funken entstehen. Das Prinzip kennen Sie eventuell von billigen Feuerzeugen und erinnern sich womöglich auch, wie fehleranfällig die alten Steinzündungen sind.

Bei einer Piezo-Zündung schlägt hingegen ein kleiner Kolben auf den sogenannten Piezo-Kristall. Dabei entsteht ein elektrischer Funke. Dieser Mechanismus ist extrem zuverlässig und funktioniert sogar unter feuchten Bedingungen.

Piezo-Zündungen sind nicht nur besonders zuverlässig, sondern sie sind auch wesentlich komfortabler zu bedienen. Sie drücken lediglich den Knopf und schon springt der Funke über. So müssen Sie nicht wie bei der Steinzündung mühselig ein Rädchen drehen.

5. Häufige Fragen zum Lötkolben mit Gas

Lötspitze perfekt vorbereiten

Damit das Lot von einer Lötspitze optimal auf die Lötstelle fließt, sollte die Spitze immer sauber und nicht verrußt sein. Neu gekaufte Spitzen sollten Sie vorher verzinnen. Dafür reicht es, lediglich Lötzinn an der Spitze schmelzen zu lassen, bis sie silbern ist.

Beim Löten wie beim Verzinnen empfiehlt es sich, Flussmittel zu verwenden. Das Mittel verhindert, dass zu viel Sauerstoff in die Lötstelle eindringt.

Verschmutzte Spitzen, die sich gar nicht mehr per Schwamm und Entlöt-Draht reinigen lassen, können Sie im absoluten Notfall mit einer Stahlbürste blank putzen. Allerdings müssen Sie sofort im Anschluss die Spitze verzinnen. Ist die Spitze nicht verzinnt, setzt sich eine Oxidschicht auf der Lötkolbenspitze ab, die dafür sorgt, dass sie nicht perfekt heiß wird.

5.1. Welches Gas eignet sich für Gaslötkolben?

Im Prinzip eignet sich jedes Feuerzeuggas für Gaslötgeräte. Hierbei handelt es sich in der Regel um Butangas. Je reiner das Butangas in der Nachfüllkartusche ist, desto effizienter arbeitet anschließend der Gaslötkolben.

5.2. Welcher Gaslötkolben-Hersteller ist der beste?

Ersa und Weller sind bereits unter vielen Nutzern für ihre Elektro-Lötkolben beliebt und enttäuschen auch nicht mit ihren Gaslötkolben. Hier ist besonders auf die Ersa-Independent-Reihe zu achten, die es im Basic- oder Profi-Gaslöt-Set gibt.

Doch bei Weller ist Vorsicht geboten, da vom Hersteller viele alte Modelle im Umlauf sind. Wir empfehlen Ihnen Modelle aus der Gaslötkolben-Pyropen-Reihe von Weller zu wählen.

Bekannte Werkzeug-Hersteller wie Dremel und Proxxon bestätigen mit ihren Gaslötkolben-Reihen Versatip sowie Microflamm ebenfalls ihre Erfahrung für gutes Werkzeug.

Ferm- und Portasol-Lötkolben sind zwar gelegentlich eine solide sowie günstige Alternative, hinken aber in Sachen Leistung nicht selten hinterher und gewinnen keinen Mini-Lötkolben-Test.

Von Rothenberger-Gaslötkolben sollten Sie lieber die Finger lassen, da der Hersteller seine Reihe eingestellt hat und nur Restbestände abverkauft. Hier wird es vorerst keine Ersatzteile mehr geben.

5.3. Welche Spitze eignet sich zum Brandmalen?

Fast alle. Je nachdem, wie dick Sie die Brandstriche haben wollen, sollten Sie eine dicke oder dünne Spitze wählen. Aber nehmen Sie zum Brandmalen nicht die verzinnten Lötspitzen, da diese sonst für das Löten ruiniert sind. Am besten sind extra dafür ausgewiesene Brandspitzen.

Neue Lötspitzen sollten vor dem Löten immer erst verzinnt werden, damit das Lot besser an die Lötstelle fließt.