Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Recurvebogen unterscheidet sich vom klassischen Bogen dahingehend, dass sich die Enden der Wurfarme vom Schützen wegbiegen, also in Schussrichtung zeigen. Dies erhöht die maximal speicherbare Energie in den Wurfarmen und vermindert den sogenannten „Handschock“ beim Lösen des Schusses.
  • Die Größe eines Bogens wird von einem Wurfarmende zum anderen in Zoll gemessen (Ein Zoll = 2,54 cm) und die Stärke des Bogens wird in lbs angegeben (Ein Kilo entspricht etwa 2 lbs).
  • Es gibt ein großes Angebot an Zubehör: Seitenköcher, Armschutz, Handschutz, verschiedene Pfeilauflagen, spezielle Holzpfeile und vieles mehr.

Recurvebogen Test

Das Prinzip des Recurvebogens, als Weiterentwicklung des traditionellen bzw. Primitiv-Bogens ist schon seit mehreren Tausend Jahren bekannt. Als Waffengattung waren diese an sich schon früh als Kriegsbögen oder Jagdbögen im Einsatz. Aber auch im Jahr 2020 wird der Recurve-Bogen, vorrangig als Sportgerät, genutzt. Vor allem das Olympische Bogenschießen hat hierfür den Weg geebnet. In dieser Kaufberatung stellen wir Ihnen Unterschiede und Gemeinsamkeiten vor, um Ihnen einen Leitfaden für den Kauf eines Recurve-Bogens zur Hand zu geben, damit Sie Ihren persönlichen Recurvebogen-Testsieger wählen können.

1. Warum der Recurvebogen anders ist als normale Bögen?

Der Recurvebogen ist denselben Wirkprinzipien unterworfen, wie jeder andere Bogen: Durch den Auszug der Bogensehne werden die beiden Wurfarme, welche am mittigen Griffstück befestigt sind, nach hinten gespannt.

Beim Loslassen der Sehne, auf den man den Pfeil legt, schleudern die Wurfarme wieder in ihre ursprüngliche Position und ziehen so die Bogensehne und den Pfeil nach vorne. Beim Erreichen des Ausgangszustandes schnellt der Pfeil von der Sehne und fliegt in Richtung Ziel. Wo liegen nun die Unterschiede zu anderen Bogen-Arten?

  • Die Wurfarme sind an den Enden entgegen des Schützen gebogen. Daher stammt auch die Bezeichnung „Recurve„. Durch diese Biegung liegt die Bogensehne in der Ruhestellung an den Enden der Wurfarme an.
  • Dies hat eine verminderte Schockwirkung zur Folge, wenn die Sehne in Ruheposition schnellt: Der Bogen selbst nimmt einen Teil der Schussenergie auf, da die Sehne bereits auf den letzten Zentimetern wieder gespannt wird.
  • Die Belastung der Wurfarme ist durch die hohe Vorspannung größer als bei anderen Bogenarten. Daher werden diese meist in Kompositbauweise (aus mehreren Schichten unterschiedlichen Materials) ausgeführt.
Das Griffstück moderner Recurvebögen ist ergonomisch geformt, bietet Befestigungspunkte für Visiere und weiteres. Die Wurfarme sind oft wechselbar.

Das Griffstück moderner Recurvebögen ist ergonomisch geformt, bietet Befestigungspunkte für Visiere und weiteres. Die Wurfarme sind oft wechselbar.

Bogensport hat durch seine Elemente – das Ausziehen der Sehne, das Innehalten, Fokussieren, Atmen und anschließende Lösen des Pfeils – einige meditative Momente. Bogenschießen hat daher leichte Überschneidungen mit Yoga und anderen entspannenden Sportarten. Über die positive Wirkung von Entspannungsverfahren hat auch die Stiftung Warentest in der Ausgabe 12/2011 berichtet.

Gleichzeitig benötigt das sichere und erfolgreiche Bogenschießen neben Ruhe und Konzentration auch eine gewisse Grundkraft. Wer sich hier steigern möchte, um beispielsweise einen stärkeren Bogen schießen zu können, sollte über Muskeltraining nachdenken. Gerade die Arme und Schultern werden beim Bogensport gefordert. Ein stabiler Rumpf ist aber ebenso nötig. Langhantel, Kurzhantel und Klimmzugstange sind Trainingsgeräte, mit denen diese Körperregionen gut an steigende Belastungen gewöhnt werden können. Allerdings sollten Sie nicht erst ein halbes Jahr trainieren, um „für den Bogensport bereit“ zu sein. Tasten Sie sich mit einem eher niedrigen Zuggewicht heran und fokussieren Sie sich auf das Erlernen der Technik. Dann klappt es auch mit den stärkeren Bögen besser.

Was spricht für, was gegen einen Recurve-Bogen? Wir fassen die einzelnen Aspekte für Sie zusammen:

    Vorteile
  • klassisches Bogendesign
  • relativ preiswert
  • weniger wartungsbedürftig als bspw. Compoundbögen
    Nachteile
  • geringere Zuggewichte sinnvoller als bei Compoundbögen
  • weniger Anbaumöglichkeiten für Zielhilfen, wegen meist simplen Designs

2. Welche anderen Bogen-Typen gibt es?

Die bekanntesten Arten von Bögen möchten wir an dieser Stelle auch kurz vorstellen:

2.1. Primitivbogen

Der Primitivbogen besteht im historischen Sinne aus einem einzigen Stück Holz und einer Sehne, zum Beispiel aus Flachs, Leinen oder Leder. Der Pfeil wird über den Handrücken geführt. Als Klassifikation im Bogensport ist mit Primitivbogen gemeint, dass er ausschließlich unter Verwendung von vorindustriellen Materialien (Holz, Leder, Bein) gefertigt wurde. Dieser Bogen wird auch gerne für traditionelles Bogenschießen verwendet.

2.2. Langbogen

Der Langbogen wurde im Mittelalter entwickelt. Historiker unterscheiden zwischen amerikanischen und englischen Langbögen. Diese Kategorie von Bögen ist im ungespannten Zustand fast mannshoch und erreicht hohe Auszugsgewichte. Ein Langbogen kann fast baugleich mit einem Primitivbogen sein, jedoch verfügen heutige Langbogen oft über eine Pfeilablage und andere Wurfarmmaterialien.

2.3. Compoundbogen

Beim Compoudbogen wird die Sehne über ein System von Lenkrollen geführt. Diese moderne Art des Bogens erreicht sehr hohe Auszugsgewichte, weist jedoch dank der Lenkrollen einen entscheidenden Unterschied auf: Die benötigte Kraft für den Auszug nimmt nicht linear zu, sondern nur über einen Teil der Auszugsstrecke. Im völlig ausgezogenen Zustand ist nur noch ein Bruchteil der Kraft notwendig. So liegt der Bogen ruhig in der Hand und kann lange Zeit gespannt gehalten werden. Dies ermöglicht wesentlich genaueres Zielen.

Wie Sie Ihren Recurvebogen aufbauen, sehen Sie im folgenden Youtube-Video:

Diverse Hersteller haben sich mittlerweile mit ihren Marken im Bereich der Recurvebögen etabliert. Eine Auswahl:

  • Cartel
  • CORE
  • Haller
  • Hawk
  • Aurora
  • Beier
  • Black Flash Archery
  • Brownell
  • By Beier Germany
  • Fortis
  • SF Archery
  • Wildcat
  • Bearspaw
  • Flex
  • Herbertz
  • Blackfield
  • C.C. Buchner
  • DF-Shopping
  • Ebenwald
  • Jaguar
  • Legend
  • SKB

Recurvebogenschießer bei einem Wettbewerb

3. Welche Kaufkriterien für den Recurvebogen sind wichtig?

3.1. Größe

Welche Größe muss ein Recurvebogen haben? Generell orientiert sich die ideale Größe an Ihrer eigenen Körpergröße, egal ob der Recurvebogen Anfänger oder fortgeschrittene Schützen glücklich machen soll.

Körpergröße Bogengröße
54 Zoll
1,50 – 1,65 m 62 Zoll
1,65 – 1,85 m 68 Zoll
> 1,80 m 70 Zoll

Tipp: Wenn Sie einen Recurvebogen kaufen, orientieren Sie sich an diesen Vorgaben. Gerade ein zu großer oder zu kleiner Bogen erschwert das Erlernen der richtigen Technik. Dieser Recurvebogen-Vergleich enthält Bögen verschiedener Größe und Zugkraft. Der beste Recurvebogen ist auch der, der am besten zu Ihnen passt.

3.2. Zuggewicht

Das Zuggewicht wird in Pfund (lbs.) angegeben und beschreibt, wie viel Kraft aufgewendet werden muss, um den Pfeil auf der Sehne liegend nach hinten auszuziehen. Je nach Stärke der Wurfarme kann die dafür benötigte Kraft auch sehr hoch sein. Ein Pfund entspricht 0,453 Kilogramm. Das passende Zuggewicht hängt von Ihrer sportlichen Fitness ab. Die Belastung durch das mehrmalige Ausziehen eines Sportbogens ist nicht zu unterschätzen:

Fitnessgrad Zuggewicht
Männer
Zugewicht
Frauen
Kinder bis 12 Jahre 14 – 20 lbs. 10 – 16 lbs.
Gelegenheitssportler 20 – 28 lbs. 16 – 24 lbs.
Sportliche 28 – 32 lbs. 24 – 28 lbs.
Aktive Sportler 32 – 40 lbs. 28 – 34 lbs.

Tipp Die Angaben der passenden Zuggewichte sind lediglich Orientierungshilfen. Mit entsprechendem Trainingsgrad sind auch 50 lbs.-Bögen sehr gut von kleineren Menschen zu führen. Für einen angenehmen Einstieg empfiehlt es sich aber für beide Geschlechter, mit einem nicht zu hohen Gewicht zu starten. So lässt sich auch die Technik wesentlich besser, weil „sauberer“ erlernen.

3.3. Bogen Set oder Einzelkauf

Einige Recurvebogen bieten zusätzlich einen integrierten Köcher für mehrere Pfeile an.

Einige Recurvebogen bieten zusätzlich einen integrierten Köcher für mehrere Pfeile an.

Natürlich haben Sie mehr Auswahl, wenn Sie erst einen Recurvebogen kaufen und dann gezielt einzelnes Zubehör erwerben. Nur haben gerade Anfänger noch relativ wenig Grundlagenwissen, um die Eignung von einzelnem Zubehör in Bezug auf den persönlichen Geschmack zu beurteilen: Welcher Handschutz ist nun besser? Liegt mir eher die Ganz-Hand-Variante oder benötige ich gar keinen?

In einer solchen Situation kann es mehr Sinn ergeben, ein Bogen-Set zu kaufen. Mit einer Handvoll Pfeilen, einem Fingerschutz, Armschutz und Rückenköcher wird meist das übliche Zubehör abgedeckt. So können Sie nach einer geringen Anfangsinvestition fundierter entscheiden, welches Zubehör gewechselt werden soll. Hinzu kommt, dass der Erwerb im Set meistens günstiger ist. Dieser Recurvebogen-Vergleich untersucht sowohl einzelne Bögen, als auch Bogen-Sets.

4. Wie sollte man seinen Bogen pflegen?

Holzbögen können mit etwas Pflegeöl für Holz behandelt werden. Der Bogen sollte jedoch nicht nass werden, deshalb reicht ein Lappen, der mit ein paar Tropfen beträufelt wird, völlig aus.

Auch Griffwicklungen aus Lederbändern können mit der Zeit, zum Beispiel durch Handschweiß hervorgerufen, rissig oder brüchig werden. Die Wicklung von eventuell vorhandenem Schweiß zu säubern wirkt sich positiv auf ihre Lebensdauer aus. Da an dieser Stelle ein fester Griff absolut notwendig ist, sollte hier kein Lederfett oder ähnliches eingesetzt werden.

Die Bogensehne kann hin und wieder mit Wachs behandelt werden. Dies ist bei modernen Sehnen aus Dacron deutlich seltener nötig, als bei Naturstoffsehnen aus Hanf oder ähnlichen Materialien.

Achtung: Wenn Sie Ihren Bogen nicht benutzen, entspannen Sie ihn, indem Sie die Sehne von den Wurfarmen lösen und somit die Spannung aus den Wurfarmen nehmen. Kein Bogen sollte längere Zeit ungenutzt aber gespannt in der Ecke verbringen – die Federkraft lässt ansonsten nach.

5. Ist ein Recurve-Bogen eine Waffe? Regeln für den Umgang und die rechtliche Lage

Wie teuer muss ein Anfängerbogen sein?

Als Anfänger können Sie selbst mit einem Bogen für 30 Euro erste Eindrücke sammeln. Dies ist jedoch nicht als dauerhaftes Sportgerät gedacht. In dieser Preisklasse findet man eher „Gelegenheitsbögen“ oder Spielbögen für Kinder. Wichtig ist beim Anfängerbogen, dass das Sportgerät sich ebenso verhält, wie es ein teureres Wettkampfgerät auch täte. Zumindest, wenn die richtige Technik erlernt werden soll. Der Recurvebogen Vergleich zeigt: Dies klappt mit einem Bogen zwischen 50 und 100 Euro recht zuverlässig.

Alle Bauformen, auch Recurvebögen, gelten in Deutschland als Sportgerät, nicht als Waffe. Das bedeutet, dass weder Waffengesetz, noch Waffenverordnung bei einem Sportbogen Anwendung finden.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Bogenschütze von der Verantwortung befreit wäre, die Ausführung seines Hobbys sorgsam und umsichtig zu betreiben. Eine Zielscheibe, hinter der in einiger Entfernung Passanten kreuzen könnten, wird wohl jede Versicherung dazu bringen, einen möglichen Schadensfall nicht zu übernehmen. Grobe Fahrlässigkeit wäre nur eine der Verfehlungen, die man dem Schützen vorwerfen könnte.

Gerade Kinder unterschätzen häufig die Gefahr, die von Pfeil und Bogen ausgeht. Wenn Sie also einen Kinderbogen kaufen, führen Sie die richtige Verwendung vor und überwachen Sie das Spiel mit Pfeil und Bogen. So stellt das Zielen auf Personen oder (Haus-)Tiere, auch ohne ausgezogenen Pfeil, ein absolutes Tabu dar. Auch die Sicherung des Übungsplatzes ist ein wichtiger Punkt. Ist die Zielscheibe dick genug, um die Pfeile sicher auffangen zu können? Werden die Pfeile, sollten sie daneben gehen, von einem Erdwall oder durch ähnliche Sicherungsmaßnahmen gestoppt? Ist das Schussfeld auch für andere Personen als ein solches erkennbar?

Das Spielen mit Pfeil und Bogen ist eine gute Aufgabe für ein Kind. Reaktionsvermögen, Fokussierung und Hand-Auge-Koordination werden spielerisch geschult. Jedoch sollten klare Regeln aufgestellt werden, die unbedingt einzuhalten sind.

In der Produkttabelle dieses Recurvebogen-Vergleichs lassen sich auch einige Modelle finden, die aufgrund des Zuggewichts und der Größe speziell als Kinderbogen konzipiert sind.

6. Fragen und Antworten rund um das Thema Recurvebogen

6.1. Welche Sehne für einen Recurvebogen kaufen?

Möchten Sie traditionelles Bogenschiessen wieder aufleben lassen, können Sie eine Sehne aus Naturfaser kaufen. Hanf und Baumwolle sind hier zum Beispiel beliebt. Moderne Kunstfaser Bogensehnen bestehen meist aus dem Polyester Dacron und weisen bessere Leistungsparameter auf.

6.2. Braucht ein Recurve-Bogen ein Visier?

Generell kann man diese Frage verneinen. Für die im Einsteigerbereich üblichen Schussentfernungen von 20 – 35 m ist eine Zielhilfe nicht unbedingt notwendig. Die Verwendung von Visieren bietet sich eher bei einem Compoundbogen an: Bei dieser Bogenart muss zum Gespannthalten der Sehne sehr wenig Kraft aufgewendet werden, entsprechend ruhig ist die Hand. Dennoch gibt es auch für Recurvebogen Visiere, die bei entsprechend geschulten Schützen auch in diesem Sport die Schießleistungen deutlich verbessern können. In diesem Recurvebogen-Vergleich mussten wir von einem Vergleich verschiedener Visiere absehen.

6.3. Wie weit schießt ein Recurvebogen?

Bei hohen Zuggewichten sollte der Unterarm durch einen Armschutz geschützt werden.

Bei hohen Zuggewichten sollte der Unterarm durch einen Armschutz geschützt werden.

Die Reichweite eines Bogens ist von weit mehr abhängig als der Bogenart. Ein Recurvebogen schießt weiter, als ein Primitivbogen mit gleichem Zuggewicht. Jedoch sind weitere Faktoren von Bedeutung:

  • Der Schusswinkel: Die höchsten Reichweiten werden mit einem Abschusswinkel von ca. 50° erzielt. Diese Schüsse sind aber unter Umständen nicht mehr auf Zielscheiben ausführbar, da die Flugbahn bogenförmig verläuft.
  • Die Bogensehne: Eine möglichst dünne, reißfeste und unelastische Bogensehne trägt den gleichen Pfeil mit dem gleichen Bogen nochmals weiter
  • Das Zuggewicht: Ein hohes Zuggewicht kann natürlich mehr Energie auf den Pfeil übertragen, als ein geringes Zuggewicht. Dies ist der Grund, warum die englischen Langbögen mit 60 Pfund Zuggewicht Reichweiten von 200 Metern erzielten.

6.4. Was ist besser: Recurvebogen oder Langbogen?

Dank der dämpfenden Wirkung des Recurve-Designs, könnte man diese Bogen-Art, weil handschonender, als besser bezeichnen. Wer Bogensport nur mit historischen Bauformen praktizieren will, wird sich zwischen beiden Arten nicht entscheiden können: Sowohl Recurvebögen als auch Langbögen sind historische Waffen, welche lange Zeit in den Heeren verschiedener mittelalterlicher und antiker Mächte eingesetzt wurden.

Das Schussgefühl der beiden Arten von Bögen weicht voneinander ab. Daraus kann allerdings nicht die Überlegenheit einer der beiden Bogenarten gefolgert werden.

Bildnachweise: stockphotosecrets.com/ISS_8981_00032, shutterstock/Cylonphoto (chronologisch bzw. nach der Reihenfolge der im Kaufratgeber verwendeten Bilder sortiert)

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