Das Wichtigste in Kürze
  • Zu den häufigsten Federgabel-Typen gehören die sogenannten Teleskopgabeln. Sie lassen sich in drei Unterkategorien einteilen, die baubedingt unterschiedlich hohe Stabilität bieten und sich daher für verschiedene Einsatzgebiete gut eignen.
  • Federgabel-Tests haben gezeigt, dass hochwertige Gabeln meist über deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten verfügen als günstige. Vor allem wenn Sie als Mountainbiker viel in unebenem Gelände unterwegs sind, sollten Sie auf eine Ausstattung mit Zug- und Druckstufendämpfung nicht verzichten.
  • Achten Sie auf die passenden Bremsaufnahmen. Nur wenige Federgabeln verfügen nämlich über Anbauteile für Felgen- und Scheibenbremsen. Besonders im Mountainbike-Bereich sind Felgenbremsen mittlerweile übrigens so gut wie ausgestorben.

federgabel-test

Die Federgabel hat in den letzten Jahrzehnten einen kometenhaften Aufstieg erfahren. War sie Ende der 80er Jahre als Randerscheinung höchstens an in Eigenregie zusammengestellten Rädern fahrradverrückter Exoten oder Pioniere zu finden, hat sich die gefederte Fahrradgabel mit der Verbreitung des Mountainbike-Sports ihren Weg in den Massenmarkt gebannt.

federgabel-vergleich

Federgabeln erhöhen den Fahrkomfort und die Sicherheit, indem sie Unebenheiten auf der Strecke durch den Einsatz von Federn und Stoßdämpfern auszugleichen versuchen.

Heute sind Federgabeln insbesondere an MTBs – egal welcher Art – nicht mehr wegzudenken. Aber auch andere Fahrrad-Gattungen wie Trekking- oder Cityräder werden aus Gründen des Komforts mittlerweile gerne mit einer entsprechenden Vorderradfederung bestückt.

Der zunehmende Erfolg der Federgabel bringt für Laien jedoch auch Probleme mit sich. Der Markt ist inzwischen derart unübersichtlich und mit verschiedensten Modellen überladen, dass der Kauf einer guten und vor allem passenden Gabel zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen mutiert.

Aus diesem Grund hat sich Vergleich.org der Thematik angenommen und sich mit Begriffen wie Zug- und Druckstufendämpfung oder Lockout intensiv beschäftigt. In der Kaufberatung zu unserem Federgabel-Vergleich 2020 erklären wir Ihnen, welche Funktionen es gibt und für welche Einsatzzwecke sich unterschiedlich lange Federwege eignen. Darüber hinaus klären wir über die Kompatibilität mit Vorbauten und Achsen auf und sagen Ihnen, warum Einbaubreite und -höhe wichtige Parameter sind, die Sie beim Kauf der besten Federgabel beachten sollten.

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1. Federgabel-Typen nach Bauart: Dominieren Teleskopgabeln den Markt?

Federgabeln fürs Fahrrad bestehen in der Regel aus einigen Standardbauteilen, die Sie an jedem Modell finden. Neben dem oberen Gabelschaftrohr, das im Steuerrohr des Rahmens mithilfe zweier Wälzlager gelagert wird, sind dies vor allem die Gabelbrücke, die beiden im Bezug zum Fahrradrahmen starren Standrohre sowie die beiden beweglichen Tauchrohre.

gefederte fahrradgabel

Alle Teleskopgabeln haben eines gemeinsam: Im Verhältnis zum Rahmen verfügen sie über feststehende Standrohre und bewegliche Tauchrohre.

Auch beim inneren Aufbau gibt es bei vielen Produkten große Ähnlichkeiten. So sind sowohl Mountainbike-Federgabeln als auch die meisten Federgabeln fürs Trekkingrad nicht nur mit einer Federung, sondern auch mit einer Dämpfung ausgestattet. Beide Elemente sind im Normalfall getrennt in jeweils einem der beiden Holme verbaut.

Während die Federung die Aufgabe übernimmt, Stöße, Schläge und Unebenheiten im Boden durch Ein- und Ausfederbewegungen auszugleichen und deren Auswirkungen auf den Fahrer zu reduzieren, sorgt die Dämpfung dafür, dass dies ruhig und kontrolliert passiert. Ohne Dämpfer würde die Gabel ständig auf und ab wippen, sodass kontrollierte Fahrten in abwechslungsreichem Gelände kaum möglich wären.

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Bauformen von Federgabeln unterscheiden, von denen die Teleskopgabel die mit Abstand bedeutendste ist. Aus diesem Grund hat Vergleich.org intensiv recherchiert, um Ihnen die Eigenschaften und Besonderheiten der drei wichtigsten Unterkategorien von Teleskopgabeln einmal näher vorzustellen:

Art der Federgabel Eigenschaften und Besonderheiten
Right Side Up

right side up federgabel

  • Bei der Right-Side-Up-Federgabel sind die an der Gabelbrücke befestigten Standrohre oben, die dickeren Tauchrohre hingegen unten.
  • Beim Einfederungsprozess tauchen die dünneren Standrohre in die dickeren Tauchrohre ein.
  • Aus Gründen der Stabilität sind die Tauchrohre meist sehr steif gehalten und zusätzlich an ihren oberen Enden miteinander verbunden.

+ häufigster Typ und daher in vielen Varianten verfügbar
+ vielfältig einsetzbar (Mountainbike, Trekkingräder etc.)

- andere Arten besser für Freeride oder Downhill

Upside Down

upside down federgabel

  • Bei Upside-Down-Federgabeln ist die Konstruktion umgekehrt, sodass die oberen Standrohre dicker und die unteren Tauchrohre dünner sind.
  • Entsprechend tauchen beim Einfederungsprozess die dünneren Tauchrohre in die dickeren Standrohre ein.
  • Derartige Gabeln bieten eine deutlich höhere Stabilität, da sich die dicken Rohre dort befinden, wo die größten Hebelkräfte wirken.

+ hohe Stabilität
+ gut für Freeride oder Downhill geeignet

- weniger vielfältig einsetzbar (bzw. kaum lohnend)

Doppelbrücke

doppelbrueckenfedergabel

  • Bei Doppelbrückengabeln, die es sowohl in Upside-Down als auch in Right-Side-Up-Ausführung gibt, sind die Standrohre über die Gabelbrücke hinaus bis zum Vorbau verlängert.
  • Dort schließen sie mit einer zweiten Brücke ab, wodurch Belastungen auf den Gabelschaft stark reduziert werden.
  • Die erhöhte Steifigkeit kann jedoch bei einigen Rahmen zum Bruch des Steuerrohrs führen, sodass Sie vorab klären sollten, ob sich eine Doppelbrückengabel für Ihr Bike überhaupt eignet.

+ sehr hohe Stabilität
+ gut für Freeride oder Downhill geeignet

- nur für spezielle Rahmen geeignet
- weniger vielfältig einsetzbar (bzw. kaum lohnend)

Neben den oben vorgestellten häufigen Fahrradgabeln mit Federung, die alle zur Kategorie der Teleskopgabeln gehören, gibt es auch noch sogenannte Parallelogrammgabeln mit mehreren Gelenken sowie Modelle, bei denen eine Federung im Gabelschaftrohr verbaut ist. Beide Arten sind jedoch eher selten, sodass wir im Rahmen unseres Ratgebers auf eine nähere Analyse der Eigenschaften und Besonderheiten verzichtet haben.

mountainbike-federgabel

2. Federung: Finden sich Elastomere nur noch im niedrigen Preissegment?

Bei der Federung kommen zwei unterschiedliche Systeme zum Einsatz. Neben Luftdruck- sind auch Stahlfedern nach wie vor gängig. Elastomere, also elastisch verformbare Kunststoffe, finden wegen geringer Haltbarkeit und Temperaturabhängigkeit hingegen nur noch bei günstigen Federgabeln Verwendung (teilweise auch in Verbindung mit Stahlfedern).

2.1. Luftdruck und Stahlfedern: Beide Systeme bieten nützliche Vorteile

luftfeder gabel

Luftfeder-Gabeln lassen sich mit Hilfe einer Dämpferpumpe leicht einstellen.

Ob eine Federung mit Stahl oder Luft besser ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Beide Systeme bringen wesentliche Vorteile mit. Technisch leichter umzusetzen ist der Einbau von Stahlfedern. Das Prinzip ist jedem vertraut und daher auch für den Laien leicht verständlich. Stahlfedern gelten als besonders robust und haltbar. Die einzigen Nachteile sind das meist höhere Gewicht als bei Luftfedern und die bedingte Einstellbarkeit des Negativfederwegs.

Bei Federgabeln mit Luftfederung ist das gesamte System technisch aufwändiger umgesetzt und nicht für jeden sofort verständlich. Derartige Fahrrad-Federgabeln arbeiten in den meisten Fällen mit zwei unterschiedlichen Luftkammern und einem Kolben. Dieser bewegt sich beim Ein- und Ausfedern zwischen den beiden Kammern hin und her und sorgt dabei stets in einer Kammer für „Kompression“, in der anderen Kammer hingegen für „Entspannung“.

Die größten Vorteile, die Luftfederungen gegenüber Stahlfedern bieten, sind vor allem das deutlich geringere Gewicht sowie die leichte und unkomplizierte Einstellbarkeit des Negativfederwegs.

2.2. Federweg und Negativfederweg: Wichtige Parameter beim Kauf

federgabel negativfederweg

Den Negativfederweg sollten Sie je nach Einsatzgebiet entsprechend anpassen.

Der Federweg ist der Weg, mit dem das Fahrrad maximal einfedern kann, gemessen an einem zuvor komplett unbelasteten Rad ohne Fahrer und Gepäck. Er variiert je nach vorgesehenem Einsatzzweck der Gabel (siehe hierzu nachfolgendes Unterkapitel).

Doch auch der Negativfederweg spielt eine wichtige Rolle, wenn Sie eine Federgabel kaufen möchten. Dieser beschreibt den Weg, den die Federgabel bei statischer Belastung durch den Fahrer und das zugeladene Gepäck im Verhältnis zum komplett unbelasteten Zustand zurücklegt. Auch er sollte abhängig vom Einsatzgebiet gewählt werden.

Negativfederweg der Federgabel einstellen: Sie wollen den Negativfederweg Ihrer Federgabel einstellen? Bei luftgefederten Gabeln ist das in der Regel kein Problem. Hier können Sie einfach mit einer Dämpferpumpe den Luftdruck erhöhen oder verringern, wodurch sich Negativfederweg entsprechend verändert. Komplizierter verhält es sich allerdings bei Gabeln mit Stahlfedern. Bei diesen lässt sich der Negativfederweg nur geringfügig über die Federvorspannung anpassen. Sind größere Änderungen erwünscht, hilft meist nur der Austausch gegen härtere oder weichere Stahlfedern.

2.3. Einsatzgebiete: Auf steileren Strecken ist mehr Federweg notwendig

Wählen Sie Ihre Federgabel vor allem nach dem Einsatzgebiet. Bei Downhill-Gabeln sind bspw. deutlich größere Feder- und Negativfederwege notwendig als bei Federgabeln für Enduro-, All-Mountain-, Cross-Country- oder Freeride-Mountainbikes. Vergleich.org hat Ihnen hierzu einige Beispiele aufgelistet:

Einsatzgebiet benötigter Federweg Negativfederweg
Cross Country 80 bis 100 mm 10 bis 15 %
All Mountain 120 bis 160 mm 15 bis 20 %
Enduro 130 bis 180 mm 20 bis 25 %
Freeride 165 bis 200 mm 20 bis 25 %
Downhill 180 bis 250 mm 25 bis 35 %

federgabel vergleichsieger

3. Zug- und Druckstufendämpfung: Bei großen Unebenheiten klar von Vorteil

Falls Sie eine Trekking-Federgabel kaufen möchten, halten wir Einstellmöglichkeiten der Druck- oder Zugstufe für unnötig, da beide Einstellungen nur beim Fahren im Gelände sinnvoll zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund sind derartige Ausstattungsmerkmale vor allem Federgabeln im Mountainbike-Sport vorbehalten.

Federgabel-Lockout

Manche Federgabeln fürs Fahrrad verfügen über die Möglichkeit, sie per Lockout komplett zu blockieren. Das kann bspw. sinnvoll sein, wenn Sie längere Strecken auf befestigten oder sehr ebenen Straßen zurücklegen, bei denen eine Vorderradfederung nicht zwingend notwendig ist.

Bei MTB-Federgabeln von Rock Shox, Fox oder Manitou ist eine entsprechende Ausstattung darüber hinaus häufig ein Indiz für die Qualität der Gabel. Je mehr unterschiedliche Einstellungen sich vornehmen lassen, als desto hochwertiger gilt die Federgabel.

Die Einstellbarkeit der Zugstufe gehört an MTBs mittlerweile zur Standardausstattung. Sie beschreibt das Maß der Ausfederbewegung (Belastung auf Zug) bzw. deren Geschwindigkeit. Je stärker die Dämpfung hier eingestellt ist, desto langsamer federt die Gabel aus.

Insgesamt deutlich seltener ist die sog. Druckstufendämpfung. Sie beschreibt den Gegenpart, also die Einfederbewegung (Belastung auf Druck) bzw. deren Geschwindigkeit. Auch hier gilt: Je stärker die Dämpfung ist, desto langsamer federt die Gabel ein.

Besonders im Gelände wirksam: Einstellmöglichkeiten an Zug- und Druckstufe lohnen sich vor allem dann, wenn Sie mit Ihrem Mountainbike in sehr unebenem Gelände unterwegs sind.

federgabel scheibenbremsen

Wichtig für MTB-Gabeln: Da Mountainbikes in der Regel mit Scheibenbremsen ausgestattet sind, muss die Gabel Ihrer Wahl über entsprechende Bremsaufnahmen verfügen.

4. Bremsaufnahmen: Sind Scheibenbremsen am MTB Standard?

federgabel felgenbremsen

Gut zu erkennen: Die beiden sockelartigen Aufnahmen für Felgenbremsen (im Bild: Zoom-Federgabel).

Geht es um die Bremsaufnahmen an Federgabeln, kommt es meist weniger auf die Marke oder den Hersteller als vielmehr auf den Verwendungszweck an. So haben Federgabel-Tests im Internet gezeigt, dass Modelle fürs MTB wie Fox-Federgabeln, Rock-Shox- oder Manitou-Produkte stets für die Anbringung von Scheibenbremsen geeignet sind.

Einige wenige Produkte für Mountainbikes verfügen zudem über Sockel zur Montage von Felgenbremsen. Ist die Fahrrad-Federgabel hingegen für Trekking- oder Cityräder geeignet, sind Aufnahmen für Felgenbremsen keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

mtb federgabel

5. Fragen und Antworten rund um das Thema Federgabel

5.1. Warum sind Einbaubreite und Einbauhöhe wichtig für den Kauf?

Einbauhöhe und -breite sind zwei Angaben, die für die Kompatibilität einer Federgabel mit Ihrem Rad extrem wichtig sind. Die Einbaubreite bezeichnet dabei den Abstand der Ausfallenden zueinander, in denen die Achse befestigt wird. Dieser liegt häufig bei 100 Millimetern, kann bei einigen Modellen jedoch auch deutlich abweichen.

Die Einbauhöhe lässt sich definieren als der Abstand des oberen Endes der Gabelbrücke bis hin zur Achsmitte. Er ist besonders relevant, wenn es um die Erhaltung der Rahmengeometrie geht. Ist die Gabel hier zu kurz, sackt das ganze Fahrrad nach vorne. Ist sie zu lang, besteht die Gefahr, ständig in Rücklage zu geraten.

Hinzu kommt, dass auch die Radgröße eine Rolle spielt. Ist Ihr Bike bspw. auf Federgabeln für 26-Zoll-Reifen ausgelegt, sollten Sie dieser Angabe dringend folgen und keine Experimente mit anderen Reifengrößen wagen.

Wir empfehlen: Nehmen Sie die Einbaubreite und -höhe als wichtige Kauffaktoren ernst und wählen Sie ausschließlich ein Federgabel-Modell, das mit Ihrem Fahrrad auch kompatibel ist.

5.2. Hat die Stiftung Warentest bereits einen Federgabel-Test durchgeführt?

Die Stiftung Warentest hat sich bisher weder mit Downhill-Federgabeln noch anderen gefederten Modellen auseinandergesetzt und entsprechend noch keinen Federgabel-Testsieger gekürt.