Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Anfahrhilfe hilft Ihnen, wenn Sie in Sand, Matsch oder Schnee steckengeblieben sind und die Reifen keine Haftung zum Untergrund haben.
  • Am einfachsten lassen sich Rampen anbringen. Aber auch Textilschneeketten und Anfahrhilfen mit Spikes sind meistens innerhalb von Minuten montiert.
  • Hinsichtlich der Traktion, Robustheit und Eignung für alle Rädergrößen gibt es große Unterschiede. Achten Sie auch darauf, für welchen Untergrund die Anfahrhilfe geeignet ist.

anfahrhilfen im test

Laut einer Studie der Stiftung für Sicherheit im Skisport und der Sportuniversität Köln haben 2017 rund 28 % der Deutschen einen Wintersport betrieben.

Gerade bei Straßen im Gebirge kann es schnell vorkommen, dass es spontan schneit. Damit Schnee und Eis Sie nicht an der Weiterfahrt hindern, weil das Auto steckenbleibt, sollten Sie immer eine Anfahrhilfe für Schnee im Auto haben. Aber aufgepasst, nicht alle Anfahrhilfen halten, was sie versprechen und widerstehen den Belastungen im Schnee .

In unserem Anfahrhilfen-Vergleich 2020 bieten wir Ihnen eine Kaufberatung und zeigen Ihnen, welche Anfahrhilfen besonders leicht zu montieren und auch für andere Umgebungen als Schnee geeignet sind.

1. Bleibt man mit einer guten Anfahrhilfe nie wieder stecken?

anfahrhilfe-winterreifen

Winterreifen verbessern die Haftung zum Boden, stoßen aber schnell an ihre Grenzen.

Zwar bieten Winterreifen eine wesentlich bessere Haftung als Sommerreifen, allerdings reicht das manchmal nicht.

Finden sie keinen Halt, drehen sie durch. Daher werden die meisten Anfahrhilfen für Schnee konzipiert und helfen da, wo Winterreifen an ihr Limit stoßen.

Für eine gute Anfahrtshilfe, die sehr gute Haftung bietet und lange hält, müssen Sie leider etwas tiefer ins Portemonnaie greifen.

Möchten Sie lieber eine günstige Anfahrhilfe, greifen Sie zu einer einfachen Rampe aus Kunststoff. Im Vergleich zur Schneekette ist die Montage bei Anfahrhilfen wesentlich einfacher.

2. Eignet sich jede Anfahrhilfe für jedes Terrain?

Es lassen sich drei verschiedene Kategorien von Anfahrhilfen unterscheiden: Rampen, Spikes und Textilschneeketten. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir hier Vor- und Nachteile der jeweiligen Art verglichen.

Typ Eigenschaften
wawa auto anfahrhilfeRampe Rampen werden einfach unter die Antriebsräder gelegt und bieten nur Hilfe beim Losfahren.
+ sehr einfache Montage
+ oftmals einklappbar und damit platzsparend
+ eignen sich für viele Untergründe
- können einfach wegrutschen
- bieten meist nur wenig Haftung
- helfen nur beim Losfahren
ottinger spikeSpikes/Stacheln Anfahrhilfen mit Spikes werden oft mit Ketten, die durch die Felgenlöcher gezogen werden, montiert.
+ können auch für kurze Strecken genutzt werden
+ sind oftmals aus Metall und damit robust
+ eignen sich besonders für Eis und Schnee
- bieten bei Sand und Matsch wenig Haftung
- Spikes/Stacheln nutzen sich mit der Zeit ab
- Montage ist meist komplizierter
michelin textilschneeketten easygripTextilschneekette/
Reifenummantelung
Textilschneeketten werden über den Reifen gezogen und sind bei Schneekettenpflicht verwendbar.
+ bieten auf jedem Untergrund Haftung
+ sind schnell zu montieren
+ lassen sich waschen
- sind nicht sehr robust
- passen nicht auf alle Reifen
- verschleißen schnell
Fazit: Möchten Sie auch anderes Terrain als Schnee befahren und soll die Anfahrhilfe nur beim Losfahren helfen, greifen Sie zu einer Rampe. Sind Sie hingegen nur auf Schnee oder Eis unterwegs und benötigen die Traktionshilfe nur für eine kurze Steigung, sollten Sie lieber Spikes nehmen. Möchten Sie die Anfahrhilfe jedoch auch für längere Strecken nutzen, empfehlen wir Ihnen Textilschneeketten.

anfahrhilfe test

3. Gute Anfahrhilfen bieten Traktion, einfache Montage und sind robust

3.1. Ohne richtigen Grip ist die Anfahrhilfe nutzlos

Traktion

Traktion ist die Zugkraft, die entsteht, wenn die Antriebskraft des Motors auf die Reifen übertragen wird und bei Kontakt mit dem Boden das Fahrzeug bewegt. Gibt es wenig Traktion, kommt es zum Durchdrehen der Räder, auch Schlupf genannt.

Die wichtigste Eigenschaft ist die Traktion von Anfahrhilfen bei Schnee, Eis oder Matsch.

Rutscht die Anfahrhilfe weg oder drehen die Räder trotzdem durch, kommen Sie nicht vom Fleck.

Um den nötigen Grip zu gewährleisten, muss die Anfahrhilfe die Haftreibung zwischen Reifen und Untergrund erhöhen. Dabei spielt vor allem das Profil, das durch die Anfahrhilfe erzeugt wird, eine Rolle.

Achten Sie daher auf ein möglichst grobes Profil, damit die Anfahrhilfe Traktion liefert.

3.2. Mit Metallelementen hält die Anfahrhilfe meist länger

lescars anfahrthilfen

Die Anfahrhilfen von Lescars sind mit Metalldrähten verstärkt.

Zwar sind Kunst- und Gummistoffe sehr leicht und können nicht rosten, allerdings sind sie kälteempfindlich.

Wenn sie längere Zeit kalten Umgebungen ausgesetzt sind, werden sie spröde. Im Extremfall kann die Anfahrhilfe im Schnee dann brechen.

Metall dagegen ist viel robuster, allerdings auch wesentlich schwerer. Einige Hersteller wie Lescars mischen daher Kunst- und Gummistoffe und Metallteile, um die jeweiligen Vorteile zu kombinieren.

Wenn Sie ein eher kleines Auto mit weniger als 1,5 t Gewicht haben, reicht Ihnen auch eine Kunststofframpe ohne Metallverstärkung.

Sollten Sie hingegen ein größeres Auto mit mehr als 1,5 t Gewicht oder ein Wohnmobil besitzen, empfehlen wir Ihnen, entweder zu einer massiven Rampe beispielsweise des Herstellers Uniko oder zu Anfahrhilfen mit Spikes, wie sie der Hersteller Ottinger anbietet, zu greifen.

anfahrhilfe-lkw

Für LKW-Reifen benötigen Sie größere, massivere Anfahrhilfen.

Textilschneeketten oder Reifenummantelungen eignen sich zwar für alle Fahrzeuggrößen, allerdings sollten Sie bedenken, dass sich selbst robuste Textilstoffe abnutzen und daher nicht mehr als 5 Kilometer genutzt werden sollten.

Zwar können Sie Anfahrhilfen für Wohnmobile nutzen, Anfahrhilfen für LKW müssen jedoch wesentlich höheren Belastungen standhalten und sind daher anders konstruiert.

Fazit: Für leichte Fahrzeuge können Sie reine Kunststofframpen benutzen, für schwere Fahrzeuge besser Anfahrhilfen mit Spikes. Textile Anfahrhilfen können Sie bei allen Fahrzeugtypen verwenden, allerdings sollten Sie vermeiden, damit längere Strecken zu fahren.

3.3. Rampen lassen sich besonders schnell montieren

Im Vergleich zur Schneeketten, die oftmals bei widrigen Wetterbedingungen umständlich montiert werden muss, ist die Montage von Rampen leicht und schnell. Einfach die Rampe ausklappen, unter die Räder legen und losfahren.

anfahrhilfe-rampe-montage

Schieben Sie die Rampe möglichst nahe an das Rad.

Beachten Sie allerdings, dass Sie die Rampe auch richtig positionieren müssen. Die Rampen sollten direkt vor die Antriebsreifen gelegt werden, sonst kann die Anfahrhilfe im Praxistest wegrutschen.

Spider-Spikes bietet jedoch eine Anfahrhilfe, bei der Sie nach Installation der Befestigungsplatte auf jeden Reifen, die jeweils acht Krallen in Sekundenschnelle über den Reifen legen und arretieren können.

Allerdings sollten Sie die vier Befestigungsplatten auf jeden Fall vorher montieren, denn deren Montage dauert insgesamt ca. eine halbe Stunde.

Bei textilen Anfahrtshilfen wie Textilschneeketten oder Radummantelungen können Sie diese innerhalb von wenigen Minuten einfach über die Räder ziehen und fixieren.

Dazu legen Sie die Anfahrhilfen soweit wie möglich um den Reifen, geben dann genug Gas für eine halbe Raddrehung. Anschließend ziehen Sie den Rest der Traktionshilfe über den Reifen und schon können Sie losfahren.

3.4. Die meisten Anfahrhilfen helfen bei Sand nur wenig

In Testberichten zu Anfahrhilfen wird die Anfahrhilfe im Test meist nur für Eis oder Schnee geprüft. Allerdings bieten Sand und Matsch im Vergleich zu Schnee wesentlich weniger Halt, da der Untergrund meist weicher ist.

uniko-anfahrhilfe-sand

DIe 6in1 Faltrampe von Uniko können Sie auch bei Sand oder Kies benutzen.

Daher können Anfahrhilfen mit Spikes oder Textilschneeketten hier nur wenig ausrichten. Mit einer Rampe hingegen können Sie sich auch im Sand oder Matsch aus der misslichen Lage befreien.

Fahren Sie öfter über unwegsames Gelände oder in Strandnähe, sollten Sie sich lieber eine Rampe als Anfahrhilfe kaufen. Dabei ist es egal, ob Sie die Rampe als Anfahrhilfe für Ihren PKW oder als Anfahrhilfe für Wohnmobile nutzen.

Damit die Anfahrhilfe bei Schlamm auch wirklich hilft, sollten Sie beachten, dass sie nicht zu klein ist, sonst sinkt sie ein. Daher sollte Sie länger als 100 cm und mindestens 25 cm breit sein.

Die meisten Anfahrhilfen haben im Zubehör eine Verwahrungstasche enthalten, damit Sie die Traktionshilfe platzsparend lagern können.

Tipp: Verwahren Sie die Rampe in einer geeigneten Tasche, ansonsten wird die Anfahrhilfe nach Gebrauch Ihren Kofferraum verschmutzen.

3.5. Manche Anfahrhilfe ist auch als Schneekette benutzbar

anfahrhilfe schneeketten

Bei diesem Symbol müssen Sie Schneeketten verwenden.

In Deutschland ist der Einsatz vom Schneeketten bei Schneekettensymbol gesetzlich festgeschrieben, bei Nichteinhaltung wird ein Verwarngeld fällig.

Mit manchen Anfahrhilfen – beispielsweise der Hersteller Michelin oder Spikes-Spider – erfüllen Sie diese Auflagen und müssen keine schweren Schneeketten aus Metall benutzen.

Nicht nur kommen Sie somit ohne massive Metallschneeketten aus, auch das Fahren ist angenehmer. Durch das Fehlen starrer Kettenglieder fallen Lärm und Vibration wesentlich geringer aus.

Wenn Sie sich überlegen, nicht nur Anfahrhilfen am Berg, sondern generell für schneereiche Regionen zu nutzen, sollten Sie daher zu Textilschneeketten greifen.

3.6. Achten Sie auf die passende Größe

Rampen sind universell einsetzbar, egal wie groß Ihre Reifen sind. Leider fallen manche Rampen wie die der Marke WawaAuto recht schmal und kurz aus. Daher müssen Sie bei der Montage darauf achten, dass Sie die Rampe genau mittig platzieren, sonst kann der Reifen von der Rampe rutschen.

Um möglichst viel Fläche abzudecken, sollten Sie eine lange und breite Rampe kaufen. Manche Rampen sind faltbar und lassen sich trotz ihrer Größe platzsparend verstauen.

anfahrhilfe montage

Bei diesen Felgen hat die Befestigungskette zu viel Spiel und kann nicht richtig halten.

Bei manchen Anfahrhilfen für Autos muss eine Befestigungskette durch die Felgenlöcher gezogen werden, wie bei Anfahrhilfen von Ottinger. Haben Sie beispielsweise ein Speichenrad oder sehr kleine bzw. sehr große Felgenlöcher, kann es schwierig sein, die Ketten durch die Felgenlöcher zu ziehen oder zu fixieren.

Auch bei Textilschneeketten müssen Sie auf die richtige Größe achten, denn es werden nicht für alle Reifen kompatible Größen angeboten.

Fazit: Die beste Anfahrhilfe liefert eine hohe Traktion, ist robust und lässt sich leicht montieren. Zusätzlich kann sie auch bei Sand oder Matsch Haftung geben und ist für alle Reifengrößen geeignet.

anfahrhile montage anleitung

4. Wie funktioniert die Montage und Demontage einer Anfahrhilfe?

4.1. Rampen müssen richtig platziert werden

Manche Rampen, wie die von WawaAuto, haben zwei unterschiedliche Seiten, wobei die oben liegende Seite eine eher schwer lesbare Markierung hat.

Wenn Sie die Rampe falsch herum anbringen, wird die Anfahrhilfe im Matsch beim Losfahren einfach weggeschleudert und geht gegebenenfalls verloren oder kann umliegende Gegenstände oder Personen schädigen.

Achten Sie daher unbedingt darauf, dass Sie die Rampe richtig herum anbringen.

Bei Anfahrhilfen mit Spikes oder aus Textil sollten Sie sich am besten schon vor der Fahrt mit dem Gebrauch vertraut machen, denn wer steht im Winter schon gerne in der Kälte und liest die Montageanleitung.

4.2. Geben Sie nur vorsichtig Gas und fahren Sie nicht zu schnell

Wenn Sie nach Anbringung der Anfahrhilfe Vollgas geben, kann es sein, dass Sie die Anfahrhilfe beschädigen. Denn sobald die Reifen Bodenhaftung haben, wird die Kraft über die Anfahrhilfe auf den Boden übertragen.

Kombiniert mit dem Gewicht, das schon auf der Anfahrhilfe lastet, kann das dazu führen, dass die Fixierung der Anfahrtshilfe bricht oder reißt, und die Anfahrhilfe im Extremfall defekt ist. Daher sollten Sie lieber vorsichtig Gas geben. Diese Hinweise gelten auch für LKW-Anfahrhilfen.

5. Fragen und Antworten rund um das Thema Anfahrhilfe

Hier haben wir für Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu Anfahrhilfen zusammengefasst.

5.1. Wie schnell können Sie mit Anfahrhilfen fahren?

textilschneekette geschwindigkeit

Mit Schneeketten dürfen Sie maximal 50 km/h fahren.

Generell gilt es, zwischen Textilschneeketten bzw. Spikes und reinen Anfahrhilfen zu unterscheiden.

Mit angelegten Anfahrhilfen sollten Sie nur Schrittgeschwindigkeit fahren, da sonst die Anfahrhilfe aufgrund der Belastung brechen oder wegrutschen kann.

Mit Textilschneeketten dürfen Sie, wie mit Metallschneeketten auch, maximal 50 km/h fahren. Allerdings sollten Sie beachten, dass Sie gerade bei sehr eisigen oder verschneiten Straßen langsamer fahren sollten.

Zwar verbessern die Schneeketten die Haftung, allerdings verlängert sich der Bremsweg durch Schnee schon bei 50 km/h um das Dreifache. Bei Eis müssen Sie sogar mit einem bis zu siebenmal so langen Bremsweg rechnen.

5.2. Was können Sie tun, wenn Sie trotzdem steckenbleiben?

Natürlich kann selbst die beste Anfahrhilfe nicht immer sofort helfen. Falls Sie trotz Anfahrhilfe steckenbleiben, können Sie versuchen, im zweiten Gang zu anfahren.

Hilft das auch nicht, können Sie Folgendes probieren: Durch abwechselndes Gasgeben und Auskuppeln bringen Sie das Auto zum Wippen. Oftmals reichen wenige Zentimeter, um wieder Bodenhaftung zu bekommen. Haben Sie genug Schwung, können die Räder wieder greifen und Sie können weiterfahren.

Am besten funktioniert diese Herangehensweise, wenn eine zweite Person den PKW im richtigen Moment zusätzlich anschiebt.

5.3. Welche Anfahrhilfe empfiehlt Stiftung Warentest?

Stiftung Warentest hatte in der Ausgabe 11/2004 Schneeketten im Test. Zwar wurden neben konventionellen Schneeketten auch Anfahrhilfen getestet, allerdings kein eigener Anfahrhilfen-Testsieger gekrönt. Der Test ist jedoch als veraltet anzusehen, mittlerweile sind die Anfahrhilfen technologisch weiterentwickelt worden.

adac anfahrhilfe

Auch der ADAC hat Anfahrhilfen getestet.

Der ADAC dagegen hat einen etwas aktuelleren Test von 2011. Hierbei schnitt die Schneekette Pewag Servo am besten ab. Allerdings wurden Schneeketten und Anfahrhilfen im Test nicht getrennt getestet.

Da die Nutzung hier auf Schnee und Eis beschränkt war und Matsch oder Sand nicht getestet wurden, lässt sich hier auch kein klarer Anfahrhilfen-Testsieger bestimmen.