Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Reiserücktrittversicherung ist sinnvoll, wenn man lange im Voraus bucht, die Reise teuer ist oder das Stornorisiko erhöht ist, etwa bei Familien. Der Reiseabbruch-Schutz ist für einen geringen Aufpreis im Tarif enthalten.
  • Wenn Sie die Police gemeinsam mit Ihrem Flug buchen oder beim Reiseveranstalter abschließen, zahlen Sie höhere Prämien und/oder im Versicherungsfall eine Selbstbeteiligung.
  • Häufig lohnt sich bereits für einen Urlaub die ganzjährige Reiserücktrittsversicherung, wenn die Reisekosten mindestens 3.000 Euro betragen.

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Laut einer Umfrage der ForwardAdGroup aus dem Jahr 2016 schließen fast 50 % der Urlauber für ihre Reisen eine Reiserücktrittsversicherung ab.

Die Beliebtheit dieser Police ist nicht verwunderlich: Zum einen animieren Reiseveranstalter und Fluglinien bei der Buchung dazu, sich gleich noch schnell gegen etwaige Stornokosten abzusichern. Zum anderen ist die Reiserücktrittsversicherung in einigen Fällen wirklich sinnvoll – wenn auch nicht so unentbehrlich wie eine Reisekrankenversicherung.

Müssen Sie Ihre Kreuzfahrt oder eine andere teure Reise kurzfristig absagen, bleiben Sie ohne Versicherungsschutz oftmals auf Kosten im vierstelligen Bereich sitzen. Besonders wichtig ist die Stornoversicherung u.a. auch für Personen mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Eltern sowie für Senioren.

Wie Sie einen Tarif mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis finden und worauf Sie vor und nach dem Versicherungsabschluss achten müssen, erläutert unser Vergleich der Reiserücktrittsversicherungen für 2020.

1. Welche Kosten können ohne Versicherung auf einen zukommen?

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Pauschalreisen dürfen bis zum Reisebeginn auf eine Ersatzperson umgebucht werden. Allerdings können hierfür erhebliche Mehrkosten entstehen.

Sollten Sie einmal Ihren Urlaub stornieren müssen, berechnet Ihnen der Reiseveranstalter dafür Gebühren nach der sogenannten Stornostaffel des Reisevertrages. Je kurzfristiger eine Reise storniert wird, desto höher fällt der Stornosatz aus.

Sagen Sie die Reise länger als einen Monat im Voraus ab, kostet das in der Regel 20 % des ursprünglichen Reisepreises, zwei bis eine Woche vorher sind es häufig 65 bis 80 %. Am Tag davor können es aber auch schon 90 % des eigentlichen Reisepreises sein.

Stornokosten vorbeugen: Über einige Hotelportale wie booking.com und hotel.de können Sie Hotelzimmer reservieren, die sich bis wenige Tage vor Reiseantritt gebührenfrei stornieren lassen. Dafür wird manchmal ein kleiner Aufpreis fällig.

Wer einen Flug storniert, muss hartnäckig sein, um von der Fluggesellschaft den angemessenen Betrag wieder zurückzubekommen. Denn es dürfen eigentlich nur die Kosten in Rechnung gestellt werden, die tatsächlich angefallen sind. Steuern, Gebühren sowie die nicht angefallenen Ausgaben für Verpflegung stehen Ihnen mindestens zu.

Weit weniger darf der Rücktritt vom Flug kosten, wenn bspw. der Flug überbucht ist oder das Ticket weiterverkauft wurde. Sie haben Anspruch auf einen Kostennachweis, den die Fluggesellschaften aber gewöhnlicherweise nicht von sich aus erbringen. Regelungen der Airlines, die besagen, dass Stornierungen nicht möglich seien, sind unwirksam. (Mehr zum Thema Flugstornierung erklärt die Verbraucherzentrale Brandenburg.)

Brechen Sie Ihre Reise vorzeitig ab, bleiben Sie ohne Versicherungsschutz auf den Stornogebühren für den Rückflug sowie weitestgehend auf den Unterkunftskosten für die verbliebenen Urlaubstage sitzen. Ebenso müssen Sie für eine ungeplante Aufenthaltsverlängerung selbst die Kosten tragen. Daher ist eine Reiseversicherung sinnvoll, deren Schutz nicht mit dem Reiseantritt endet.

2. Welche Risiken sind abgesichert?

Eine Reiserücktrittskostenversicherung übernimmt bei Nichtantritt der Reise die Stornogebühren – vorausgesetzt, Sie können die Reise aus einem Grund nicht antreten, der durch die Versicherung abgedeckt ist.

2.1. Wichtigste Leistungsfälle: Schwere Erkrankungen und Unfälle

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Quelle: forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt, 2013.

Laut einer forsa-Umfrage von 2013 sind Krankheit und Unfall für 69 % der Urlaubsstornierungen ursächlich. Diese Ereignisse sind genau wie Komplikationen bei der Schwangerschaft sowie der Tod eines Mitreisenden, eines Angehörigen oder des Lebenspartners bei allen Tarifen versichert – mit bestimmten Einschränkungen.

Ab wann eine Krankheit schwer ist, erklären viele Versicherungen nur vage. Die BarmeniaDirekt formuliert das so: „[…]eine unerwartete schwere Erkrankung liegt vor, wenn aus dem stabilen Zustand des Wohlbefindens und der Reisefähigkeit heraus konkrete Krankheitssymptome auftreten, die dem Reiseantritt entgegenstehen und Anlass zur Stornierung geben.“

Dagegen akzeptiert bspw. die Allianz eine Erkrankung als schwer, wenn die Reiseunfähigkeit ärztlich attestiert wurde oder, im Falle einer seelischen Erkrankung, ein Attest vom Psychiater vorliegt oder eine Psychotherapie genehmigt wurde.

Viele Versicherungen halten sich die Option offen, selbst einen Arzt zu beauftragen, der die Reiseunfähigkeit bestätigen soll.

Hinweis: Verschlimmert sich eine bestehende Krankheit unerwartet, ist das nur dann ein Leistungsgrund, wenn die Krankheit im vergangenen halben Jahr nicht behandelt wurde, Kontrolluntersuchungen sind davon ausgenommen. Tritt eine psychische Erkrankung schubweise auf, gilt sie aber in der Regel auch nach längerer Behandlungspause nicht als unerwartet.

Der Versicherungsschutz greift auch dann, wenn den sogenannten Risikopersonen etwas zustößt. Dazu zählen Ihre nahen Angehörigen und Personen, die Ihre Kinder oder Eltern betreuen bzw. pflegen.

Zu weiteren versicherten gesundheitlichen Gründen gehören u.a. eine Organspende, der Bruch von Prothesen, die Lockerung von Gelenkimplantaten sowie eine Impfunverträglichkeit.

2.2. Prüfungen und Jobwechsel

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Treten Sie von der Reise zurück, weil Sie wegen Schulungen oder betrieblichen Maßnahmen in diesem Zeitraum keinen Urlaub nehmen können, leisten die Versicherungen nicht.

Weitere Rücktrittsgründe drehen sich rund um das Thema Beschäftigung. So ist beispielsweise der Reiserücktritt aufgrund einer betriebsbedingten Kündigung oder wegen der unerwarteten Aufnahme eines neuen Jobs bei den meisten Versicherungsgesellschaften versichert. Der Urlaub muss dabei in die Probezeit der neuen Anstellung fallen, damit der Versicherungsschutz greift.

Haben Sie eine Prüfung Ihres Studiums oder Ihrer Ausbildung in den Sand gesetzt und fällt die Wiederholungsklausur in den Urlaubszeitraum, übernehmen die Assekuranzen ebenfalls die Stornokosten.

Dies gilt aber nur, wenn sich durch einen späteren Wiederholungstermin der Abschluss der Schule, der Ausbildung oder des Studiums nach hinten verschieben würde. Einige zahlen auch, wenn die Prüfung spätestens zwei Wochen nach dem Urlaubsende stattfindet.

2.3. Weitere Leistungsgründe

Weitere Ereignisse, die zum Leistungsfall führen können, sind:

  • unerwartete Vorladung zu einem Gerichtstermin
  • erheblicher Schaden am Eigentum durch eine Straftat Dritter, Feuer, Rohrbruch oder Elementarereignisse
  • konkrete und plötzliche Terrorgefahr
  • Scheidungsklage oder Scheidungsantrag bei Reisen mit dem Ehepartner
  • schwere Erkrankung/schwerer Unfall eines mitreisenden Hundes
  • Kurzarbeit

2.4. Typische Ausschlüsse

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Reisen, die mehr als 10.000 bzw. 15.000 Euro kosten, können bei den Anbietern in unserem Vergleich nicht versichert werden.

Grundsätzlich müssen die Assekuranzen keine Reisekosten ersetzten, wenn Sie während dem Abschluss der Versicherung schon mit einer Stornierung rechnen konnten.

Entscheidend ist laut Bundesgerichtshof auch die subjektive Einschätzung des Versicherten. Hatte bspw. ein Versicherter mit Vorerkrankungen von seinem Arzt gesagt bekommen, dass er reisefähig ist und muss er später aus gesundheitlichen Gründen doch den Urlaub stornieren, handelt es sich um eine unerwartete Verschlechterung der Krankheit – auch wenn diese nach allgemeiner Ansicht der Ärzteschaft nicht plötzlich kam. In einem solchen Fall muss allerdings mit Widerstand seitens der Versicherung gerechnet werden.

Außerdem zahlen die Versicherungen nichts, wenn Sie wegen höherer Gewalt Ihre Reise nicht antreten können, etwa wegen einer Naturkatastrophe, Gefahren durch Kernenergie oder Pandemien, Streiks sowie durch Unruhen. Hat das Auswärtige Amt deshalb eine Reisewarnung ausgesprochen, muss die Stornierung in der Regel sowieso kostenfrei sein.

Hinweis: Die Versicherungen leisten grundsätzlich nur, wenn das eingetretene Ereignis die Reise unzumutbar macht.

3. Gibt es die Reiseabbruchversicherung günstig dazu?

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Auch beim Reiseabbruch-Schutz gilt, dass die versicherten Ereignisse unerwartet eingetreten sein müssen, damit die Versicherung zahlt.

Mit der Reiseabbruchversicherung, auch gerne Urlaubsgarantie genannt, wird zusätzlich der Zeitraum zwischen Reiseantritt und Reiseende abgesichert. Dieser Zusatz ist sinnvoll und verteuert die Police um höchstens 20 %. Bei einem Reisewert von 2.000 € ist die reine Rücktrittversicherung nicht einmal zehn Euro billiger als die Versicherung mit Reiseabbruch-Schutz beim gleichen Anbieter.

Wenn die Reise z.B. wegen der Erkrankung eines Familienmitgliedes abgebrochen werden muss, erstattet der Versicherer innerhalb des Urlaubsgarantie-Schutzes zusätzliche Rückreisekosten und nicht in Anspruch genommene Reiseleistungen wie übrige Hotelübernachtungen.

Die Ereignisse, welche durch den Reiseabbruch-Schutz versichert sind, gehören auch alle zu den Leistungsgründen für einen Reiserücktritt. Allerdings ist der Leistungsumfang der Reiseabbruchversicherungen insgesamt geringer, so ist z. B. seltener der Antritt einer neuen Stelle versichert.

Ein wesentlicher Teil der Reiseabbruchversicherung ist zudem die Leistung bei notgedrungen verlängertem Aufenthalt am Reiseort. Wird die Region bspw. überschwemmt oder anderweitig von Naturgewalten heimgesucht und können Sie deshalb nicht sicher in Ihre Heimat zurück, übernehmen die Versicherer die Mehrkosten für die Aufenthaltsverlängerung. Fast alle Reiseversicherer zahlen auch dann, wenn Sie wegen Ihrer Erkrankung oder der eines Mitreisenden länger vor Ort bleiben müssen.

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4. Worauf sollte vor und nach Vertragsabschluss geachtet werden?

4.1. Wann sollte eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen werden?

Eine Reiserücktrittsversicherung kann im Normalfall noch bis zu 30 Tage vor Reisebeginn abgeschlossen werden.

Buchen Sie kurzfristig eine Reise, die in weniger als einem Monat beginnt, muss der Abschluss der Versicherung bei allen Assekuranzen zeitnah nach der Reisebuchung erfolgen.

4.2. Wenden Sie sich vor der Reiseabsage an die Versicherung

Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, ob Sie von einer Reise überhaupt zurücktreten sollen, fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach: Ist es sinnvoll, noch etwas abzuwarten oder sollen Sie besser gleich zurücktreten? Klären Sie am besten auch ab, ob die Ursache für den Rücktrittswunsch auch wirklich versichert ist. Atteste, welche Ihre Reiseunfähigkeit bescheinigen, müssen vor der Stornierung eingeholt werden.

4.3. Schieben Sie die Stornierung nicht auf

Möchten Sie von Ihrer Reise zurücktreten und ist der Grund dafür auch versichert, sollten Sie die Stornierung nicht aufschieben.

Denn wird die Stornierung durch Ihr Zögern teurer, zahlt Ihnen die Versicherung nur den Betrag, der angefallen wäre, wenn Sie gleich nach Kenntnisnahme des Grundes storniert hätten.

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5. Hohe Flexibilität mit der Jahresreiseversicherung

Viele Reiserücktrittversicherungen können auch für das ganze Jahr abgeschlossen werden. Sie gelten für beliebig viele Reisen im Jahr, die jeweils maximal zwischen 30 und 50 Tagen andauern dürfen. Mit den Jahrestarifen sind auch spontane Reisen versichert und Familien haben den Vorteil, dass der Schutz auch dann gilt, wenn ein Familienmitglied alleine verreist.

Die Leistungsfälle unterscheiden sich nicht von denen bei Einzelreisen-Versicherungen.

Für Singles, die günstig verreisen, lohnen sich ganzjährige Versicherungen nicht. Eine Jahresversicherung für Singles mit einem Versicherungswert von 1.000 Euro ist häufig doppelt so teuer wie eine Einzelversicherung für eine Reise im Wert von 500 Euro.

Für einen Versicherungswert von weniger als 1.000 Euro wird eine Jahresversicherung zudem gar nicht angeboten. Paare und Familien können in der Regel nur solche Jahresversicherungen abschließen, die mindestens 2.000 oder 3.000 Euro Reisekosten versichern.

Geben Sie weniger als 3.000 Euro im Jahr für Reisen aus, überprüfen Sie besser, ob nicht eine Versicherung für eine Einzelreise ausreicht.

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6. Weitere Reiseversicherungen

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Wertsachen gehören nicht oder nur eingeschränkt zum Schutz der Gepäckversicherung.

Von der Reisegepäckversicherung, die in den meisten Fällen zum Rundum-Schutz der Versicherungen dazugehört, darf man nicht allzu viel erwarten. Die Versicherten müssen bei dem Transport und der Aufbewahrung ihrer Sachen sehr viel beachten, damit der Schutz der Reisegepäckversicherung überhaupt greift. Das Gepäck darf fast nicht aus dem Auge gelassen werden. Sollte Ihr aufgegebener Koffer am Ankunftflughafen nicht mehr auftauchen, muss die Fluggesellschaft ohnehin haften. Wird etwas aus dem Hotelzimmer geklaut, kommt Ihre Hausratversicherung für einen Teil des Schadens auf.

Eine private Haftpflichtversicherung ist zwar die wichtigste freiwillige Police überhaupt, doch für Auslandsaufenthalte benötigen Sie keine Zusatzversicherung. Der Schutz der gewöhnlichen privaten Haftpflichtversicherungen gilt weltweit.

Eine Reiseunfallversicherung übernimmt etwaige Bergungskosten und zahlt eine vorab vereinbarte Versicherungssumme aus, wenn Sie wegen eines Unfalls dauerhaft arbeitsunfähig werden bzw. eine Behinderung davontragen. Haben Sie bereits eine private Unfallversicherung, dann gilt diese auch im Urlaub. Deutlich umfangreicher ist aber sowieso der Invaliditätsschutz einer Berufsunfähigkeitsversicherung, der ebenfalls auch auf Reisen gilt.