Das Wichtigste in Kürze
  • Drohnen etablieren sich zunehmend im Freizeitsegment und bieten dort immer mehr Möglichkeiten. Mit FPV-Brillen können Sie quasi ins Cockpit der Drohne einsteigen und das Fluggerät aus dessen Augen lenken.
  • Dabei ist die Bildqualität nicht überragend, weil es bei der Übertragung auf eine hohe Geschwindigkeit ankommt. Dennoch ist das gelieferte Bild gut genug, dass es mittlerweile Wettkämpfe mit FPV-Racern gibt, bei denen es spezielle Parcours so schnell wie möglich zu durchfliegen gilt.
  • Damit die Bildqualität nicht nutzerbedingt zusätzlich leidet, sind einige Modelle auch für Brillenträger geeignet. So entgeht Ihnen beim Fliegen der Drohne mit FPV-Brille nichts.

FPV-Brille Test

Ein Produkt – Viele Namen

FPV ist eine Abkürzung für die englische Bezeichnung First Person View, also die Sicht aus Perspektive der ersten Person oder freier und griffiger übersetzt: die Cockpit-Perspektive.

Neben dem Begriff FPV-Brille können Sie vor allem im Internet auch Produktnamen wie FPV-Videobrillen oder – wiederum aus dem Englischen – FPV-Goggles finden.

Spektakuläre Aufnahmen oder der Adrenalin-Kick beim Racing: Drohnen sind längst kein Nischenprodukt für Technikbegeisterte mehr, sondern finden dank der attraktiven Anwendungsmöglichkeiten immer mehr Fans in der breiten Bevölkerung. Noch nicht so etabliert, dafür umso spektakulärer und amüsanter, sind die sogenannten FPV-Brillen, mit denen Drohnen wie Quadrocopter, aber auch Landfahrzeuge wie ferngesteuerte Rennwagen aus der Cockpit-Perspektive gesteuert werden können. Das per Kamera aufgenommene Bild wird direkt in die Brille übertragen, durch die wir dann eine Sicht haben, als säßen wir in der Drohne.

Der Markt ist sehr lebendig, ständig kommen neue Geräte mit technischen Verbesserungen oder Neuerungen heraus. Wir haben deshalb unseren FPV-Brillen-Vergleich 2020 durchgeführt, in dem wir Ihnen die aktuell besten FPV-Brillen vorstellen. In der Kaufberatung klären wir Sie zudem unter anderem darüber auf, warum die Auflösung der FPV-Videobrillen oftmals nicht besonders hoch ist, warum Sie auf die Verstellbarkeit des Pupillenabstands achten sollten und wie die gesetzliche Lage beim Einsatz der Brillen aussieht.

fpv-brille-vergleich

Die Welt durch die Augen einer Drohne sehen, bedeutet: Spektakuläre Bilder in Echtzeit erleben.

1. Der Bildschirm: Ist eine Auflösung von 800 x 600 gut?

Was auf den ersten Blick irritierend wirken mag, lässt sich leicht erklären. Die Brille ist der FPV-Empfänger, sie fängt das Signal auf, das von der Drohnenkamera ausgeht. Da schon handelsübliche Renndrohnen mit ungefähr 100 bis 150 km/h unterwegs sind, müssen Sie als Pilot also schnellstmöglich mit den Bildern versorgt werden, die die Kamera einfängt.

Dies geht nach heutigem technologischen Stand noch immer am schnellsten, wenn das FPV-System das Signal analog überträgt. Dadurch kann wiederum keine erstklassige Bildauflösung gewährleistet werden, sodass eine Auflösung von 800 x 600 schon als sehr gut, alles darüber hinaus als hervorragend zu betrachten ist.

Selbst eine Auflösung von 720 x 540 ist noch als gut einzustufen. Zum Vergleich: Manch ein Fernseher ist mittlerweile mit einer Auflösung von 4.096 x 2.160 (4K) gesegnet. Selbst einfachere Fernseher bewegen sich mit 3.840 x 2.160 (Ultra-HD) oder 1.920 x 1.080 Pixeln in anderen Sphären.

Ein Bildspektakel kann also beim FPV-Fliegen nicht erwartet werden, dies ist jedoch nachvollziehbar, wenn wir bedenken, dass wir dafür mit Autobahngeschwindigkeit fliegende Drohnen in Echtzeit lenken und dabei „durch ihre Augen“ schauen können.

FPV-Goggles Test

Die Auflösung von FPV-Brillen ist in der Regel nicht herausragend – und liefert trotzdem nicht nur grobe Pixel.

2. Die Akkulaufzeit: Ist in der Regel nach zwei Stunden Schluss?

Wenn Sie Ihre Renn-Drohne mit Brille fliegen, müssen Sie sich eigentlich keine Sorgen machen, dass Sie Ihr Fluggerät plötzlich im Blindflug landen müssen. Die Akkulaufzeit der schwächeren Geräte beträgt schon eine Stunde, Standard ist sogar eine Laufzeit von zwei Stunden. So ist es beispielsweise auch bei der sehr guten und beliebten Fatshark-Brille-FSV1076 der Fall.

Bedenkt man, dass sich ein gewöhnlicher Quadrocopter, also eine Drohne mit vier Propellern, in der Regel maximal eine halbe Stunde in der Luft halten kann, erscheinen zwei Stunden bereits als deutlich zu viel Leistung.

Doch FPV-Racer sind einfallsreich: So sind nicht selten ein oder mehrere Ersatzakkus für die FPV-Drohne im Gepäck, wodurch die Drohne nach dem Akku-Wechsel länger geflogen werden kann. Schnell können so zwei oder drei Stunden Akkulaufzeit bei der Brille mit Kamera-Live-Übertragung wieder sinnvoll erscheinen.

Auch bei der Drohnen-Brille lässt sich der Trick mit dem Zweit-Akku natürlich anwenden und die Laufzeit so verlängern.

Möchten Sie sich den Zusatzaufwand hinsichtlich Transport und Kosten sparen, empfehlen wir jedoch einfach ein Gerät mit möglichst langer Laufzeit. Spitzenmodelle können es hier auf bis zu sechs Stunden bringen.

FPV-Brille Akku

Blinde Notlandungen mit dem Quadrocopter sind dank ausreichender Akkulaufzeit der FPV-Brillen glücklicherweise nicht oft nötig.

3. Die Anpassungsfähigkeit: Lässt sich nur etwa jede zweite Brille optimal an den Nutzer anpassen?

Sie haben bereits Erfahrungen mit Brillen verschiedener Marken und Herstellern wie zum Beispiel Fatshark gemacht? Nicht immer sitzt die FPV-Brille so, wie sie soll und was zunächst nur eine Kleinigkeit ist, kann nach einer halben Stunde zu einem unangenehmen Druckgefühl oder Schmerzen führen. Auch Urlauber, die mal mit einer nicht optimal passenden Taucher- oder Schnorchelbrille unterwegs waren, kennen den sich langsam aufbauenden Schmerz, der die Freude an der eigentlich schönen Aktivität verringern kann.

Wenn Sie mit schlecht sitzenden Brillen schon leidvolle Erfahrungen gemacht haben, sollten Sie auf die Anpassungsfähigkeit des Produkts achten, wenn Sie sich Ihre FPV-Brille kaufen.

FPV-Goggles Vergleich

Ist die Brille gut an Ihre Augen angepasst, fliegt es sich gleich viel entspannter.

Der Clou: Auch günstige FPV-Brillen für unter 100 Euro bieten diese Möglichkeit zum Teil schon.

So lässt sich bei manchen Brillen der Pupillenabstand anpassen, wodurch Sie das Gerät perfekt an Ihren eigenen Augenabstand anpassen können. Dies macht die FPV-Goggles nicht nur bequemer, sondern verbessert auch die Sichtqualität, da die Bildschirme somit optimal vor Ihren Augen ausgerichtet sind.

Leiden Sie unter einer Sehschwäche, sollten Sie zudem Ausschau nach einer FPV-Brille für Brillenträger halten. Diese Kategorie bietet noch genügend Raum, um darunter bequem eine Brille tragen zu können.

fpv-brille-brillenträger

Brillenträger? Manche FPV-Brillen-Modelle sind so konzipiert, dass Sie Ihre Brille nicht abnehmen müssen.

4. Das Gewicht: Je länger Sie fliegen wollen, desto geringer sollte das Gewicht sein

leichte FPV-Goggles

Je leichter die Video-Brille, desto spielender der Umgang damit.

Insbesondere, wenn Sie ohnehin unter Nackenschmerzen und Verspannungen im Oberkörper leiden, sollte Ihr persönlicher FPV-Brillen-Testsieger möglichst leicht sein.

Und die Unterschiede zwischen den Geräten sind zum Teil gewaltig: Können schwerere FPV-Brillen bis zu einem Kilogramm wiegen, gibt es auch besonders leichte Brillen, die unter 200 Gramm auf die Waage bringen.

Auch abgesehen von möglichen Problemen im Nackenbereich: Möchten Sie einen halben Tag fliegen, so können sich 800 Gramm Unterschied beträchtlich bemerkbar machen.

5. Das Gesetz: Was ist bei der FPV-Drohne mit Brille überhaupt erlaubt?

Drohnen sind ein kontrovers diskutiertes Thema: Einerseits in Hinsicht auf militärische Einsätze von Kampfdrohnen, andererseits aber auch in Hinblick auf den privaten Gebrauch von kleinen Drohnen.

Wir haben Ihnen deshalb in folgender Tabelle aufgelistet, was Sie bei einer Drohne mit Videobrille dürfen und was nicht.

erlaubt verboten
+ Fliegen auf Privatgrundstück oder Modellfluggelände
+ Fliegen in Öffentlichkeit bis maximal 100 Meter Höhe
+ Fliegen über fremdem Grund bei ausdrücklicher Erlaubnis des Besitzers
- Fliegen außer Sichtweite
- Filmen von Personen und fremdem Grund ohne ausdrückliche Erlaubnis
- Fliegen über Rettungseinsätze von Polizei oder Feuerwehr
- Fliegen über Menschenmengen oder Naturschutzgebiete (Mindestabstand 100 Meter)
- Fliegen über Hauptverkehrsstraßen oder im Start-/Landebereich von Flughäfen
- Fliegen in der Nähe von Regierungs-, Polizei- oder Militärgebäuden
- Fliegen über Industrieanlagen oder Kraftwerken
Die Liste der Verbote ist lang: Wie Sie sehen, ist beim Einsatz von Drohnen deutlich mehr verboten als erlaubt. Am sichersten ist es, wenn Sie die Drohne fernab von anderen Personen und Gebäuden einsetzen – im Idealfall auf Privatgrund oder speziell dafür vorgesehenen Arealen.

Übrigens: Eine kleine Ausnahme bilden die Mini-Drohnen, die maximal 250 Gramm wiegen. Diese dürfen auch außerhalb des direkten Sichtfeldes geflogen werden – also mit einer FPV-Brille. Dafür dürfen sie allerdings eine Maximalhöhe von 30 Metern nicht überschreiten. Alle anderen Einschränkungen gelten für den Typ Mini-Drohne aber natürlich trotzdem.

sehr leichte fpv goggles

Der Einsatz von Drohnen unterliegt einigen Verboten – informieren Sie sich zuvor ausführlich.

6. Fragen und Antworten rund um das Thema FPV-Brille

6.1. Hat die Stiftung Warentest einen FPV-Brillen-Test gemacht?

Nein, bislang hat die Stiftung Warentest keinen FPV-Brillen-Test durchgeführt. Allerdings kann sie einen Drohnen-Test vorweisen, in dem sie 2017 festgestellt hat, dass nur verhältnismäßig teure Drohnen ab 1.000 Euro aufwärts vollends auf beiden Ebenen, also hinsichtlich Flugverhalten und Kamera-Qualität, überzeugen können.

6.2. Welche FPV-Brille eignet sich für Anfänger?

Es gibt keine Brillen, die sich besonders für Anfänger eignen. Generell macht es das Fliegen aber natürlich leichter, wenn sich die Brille gut an das Gesicht anpassen lässt und ein scharfes Bild übermittelt.

Sollten Sie jedoch nicht sicher sein, ob das Fliegen einer FPV-Drohne mit Kamera und Brille überhaupt das Richtige für Sie ist, so empfehlen wir, mit einem günstigen Einstiegsmodell zu starten. Für rund 60 Euro erhalten Sie bereits ordentliche Modelle und können ausprobieren, ob beispielsweise das Drohnen-Racing überhaupt etwas für Sie ist, bevor Sie mehrere hundert Euro in eine FPV-Brille investieren.