Im Alltag wird ständig gelesen, oft ohne dass es bewusst auffällt. Ob auf dem Smartphone, in Apps, bei Videos oder in digitalen Spielen: Kurze Texte begegnen uns immer wieder und sind meist schnell gelesen. Trotzdem zeigen sie, wie sehr Lesen den Alltag begleitet.

Genau daran knüpft der Weltalphabetisierungstag an. Er geht auf die UNESCO zurück: Sie rief ihn 1966 ins Leben, seit 1967 wird er jedes Jahr am 8. September weltweit begangen. Der Aktionstag soll zeigen, wie wichtig Lesen und Schreiben für Bildung, Teilhabe und einen selbstständigen Alltag sind. Gerade heute, wo digitale Inhalte oft von Bildern und Videos geprägt sind, bleibt Lesen zentral. Denn Lesen ist mehr als nur ein schneller Blick auf einen Text.

Beitragsbild zur Pressemitteilung. In der Mitte sitzt eine Frau in einem Sessel und liest auf einem E-Book-Reader, darüber steht der Schriftzug „Lesen im Alltag – Zwischen Scrollen und Schmökern“. Drum herum sind zentrale Studienergebnisse zum Lesen im Alltag zu sehen. Links oben liest ein Mann einem Kind aus einem Buch vor, daneben steht „32,3 % der Kinder wird selten oder nie vorgelesen“. Links unten steht „51 % lesen gelegentlich E-Books“. Rechts oben ist eine Frau mit Smartphone neben einem Bücherstapel zu sehen, daneben steht „29 % haben schon einmal ein über Social Media empfohlenes Buch gelesen“. Rechts unten steht „35 % greifen mind. 1x pro Woche zum gedruckten Buch“ neben einem Buchsymbol. Unten links befindet sich die Quellenangabe, unten rechts das Vergleich.org-Logo.

Digitale Medien machen Lesen zum Dauerbegleiter

Digitale Inhalte sind zunehmend bild- und videolastig. Ganz ohne Text kommen sie trotzdem selten aus. Suchergebnisse müssen eingeordnet, Nachrichten gelesen, Online-Artikel erfasst und Untertitel verstanden werden. Auch in Spielen führen kurze Hinweise durch den nächsten Schritt. Damit spielt Lesen auch dort eine Rolle, wo digitale Inhalte vor allem durch Bilder und Videos geprägt sind.

Besonders deutlich wird das bei Jugendlichen. Laut JIM-Studie 2025 bleibt das Smartphone für Zwölf- bis 19-Jährige ein zentrales Alltagsmedium; die durchschnittliche Bildschirmzeit liegt bei knapp vier Stunden täglich. Mit dem Alter steigt sie deutlich an: von unter drei Stunden bei den 12- bis 13-Jährigen auf mehr als viereinhalb Stunden bei den 18- bis 19-Jährigen.

Natürlich ist diese Zeit nicht gleich Lesezeit. Sie zeigt aber, wie selbstverständlich Jugendliche sich in digitalen Umgebungen bewegen, in denen Texte an vielen Stellen dazugehören. Oft werden sie nur kurz aufgenommen, bevor der nächste Inhalt folgt. Für längere Texte ist dagegen ein anderer Rahmen nötig: nicht sofort der nächste Impuls auf dem Display, sondern Zeit, um bei einem Text zu bleiben.

Social-Media bringt Bücher neu ins Gespräch

Gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die Bücher wieder sichtbarer machen. Die JIM-Studie 2025 zeigt zwar, dass regelmäßiges Buchlesen bei Jugendlichen mit zunehmendem Alter seltener wird – von 45 Prozent bei den 12- bis 13-Jährigen auf 27 Prozent bei den 18- bis 19-Jährigen. Über die vergangenen zehn Jahre beschreibt die Studie das regelmäßige Lesen von Büchern oder Comics insgesamt aber als weitgehend konstant.

Auch bei Erwachsenen bleibt das gedruckte Buch präsent: Laut Freizeit-Monitor 2025 greift gut jeder Dritte (35 Prozent) regelmäßig, also mindestens einmal pro Woche, zum gedruckten Buch. Soziale Netzwerke wie TikTok und Instagram sind dafür ein wichtiger Treiber. BookToker und Bookfluencer sprechen nicht nur über Geschichten und Autorinnen und Autoren, sondern setzen Bücher auch visuell in Szene: Cover, Farbschnitte, Prägungen und Illustrationen werden Teil der Präsentation. So ersetzen soziale Netzwerke das Buch nicht – im Gegenteil, sie verschaffen ihm zusätzliche Aufmerksamkeit.

Neue Impulse kommen vor allem über Empfehlungen, kurze Rezensionen oder BookTok-Trends. Laut Bitkom haben 29 Prozent der Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer schon einmal ein dort empfohlenes Buch gelesen. Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt zudem, dass Beiträge in sozialen Netzwerken dem Lesen ein moderneres Image geben.

Der Buchmarkt ergänzt dieses Bild: Kinder- und Jugendbücher bleiben mit 17,9 Prozent Umsatzanteil eine wichtige Warengruppe, auch wenn sie 2025 leicht unter dem Vorjahr lagen. Neben dem gedruckten Buch können digitale Formate den Zugang erleichtern: Rund jede zweite Person liest laut Bitkom zumindest hin und wieder E-Books, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 63 Prozent, bei Menschen ab 65 Jahren 34 Prozent. Welche Leseform passt, hängt oft davon ab, wo und wie gelesen wird. Das Smartphone ist schnell zur Hand, Tablets oder Laptops machen längere Artikel auf größeren Bildschirmen übersichtlicher, ein E-Book-Reader bündelt Bücher für unterwegs oder den Abend.

Jedem dritten Kind wird selten oder nie vorgelesen

Bei Kindern beginnt Lesen lange vor dem ersten eigenen Schulbuch. Wenn Erwachsene vorlesen, werden Wörter, Bilder und Geschichten vertraut. Aus einem Bilderbuch oder einer Geschichte entsteht so nicht nur gemeinsame Zeit, sondern auch ein früher Zugang zu Sprache und Texten.

Der Vorlesemonitor 2024 macht deutlich, dass diese Erfahrung nicht selbstverständlich ist: Bei 32,3 Prozent der Kinder zwischen einem und acht Jahren bleibt Vorlesen die Ausnahme oder findet gar nicht statt. Besonders kritisch sind laut Studie die Zeit vor der Kita und die Phase rund um den Schuleintritt, weil gerade dann wichtige Vorleseimpulse fehlen können.

Gleichzeitig bleiben Bücher im Alltag vieler Kinder präsent: Laut KIM-Studie 2024 liest knapp die Hälfte der Sechs- bis 13-Jährigen mindestens einmal pro Woche ein Buch. Vorlesen kann ein früher Einstieg in diese Welt sein: Kinder erleben Geschichten gemeinsam mit Erwachsenen und erfahren, dass Bücher und Texte zum Alltag gehören. Später entscheidet sich, ob längeres Lesen weiter einen festen Platz behält.

Wer sich für längere Lesestunden bewusst Zeit nimmt, achtet oft auch auf das passende Umfeld. Die Themenwelt „Schöne Dinge für einen entspannten Lesetag“ sammelt dafür praktische Ideen – von gutem Licht bis zu gemütlichen Begleitern für Buch, E-Book und Lesepause.

Bewusstes Lesen braucht Raum im Alltag

Zum Weltalphabetisierungstag zeigen aktuelle Studien: Lesen hat seinen Platz im Alltag nicht verloren, sondern findet heute auf vielen Wegen statt. Digitale Medien machen Lesen im Alltag allgegenwärtig, soziale Netzwerke können Bücher sichtbarer machen und Vorlesen eröffnet Kindern früh einen Zugang zu Sprache und Geschichten. Entscheidend ist nicht nur das Medium, sondern der Moment: Lesen kann nebenbei passieren – oder bewusst Zeit bekommen.

Quellenangaben:

  • BAT-Stiftung für Zukunftsfragen: Freizeit-Monitor 2025 (regelmäßiges Buchlesen; über 3.000 Befragte ab 18 Jahren): https://www.freizeitmonitor.de/2025/buch-lesen/
  • Bitkom e. V.: BookTok-/Social-Media-Umfrage 2025 (Buchtipps in sozialen Medien; 1.003 Befragte ab 16 Jahren): https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Phaenomen-BookTok-Buchtipps-in-sozialen-Medien
  • Bitkom Research: E-Book-Umfrage 2025 (digitales Lesen und E-Books; 1.003 Befragte ab 16 Jahren): https://bitkom-research.de/news/trend-zum-e-book-haelfte-der-deutschen-liest-inzwischen-digital
  • Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Buchmarkt kompakt 2025/2026 (Marktdaten zu Umsatz und Warengruppen im Buchmarkt): https://www.boersenverein.de/markt-daten/marktforschung/wirtschaftszahlen/
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: JIM-Studie 2025 (Medienverhalten Jugendlicher; 1.200 Befragte von 12 bis 19 Jahren): https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM-Studie 2024 (Medienverhalten von Kindern; 1.225 Kinder von 6 bis 13 Jahren sowie Erziehungspersonen): https://www.lfk.de/forschung/mediennutzungsstudien/kim-studie-2024
  • Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung: Vorlesemonitor 2024 (Vorleseverhalten in Familien; 815 Eltern von Kindern zwischen 1 und 8 Jahren): https://www.stiftunglesen.de/ueber-uns/newsroom/pressemitteilung-detail/vorlesemonitor-2024-jedem-dritten-kind-fehlen-praegende-vorleseerfahrungen
  • UNESCO: International Literacy Day / Weltalphabetisierungstag am 8. September: https://www.unesco.org/en/days/literacy

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