Staatsanleihen

Sind Staaten zuverlässige Schuldner?

  • Staatsanleihen gelten im Allgemeinen als sichere Kapitalanlagen, da sie direkt von einem Land oder einer staatlichen Stelle ausgegeben werden. Das Ausfallrisiko ist damit entsprechend gering.
  • Bevor Sie sich für den Kauf von bestimmten Staatsanleihen entscheiden, sollten Sie die Bonitäts-Ratings der jeweiligen Länder ansehen, um einschätzen zu können, ob der Staat, dem Sie Ihr Geld leihen wollen auch im Stande ist, seine Schulden später zurückzuzahlen.
  • Die Rendite einer Staatsanleihe spiegelt in etwa die wirtschaftliche Lage des ausgebenden Landes wieder. Je höher die Rendite ist, desto risikoreicher ist die Staatsanleihe letztlich.
  • Staatsanleihen können, wie andere Geldanlagen auch, flexibel gehandhabt werden. Wer nicht jahrelang warten möchte, bis er seine Investition wieder ausbezahlt bekommt, kann auch sogenannte Tagesanleihen erwerben.

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Ja, Staaten sind, mit wenigen Ausnahmen, sehr zuverlässig, wenn es um die Rückzahlung von Staatsanleihen geht. Sie sind daher nach wie vor eine sichere Kapitalanlage.

Allerdings ist die Rendite bei wirtschaftlich stärkeren Ländern gering bis null. Wer heute hohe Auszahlungen will, muss auch bereit dazu sein, ein Risiko einzugehen.

2. Was sind Staatsanleihen?

Anleihen bzw. Obligationen sind festverzinsliche Wertpapiere. Mit ihrem Verkauf finanzieren Länder teilweise ihren Haushalt oder überbrücken vorübergehende Engpässe, um notwendige Investitionen zu tätigen. Vereinfacht gesprochen, leihen sich die Staaten also Geld von privaten Anlegern, Banken oder anderen Staaten.

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Im Gegensatz zur Rendite von Bundesanleihen versprechen US-Bonds mit 10-jähriger Laufzeit derzeit eine Rendite von immerhin 2,3 %.

Die Kreditbedingungen bestimmen dabei die emittierenden Länder selbst, also die Anbieter der Anleihen. Meist geben die Staaten ihre Anleihen oder Bonds mit verschiedenen Laufzeiten heraus, sodass Sie sich entscheiden können, über welchen Zeitraum Sie Ihr Geld fest anlegen möchten.

Auch der Wert bei dieser Art von Wertpapieren wird vom Emittenten (Herausgeberland) im Vorfeld des Verkaufs festgelegt. Der jeweilige Staat möchte regelmäßig einen bestimmten Gesamtbetrag erzielen.

Hierzu wird der benötigte Betrag in mehrere kleine Teilsummen aufgeteilt, da im Normalfall nicht ein einzelner Kreditgeber die benötigte Summe allein aufbringen kann und somit auch normale Bürger sich an den Anleihen beteiligen können.

2.1. Die Laufzeit

Die Laufzeiten bei staatlichen Schuldverschreibungen sind höchst unterschiedlich. In der Regel werden Laufzeiten zwischen wenigen Monaten und einigen Jahrzehnten angeboten.

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Grundsätzlich gilt: Je länger die Laufzeit bei einer Staatsanleihe ist, desto höher ist die zu erwartende Rendite.

Alternativ haben Sie aber auch die Möglichkeit, die oben bereits erwähnten Tagesanleihen zu erwerben. Tagesanleihen werden von der deutschen Bundesregierung ausgegeben und sind grundsätzlich unbefristet. Zudem besitzen sie kein Kursrisiko.

Dabei wird Ihre Investition tagtäglich verzinst und ist jederzeit verfügbar. Die hinzugewonnen Zinsen und Zinseszinsen werden am Ende eines jeden Jahres in Form von neuen Anteilen ausgeschüttet.

2.2. Der Kupon

Bei Staatsanleihen mit festgelegter Laufzeit werden in regelmäßigen Abständen die dazugewonnenen Zinsen ausgezahlt. Die Höhe dieser Zinsausschüttung (auch Kupon genannt) ist bei Erwerb der Anleihe vorgegeben und wird unter anderem von der Bonität des Ausgeberlands, der Laufzeit der Anleihe, den aktuellen Zinsen am Kapitalmarkt und dem Gesamtumfang der Saatsanleihe bestimmt.

Ausgezahlt wird der Kupon normalerweise jährlich, halbjährlich oder alle Vierteljahre. 

Der Kupon ist allerdings nicht mit der Rendite zu verwechseln. Die Rendite bei einer Staatsanleihe ist im Gegensatz zum Kupon ständigen Kursschwankungen unterworfen und kann sich dementsprechend von den wiederkehrenden Zinsausschüttungen unterscheiden. So kann es passieren, dass beim Kauf einer Staatsanleihe die Rendite niedriger ist als der Kupon. Dies passiert, wenn das jeweilige Wertpapier am Anleihen-Markt mehr kostet als der eigentliche Nennwert.

2.3. Die Kurse

Die Kurse von Bundesanleihen und anderen Staatsanleihen sind häufigen Schwankungen unterworfen. Sie werden von Faktoren, wie dem aktuellen Marktzins, zum Teil dem Wechselkurs, den jeweiligen Restlaufzeiten und der Zahlungskraft der ausgebenden Staaten beeinflusst.

Generell gilt jedoch: Wenn die Zinsen am Kapitalmarkt steigen, gehen die Kurse für Staatsanleihen meist in den Keller. Ein fallender Marktzins hingegen, lässt die Kurse der Anleihen regelmäßig steigen. Ausschlaggebend hierfür sind vor allem die Politik der EZB, das allgemeine Wachstum der Wirtschaft sowie etwaige Erwartungen bezüglich einer Inflation.

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2.4. Bundesanleihen

Dabei handelt es sich um Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland. Wer Bundesanleihen kaufen oder verkaufen möchte, kann das in jeder Bank oder Sparkasse sowie bei Online-Brokern im Internet.

Die aktuellen Zinsen von Bundesanleihen finden Sie hier.

3. Wie hoch sind die Renditen bei Staatsanleihen?

Die Rendite ist entscheidend darüber, wie viel Geld Sie am Ende eines jeden Jahres aus der Investition in eine Staatsanleihe herausbekommen, wenn Sie die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit nicht weiterveräußern.

Die Höhe der jeweiligen Renditen ist nicht statisch. Das bedeutet, der Zinssatz, die Dauer der Laufzeit, der aktuelle Kurswert und der Wert der Staatsanleihe bei Rückzahlung, können die Rendite einer Anleihe verändern.

In der folgenden Übersicht sehen Sie, wie viel Rendite die verschiedenen Staatsanleihen im Vergleich nach einer Laufzeit von 10 Jahren einbringen:

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Doch sollten Sie nicht vergessen, dass eine höhere Rendite mit einem größeren Verlustrisiko verbunden ist. Je größer die angepriesene Rendite bei einer Staatsanleihe ist, desto dringender benötigt das jeweilige Land eine Geldspritze und ist entsprechend dazu bereit mehr für einen Kredit zu bezahlen.

Insofern lässt sich eine Parallele zu den Ratings von Agenturen wie Moody's oder Fitch ziehen. Deutlich erkennbar werfen Staatsanleihen aus Griechenland oder Portugal eine wesentlich höhere Rendite ab als solche aus Japan, Deutschland oder Finnland, wo die Wirtschaft im Vergleich stärker ist. Die besten Staatsanleihen müssen daher nicht zwangsläufig diejenigen mit der höchsten Rendite sein.

4. Wer sollte in Staatsanleihen investieren?

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Ob und wann der derzeitige Trend ein Ende hat und deutsche Staatsanleihen wieder eine höhere Rendite erzielen, ist derzeit noch nicht absehbar.

Sowohl Bundesobligationen als auch Staatsanleihen aus anderen Ländern sind in erster Linie langfristige Kapitalanlagen. Wegen ihrer prinzipiell eher längeren Laufzeiten können Sie daher ein sinnvoller Beitrag für die Altersvorsorge sein.

Anleger, die sich auch in Zeiten von Nullzinsen noch einen Ertrag von ihrem Geld erhoffen, sind heutzutage allerdings nicht mehr ganz so gut mit Staatsanleihen beraten wie noch vor einigen Jahren. Generell sind die zu erwartenden Renditen zum derzeitigen Zeitpunkt (Stand: Juni 2017) nicht mehr lohnenswert.

So warnt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (06/2017), dass durch das augenblicklich verstärkte Interesse an deutschen Staatsanleihen in 2017 die Renditen stark gesunken sind und bei 10-jährigen Bundesanleihen mittlerweile bei -0,003 % angelangt sind.

Eine Alternative können Staatsanleihen von anderen Ländern sein, die ebenfalls finanzstark sind, aber weniger gefragt sind als die deutschen Anleihen derzeit. Zwar bringen auch Anleihen aus Österreich oder den Niederlanden momentan keine hohen Renditen, sind mit 0,6 % bei 10-jährigen Anleihen aber wenigstens im Plus und bringen somit einen kleinen Gewinn.

Hier haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile von Staatsanleihen als Geldanlage für Sie in einer Übersicht zusammengestellt:

  • lassen sich am sekundären Anleihen-Markt weiterverkaufen
  • können jahrelang im Depot gehalten werden, ohne dass zusätzlicher Aufwand entsteht
  • grundsätzlich sicherer als Unternehmensanleihen
  • können anders als Festgeld auch vor Ende der Laufzeit weiter veräußert werden
  • derzeit nur niedrige Zinsen bei Staatsanleihen mit niedrigem Emittentenrisiko
  • Risiko bei der Auszahlung durch Staatsinsolvenz oder Schuldenmoratorium

Finanztest (06/2017) hat sich ebenfalls mit dem Thema Bundeswertpapiere und Firmenanleihen kritisch auseinandergesetzt. Das Tochtermagazin von Stiftung Warentest empfiehlt in diesem Zusammenhang, nicht all sein Geld in nur eine Anlageform allein zu investieren, sondern eine möglichst breite Streuung seiner Geldanlagen vorzunehmen. Auch Unternehmensanleihen und Bundesanleihen seien hierfür durchaus geeignet.

Bezüglich Firmenanleihen rät Stiftung Warentest zu börsennotierten Rentenindexfonds. Diese seien grundsätzlich sicherer als einzelne Unternehmensanleihen. Außerdem sollten laut dem Verbrauchermagazin möglichst keine Anleihen erworben werden, die nur mehr eine Restlaufzeit von weniger als drei Jahren haben. Bei solchen Anleihen seien die zu erwartenden Renditen in der Regel sehr niedrig und daher nicht lohnenswert.

5. Wie sind die Risiken bei Staatsanleihen?

Obwohl Staatsanleihen grundsätzlich ein hohes Maß an Sicherheit für Ihre Investoren versprechen, gibt es doch ein geringes Ausfallrisiko. Ein solches Risiko besteht beispielsweise dann, wenn das, die Staatsanleihe ausgebende Land in eine finanzielle Schieflage gerät und in der Folge von einer der großen Rating-Agenturen herabgestuft wird.

Geschieht das, tritt häufig eine Art Kettenreaktion ein, die letztlich dazu führt, dass das betroffene Land von sämtlichen Agenturen mit einer schlechteren Note versehen wird und schließlich aufgrund der negativen Bewertungen nicht mehr an neue Geldmittel gelangt.

Anhand dieser Karte sehen Sie, welche EU-Staaten momentan ein positives Rating haben und welche eher weniger Bonität besitzen:

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Die mit Abstand größte Gefahr für Ihr in Staatsanleihen investiertes Geld besteht dann, wenn das jeweilige Herausgeberland pleitegeht, also den Staatsbankrott erklärt. Um einer Inflation vorzubeugen und schlussendlich auch eine Staatsinsolvenz zu vermeiden, kauft auch die Europäische Zentralbank (EZB) zur Zeit immer wieder Euro-Staatsanleihen auf und hilft auf diese Weise der schwächelnden europäischen Wirtschaft wieder auf die Beine.

Auch ein sogenanntes Moratorium kann problematisch werden. Dabei werden weitere Schuldenzahlungen bis auf weiteres aufgeschoben, um anderweitigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Hierbei bekommen Anleger ihr Geld normalerweise aber zu einem späteren Zeitpunkt wieder.

Wer zusätzliche Risiken vermeiden möchte, sollte darauf achten, in welcher Landeswährung die Staatsanleihen ausgegeben werden, die er kaufen möchte. Erwerben Sie beispielsweise als Europäer amerikanische Bonds, müssen Sie entsprechend auch immer das Währungsrisiko bei einem Verfall des Dollars einkalkulieren. Kaufen Sie hingegen nur Staatsanleihen aus Ländern, die mit dem Euro handeln, besteht diese Gefahr nicht.

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6. Wo kann man Staatsanleihen kaufen?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, kann bei seiner Hausbank um die Ecke oder bei einem der zahlreichen Online-Broker im Netz die gewünschten Staatsanleihen kaufen.

Sie haben dabei die Wahl, ob Sie bevorzugt Anleihen kaufen möchten, die bereits seit längerer Zeit im Umlauf sind und entsprechend nicht mehr vom eigentlichen Emittenten verkauft werden und solchen, bei denen Sie quasi der Erstkäufer sind.

Sogenannte Neuemissionen, das sind Anleihen, die aktuell von einem Land ausgegeben werden, bekommen Sie für den Nennwert, also den Preis, der letztlich auf der Anleihe beziffert ist. Dieser Betrag wird nach Ablauf der Restlaufzeit von den jeweiligen Staaten auch ausgezahlt.

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Auf der Webseite der Börse Stuttgart finden Sie die wichtigsten Kurse von aktuell gehandelten Staatsanleihen.

Staatsanleihen, die hingegen bereits vergriffen sind, müssen Sie zum augenblicklich gehandelten Preis an der Börse erwerben, dem Kurswert. Dieser hängt wiederum von der Nachfrage am Markt ab und davon, in welchem Umfang die Anleihen bei der Emission ausgegeben wurden.

Je niedriger das Ausgabevolumen ist, also der einzunehmende Gesamtbetrag, desto weniger wird eine Staatsanleihe normalerweise am Markt gehandelt. Entsprechend ist auch der Verkauf einer solchen Schuldverschreibung teilweise schwieriger als der Verkauf einer Staatsanleihe, die ein besonders großes Volumen besitzt. Man spricht dabei von der sogenannten Liquidität einer Anleihe.

Beim Kauf von Anleihen berechnet die jeweilige Bank bzw. der Broker immer eine Provision für sich. Diese beträgt meist zwischen 0,5 und 0,25 % des jeweiligen Kurswertes der Anleihe. Am günstigsten sind dabei in der Regel Online-Broker oder Direktbanken, die ihr gesamtes Kundengeschäft im Internet abwickeln und oftmals auch keine Depotgebühren verlangen.

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