WWDC: Apple sieht Datenschutz jetzt als Grundrecht

Auf der Worldwide Developer`s Conference am Montag hat Apple einige Neuerungen vorgestellt. Einer der interessantesten Punkte darunter sind mit Sicherheit die neuen Bemühungen um Datenschutz. Die Kontrolle über die eigenen Daten sei ein Grundrecht hieß es. Erleben wir hier etwa einen Gesinnungswandel im großen Stil?

Tim Cook begrüßt die Gäste der WWDC 2019.

Ganz neue Töne vom Erfinder des Smartphones

Apple ist der Konzern, der das Smartphone in Mode gebracht hat. Und damit den Tracking-Wahn überhaupt erst ins Leben gerufen hat. Lange Zeit war unklar, wo die Daten-Sammelwut des Tech Giganten eigentlich endet. Doch bei Apple scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben: “Wir sehen Privatsphäre als Grundrecht an. Und dieses Grundrecht verankern wir fest in all unseren Produkten.”, sagte Chefentwickler Craig Federighi auf Apples Worldwide Developer`s Conference am Montag in Kalifornien.

Konkret: Mehr Kontrolle und Sicherheit statt Social Log Ins

Ganz ehrlich: Wie viele verschiedene Passwörter nutzen Sie?

Apple setzt da an, wo es dem Konzern selbst nicht wehtut. Nämlich bei den Diensten anderer Anbieter, die über Iphone & Co genutzt werden. So wird es ab dem neuen Smartphone Betriebssystem iOS 13 eine eigene Passwort-Funktion geben, womit die “Social Log Ins”, also das Einloggen über den Facebook- oder Google-Account in verschiedene Webdienste, abgelöst werden soll. Der Vorteil: Apple verspricht, dass man die “Private Sign-In”-Funktion selbst nicht für weiteres Datensammeln verwenden möchte. Außerdem dürfte der Dienst sicherer sein.

Bequemer Schutz vor Spam und Kontrolle von Apps

Ab iOS 13 wird der Nutzer mehr Kontrolle darüber haben, welche Apps wann Zugriff auf die Standortdaten des Nutzers haben. Es soll dann möglich sein zu regulieren, dass Apps nur dann auf diese Daten zugreifen, wenn sie aktiv genutzt werden - oder sogar nur einmalig zu einem Zeitpunkt. Außerdem schützt Apple Ihre Email-Addresse künftig effektiv vor Spam. Sie können bei jeder neuen Registrierung einfach über das Iphone Dummy-Email Adressen erstellen, die nur für diese Registrierung gelten und Emails an Ihre Haupt-Adresse weiterleiten. Wenn Sie von diesem Anbieter dann Ihre Ruhe wollen, löschen sie die Dummy-Email einfach. Das ist dann tatsächlich ein effektiver Spamschutz.

Wie man die “Datenschutz-Offensive” auch sehen könnte…

Mehr Datenschutz? Das Iphone selbst sammelt auch in Zukunft fleißig Daten.

Apple begrenzt das Datensammeln - allerdings vor allem bei der Konkurrenz. Die “Private Sign-In”-Funktion schränkt die Reichweite von Google und Facebook ein, andere Anbieter sind von der größeren Kontrolle bei den Apps betroffen. Apple selbst kann sich damit die vermeintliche Krone des Datenschutzes aufsetzen, ohne die eigenen Datenkraken auch nur im Mindesten einzuschränken. Wenn der Konzern sich auf Dauer wirklich den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer auf die Fahnen schreiben möchte, müssen überzeugendere Schritte folgen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Apps für Kinder bei Apple in Zukunft keine Drittanbieter-Werbung oder Tracker mehr enthalten dürfen. Genau darüber hat Apple auf der WWDC 19 komischerweise kein Wort verloren… ein Marketing-Clou? In jedem Fall aber erfreulich.

Quelle: consumerreports

Autor: jl
Veröffentlicht: 04.06.2019, 8:29 Uhr

Zum Autor: Johannes Siegl hat Soziologie studiert und dann im Online Marketing Fuß gefasst. Aktuell ist er als Online Marketing Manager und freier Autor in Hamburg beschäftigt.

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