Rettungsgasse mutwillig blockiert – Was läuft nur schief in Deutschland?

Die Rettungsgasse gehört zu den Basics beim Fahrunterricht, und trotzdem kriegen einige Leute sie einfach nicht auf die Kette. Da kommt mir alles hoch.

Rettungseinsatz auf der Autobahn

Ein Rettungseinsatz, wie er jeden Tag auf Deutschlands Autobahnen stattfindet.

Unfall auf der A42 bei Duisburg.

Das Autoblech hat sich verformt wie Alufolie. Eine Person ist eingeklemmt, sie kämpft mit dem Schlüsselbeinbruch und den Tränen, es schmerzt höllisch.

Die Retter rasen mit Blaulicht zur Einsatzstelle, die am Ende einer Baustelle liegt, doch die Fahrbahn ist verstopft. Viele besonnene Fahrer weichen nach rechts aus, aber einige haben nicht aufgepasst und nun kaum mehr Platz zum Manövrieren.

Feuerwehrmann auf Autobahn

Ein Feuerwehrmann muss aussteigen und unaufmerksamen Fahrern Anweisungen geben. Das kostet wertvolle Minuten!

Das wäre eigentlich schon ärgerlich genug, kann aber mal passieren. Doch es kommt noch viel dicker: Sobald sich eines der Rettungsfahrzeuge mühsam einen Weg gebahnt hat, heften sich ein paar besonders asoziale Autofahrer an seine Fersen, um schneller durch den Stau zu kommen!

Ganz vorne mit dabei: Ein dicker Mercedes-Benz.

Die Retter schimpfen in ihren Einsatzwagen, aber sie können kaum etwas unternehmen. Die Autos würden sich so oder so nicht in Luft auflösen und eine Prügelei hilft in diesem Moment auch niemandem weiter.

Mercedes hinter Feuerwehrauto

Sofort klemmt sich ein arroganter Mercedes-Fahrer hinter den Feuerwehrwagen. So schneidet er allen Rettungskräften den Weg ab, die danach noch passieren wollen.

Dabei ist die Straße durch den Unfall sowieso komplett blockiert, die Rüpel gewinnen also im besten Fall einen oder zwei Kilometer Strecke (der Stau ist ja noch jung) – und nehmen in Kauf, dass andere dafür mit Ihrem Leben bezahlen.

Denn solche absoluten Flachpfeifen blockieren nun den Weg für den nächsten Feuerwehrwagen, der kurz nach dem Rettungswagen auch noch die Rettungsgasse nutzen wollten. Dachten die wohl, dass der Arzt keine weitere Hilfe benötigt und mal schnell mit dem Skalpell die Karosserie zerschneidet, um an den Patienten zu gelangen? Oder wie in aller Welt sollte das funktionieren?

Die Zeit drängt auch deshalb, weil sich bei solchen Fällen ausgelaufenes Benzin entzünden kann und eingeklemmte Personen in ihren Autos lebendig verbrennen würden!

Fahrer blockieren Fahrstreifen

Jetzt ist endgültig dicht: Diese Idioten verhindern vorerst alle weiteren Rettungsmaßnahmen. Gut gemacht!

Nach vielen elend langen Minuten ist die beschwerliche Fahrt endlich geschafft und die Retter können das tun, wozu sie eigentlich hergekommen sind: Hilfe leisten und den Abtransport Rettungswagen vorbereiten.

Doch kaum haben sie die einen Vollidioten hinter sich gelassen, kommen auch schon die nächsten: Gaffer stellen sich kackendreist direkt neben die Unfallstelle und glotzen wie die Zoobesucher. Haben die Dumpfbacken den Schirm aufgespannt, als es Hirn geregnet hat?

Gaffer neben Unfallstelle

Der Mann rechts im Bild hat nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS an der Unfallstelle verloren. Selbst durch sein unnützes Spazierengehen erschwert er die Rettungsmaßnahmen, denn die Gesamtlage wird für die Rettungskräfte unübersichtlicher.

Die Feuerwehrleute sind wütend über die Schaulustigen:

„Die möchten am liebsten noch in die Karre reinkriechen.“

Das ist nur zu verständlich.

Was läuft nur schief in Deutschland? Warum funktionieren Dinge nicht mehr, mit denen wir jahrzehntelang gute Erfahrungen gemacht haben? Wer verhält sich in einer Notsituation so abscheulich rücksichtslos? Und wieso erlaubt der Staat, dass einige schwarze Schafe die Bemühungen aller übrigen Autofahrer zunichte machen?

Eines ist klar: Strafen brauchen die Blockierer und Gaffer kaum zu fürchten. Im Maximum(!) kostet es zwei-, dreihundert Euro, zwei lausige Pünktchen in Flensburg und wenige Wochen Fahrverbot, die man genauso gut in Teneriffa aussitzen kann. Das schreckt doch niemanden ab!

Dabei zeigen unsere europäischen Freunde, was grundsätzlich möglich wäre: Ein unerlaubtes Befahren der Rettungsgasse kostet in Österreich über ZWEITAUSEND EURO, also etwa das Zehnfache der Witzstrafe in Deutschland.

Wegen mir könnte man hierzulande auch gleich den Führerschein in Konfetti verwandeln.

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