Retour in den Mülleimer: Was die Grünen am Onlinehandel stört

Der Onlinehandel boomt, weil er den maximalen Komfort beim Einkauf verspricht. Gerade bei Klamotten wird gerne vieles anprobiert und dann zurückgeschickt, wenn es doch nicht passt. Diese Retoursendungen sind für den Konsumenten oft kostenfrei. Rücksendungen landen allerdings zu einem kleinen Teil direkt im Müll, weil es nicht rentabel wäre, sie zu überprüfen, neu zu verpacken und noch einmal zu verschicken. Wenn es nach den Grünen geht, soll damit bald Schluss sein.

Retouren gehören beim Versandhandel dazu - doch manche davon landen direkt im Müll.

Ausgangspunkt ist die Studie der Universität Bamberg

Ausgepacktes wird oft gleich wieder eingepackt.Forscher der Uni Bamberg haben unlängst eine Studie zum Umgang mit Retouren beim Onlinehandel veröffentlicht. Das Ergebnis: Jedes sechste Paket wird als Retoure zurückgeschickt. Die Forscher haben außerdem untersucht, was mit den zurückgeschickten Artikeln geschieht:

  • 79% werden erneut als A-Ware verkauft
  • 13% werden als B-Ware verkauft
  • 3% werden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet
  • 4% der zurückgeschickten Artikel landen direkt im Müll

Warum landen Retouren im Müll?

Auf den ersten Blick erscheint es paradox: Warum sollte ein Verkäufer intakte Waren aus dem eigenen Sortiment einfach entsorgen? Ganz einfach: Weil es teurer wäre. In manchen Fällen ist der Warenwert im Vergleich zum Aufwand, der beim Überprüfen und neuerlichen Verpacken der Ware entsteht, einfach zu gering. Immerhin verursacht eine Retoursendung im Schnitt Kosten von 19,51€ beim Händler, so die Studie.

Defekte Geräte dürfen Kunden oft selbst entsorgen

Die unschöne Seite der Wegwerfgesellschaft.

Aufgrund der hohen Kosten, die durch den Transport und die Verarbeitung einer Rücksendung entstehen, verzichten Händler gerne mal auf die Rücksendung und bitten Kunden, entsprechende Artikel selbst zu entsorgen. Die Händler haben dann zwar keinen richtigen Beweis dafür, dass der Artikel defekt war, sparen sich aber die Kosten des Rücktransports und der Überprüfung des Artikels. Solche Fälle tauchen in der genannten Studie leider gar nicht erst auf.

Grüne: Entsorgung von Neuware sollte verboten werden

Die Studie hat gezeigt, dass nur ein sehr geringer Teil der Retouren entsorgt wird. Bei insgesamt etwa 487 Millionen zurückgesendeten Artikeln in 2018 sind das aber trotzdem fast 20 Millionen Artikel, die neuwertig im Müll gelandet sind. Für die Grünen ist das eine empörende Perversion, die sie notfalls mit entsprechenden Gesetzen bekämpfen wollen. "Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in einem Zeitungsinterview. Ganz unrecht hat sie damit nicht: Stellen Sie sich vor, man würde in einem Kaufhaus einen Artikel in die Hand nehmen, begutachten und dann einfach in die Mülltonne werfen. Nur weil man ihn gerade nicht kaufen möchte und der Verkäufer keine Lust hat, das Produkt anderen Kunden anzubieten.

Quelle: heise

Autor: jl
Veröffentlicht: 10.06.2019, 17:20 Uhr

Zum Autor: Johannes Siegl hat Soziologie studiert und dann im Online Marketing Fuß gefasst. Aktuell ist er als Online Marketing Manager und freier Autor in Hamburg beschäftigt.

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