Lidl jubelt Käufern heimlich ein Mikrofon unter

Der “Monsieur Cuisine connect” versteht sich als günstige Alternative zum klassischen Thermomix. Dafür ist das Gerät sogar mit einem Bildschirm ausgestattet. Zwei Franzosen haben kürzlich versucht, ein Computerspiel auf dem Küchengerät zu installieren - und es gelang ihnen. Dabei stellten sie fest, dass mit dem Gerät einiges im Argen liegt. Beispielsweise wurde ein Mikrofon eingebaut, von dem Kunden nichts wissen sollen.

Smarte Geräte bringen Sicherheitslücken mit sich, die wir dort gar nicht vermuten.

Monsieur Cuisine connect vs. Thermomix

Der Grundaufbau von Thermomix & Co.

Der klassische Thermomix ist, wie sonst zum Beispiel auch “Tempo” oder “Bifi”, schon zum umgangssprachlichen Schlagwort für eine ganze Produktkategorie geworden. Als Thermomix bezeichnet man allgemein multifunktionale und weitgehend automatisierte Küchengeräte, die den Kochvorgang weitgehend erleichtern sollen. Der “Monsieur Cuisine connect” verspricht ähnliches wie der Thermomix, hat mit dem Titel aber wohl kaum Aussichten dem Begriff “Thermomix” den Rang abzulaufen. Dafür kostet er nur einen Bruchteil des Originals.

Küchengerät mit intergriertem Tablet zur Rezeptsuche

Ähnlich wie beim modernen Thermomix hat der “Monsieur Cuisine connect” ein integriertes Tablet inklusive Internetanschluss als Bedienfeld, um Rezepte und voreingestellte Kochroutinen online abrufen zu können. Damit bringen diese Küchengeräte einen nicht zu verachtende Rechenleistung mit. Die zwei französischen IT-Bastler Alexis Viguié und Adrien Albisetti kamen deshalb auf die Idee, einen alten Computerspiel-Klassiker (“Doom”) auf dem Gerät zu installieren. Ganz einfach war es nicht, aber es gelang den ambitionierten Bastlern. Das alleine zeigt bereits gewisse Sicherheitslücken im System - doch damit nicht genug.

Das gehackte Küchengerät hat ein funktionierendes Mikrofon

Tablets in der Küche sind nicht mehr unüblich - doch hier weiß der Kunde, was er hat.

Denn die Franzosen haben nicht nur das System überlistet, sondern fanden dabei gleichzeitig heraus, dass im “Monsieur Cuisine connect” nicht nur ein Bedienfeld wie bei einem Tablet verbaut ist, sondern auch das dazugehörige Mikrofon. Man kann sich an zwei Fingern abzählen, was das angreifbare System und das potenziell verfügbare Mikrofon bedeuten: Hacker wären in der Lage, in dem vermeintlich harmlosen Küchengerät Schadsoftware unterzubringen und somit über das Netz abzuhören, welche Gespräche in der Küche der Nutzer geführt werden. Der Lauschangriff auf ahnungslose Kochende ist damit in greifbarer Nähe.

Lidl wusste von dem Mikrofon

Das Mikrofon wird standardmäßig nicht verwendet und sollte, so die Verlautbarungen von Lidl, nur die Möglichkeit bieten in Zukunft mit einem Softwareupdate auch Sprachsteuerung als zusätzliche Funktion zu integrieren. Zur Erklärung: Lidl hatte den “Monsieur Cuisine connect” vorrangig verkauft. Dass den Käufern das Mikrofon einfach verschwiegen wurde ist in Zeiten von erhöhter Sensibilität bei verwandten Themen mindestens fahrlässig. In Kombination mit der offenbar angreifbaren Software auf dem Gerät ist es aber sogar mehr als das: Und zwar ein handfestes Sicherheitsrisiko für den Kunden. Man erinnere sich nur an die jüngsten Skandale um die Auswertung von Audiodaten des Amazon-Geräts “Alexa”.

Quelle: ökotest

Autor: jl
Veröffentlicht: 21.06.2019, 23:10 Uhr

Zum Autor: Johannes Siegl hat Soziologie studiert und dann im Online Marketing Fuß gefasst. Aktuell ist er als Online Marketing Manager und freier Autor in Hamburg beschäftigt.

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