#keinluxus: Tamponsteuer bringt das Fass zum Überlaufen

Angefangen hat alles mit einer Petition - und jetzt muss sich der Bundestag mit dem Thema auseinandersetzen. Denn weit mehr als die notwendigen 50.000 UnterzeichnerInnen haben die Petition zur “Tamponsteuer” unterschrieben. Im Kern geht es dabei um ein Phänomen, was auch als “pink tax” bekannt ist: Frauen zahlen für vergleichbare Produkte mehr als Männer. Hygieneartikel für Frauen sind aber nur die Spitze des Eisbergs beim deutschen Mehrwertsteuer-Wahnsinn…

Warum soll ausgerechnet bei Hygieneprodukten für Frauen die volle Mehrwertsteuer gelten?

Am Anfang war das Hashtag

Das Gruner&Jahr-Magazin „Neon“ und das Start-Up-Unternehmen „einhorn“ brachten den Stein ursprünglich ins Rollen. Schon vor Monaten haben RedakteurInnen dort zum ersten Mal zum Ausdruck gebracht, dass Tampons, Binden und Menstruationstassen nicht mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19% besteuert werden dürfen. Das Argument hat tatsächlich einiges für sich, denn um Luxusartikel handelt es sich dabei ganz bestimmt nicht. Zyklus für Zyklus sind Frauen auf diese Hygieneartikel angewiesen - ob sie wollen oder nicht.

Deutschland hinkt mal wieder hinterher

Andere Länder sind beim Thema Tampons & Co übrigens schon weiter: In Kanada, Kenia und Australien werden solche Artikel gar nicht mehr besteuert. In Frankreich und Spanien hatten ähnliche Proteste wie jetzt der in Deutschland Erfolg und die entsprechenden Steuersätze wurden gesenkt.

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Thema “pink tax”: Steuerliche Diskriminierung

Was das Thema so brisant macht ist die Tatsache, dass eben nur Frauen benachteiligt werden. Neu ist das aber nicht: Tatsächlich belegen Studien immer wieder, dass sehr oft vermeintlich “typisch weibliche” Produkte deutlich teurer sind, als “typisch männliche” Produkte. In besonders dreisten Fällen sind die Produkte sogar identisch, nur unterschiedlich eingefärbt - und bekommen dann unterschiedliche Preise. Die gleich Laptoptasche in Pink kostet mitunter mehr, als dieselbe in Schwarz. Ähnliches gilt für Friseurbesuche - und zwar unabhängig von der Haarlänge. Macht das wirklich Sinn? Oder ist das einfach nur diskriminierend?

Das eigentliche Problem ist der deutsche Steuer-Dschungel

Menstruationstassen werden immer beliebter, denn sie machen keinen Müll.

Beim Thema weibliche Hygiene ist der Fall besonders eindeutig, doch das ist längst nicht der einzige absurde Fall deutscher Willkür bei der Mehrwertsteuer. Oder können Sie nachvollziehen, warum für Sojaschnitzel eine höhere Mehrwertsteuer fällig wird, als für Schweineschnitzel? Krebsfleisch und Hotelbesuche werden ebenfalls mit nur 7% besteuert, während für Mineralwasser 19% anfallen. Was soll das? Was wurde aus dem ursprünglichen Ansatz, dass 7% für Grundbedürfnisse der Menschen gelten sollen und 19% für nicht notwendige Luxusartikel? Schätzt der Gesetzgeber das Bedürfnis nach Krebsfleisch wirklich wichtiger ein, als das nach Tampons, Binden und Menstruationstassen?

Über 80.000 Unterzeichner zwingen den Bundestag zur Debatte

Die Petition zum Thema wurde innerhalb von vier Wochen von mehr als 80.000 Menschen unterzeichnet. 50.000 sind notwendig, um den Bundestag zumindest zu einer Debatte zu dem Thema zu zwingen. Einige PolitikerInnen haben jetzt bereits klar gemacht, dass sie mit dem Steuer-Dschungel gründlich aufräumen wollen.

Quelle: deutschlandfunk

Autor: jl
Veröffentlicht: 29.05.2019, 20:25 Uhr

Zum Autor: Johannes Siegl hat Soziologie studiert und dann im Online Marketing Fuß gefasst. Aktuell ist er als Online Marketing Manager und freier Autor in Hamburg beschäftigt.

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