Inkasso-Wucher bald am Ende? Das Justizministerium will endlich handeln

Seit etlichen Jahren machen fragwürdige Inkassounternehmen mit dem Leid verschuldeter Leute gute Geschäfte. Insbesondere in Fällen, bei denen es nur um Bagatellbeträge unter 500 Euro geht, sind die Gebühren oft überzogen. Doch auch bei größeren Forderungen können die Kosten für das Inkassounternehmen viel zu hoch angesetzt sein. Über 70 Euro für einen einzigen Brief? So würde sich Unsereins auch gerne bezahlen lassen.

Inkasso-Forderungen

Welche Forderungen berechtigt sind und welche nicht, ist für Laien kaum erkennbar. Die horrenden Zuastzkosten treffen Verbraucher genauso hart wie die ursprüngliche Forderung des Stromanbieters oder Elektronikmarkts und nicht wenige landen in der Schuldenfalle, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen.

Daneben tummeln sich auch mehr und mehr Betrüger auf dem Markt, die mit gefälschten Anschreiben das schnelle Geld machen wollen. Da wird dann gerne mit der Pfändung des Lohns oder Sperrung des Bankkontos gedroht, damit der Betroffene vor Angst klein bei gibt und bezahlt.

Ein Ende schien lange Zeit nicht in Sicht, denn Jahr für Jahr kommen über 20 Millionen zusätzliche Inkasso-Vorderungen hinzu, wie der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e. V. unlängst in einer Pressemitteilung angab.

Schuldenfalle-Schild

Doch jetzt will das Justizministerium endlich handeln, heißt es in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel. Erstens sollen die Gebühren nicht mehr ganz so frei festgelegt werden dürfen, sondern an engere Vorgaben angepasst sein. So wäre der dreisten Abzocke ein Riegel vorgeschoben. Zweitens soll es mehr Transparenz geben. Das wäre wiederum ein effektiver Schlag gegen Betrüger.

Einen Gesetzentwurf möchte das Ministerium noch dieses Jahr vorstellen.

Wem das zu lange dauert, der kann sich auch jetzt schon wehren: Erhalten Sie einen Mahnbescheid, sollten Sie zunächst prüfen, ob der Sender überhaupt im Rechtsdienstleistungsregister steht. Ist dies zwar der Fall, scheinen Ihnen aber die Inkassoforderungen zu hoch, können Sie den Inkasso-Check der Verbraucherzentrale NRW e. V. ausprobieren. Nach ein paar Angaben zur Natur der Forderung bekommen Sie eine Information dazu, ob die Forderung zu hoch ist und Vordrucke für Antwortschreiben an das Inkassobüro.

Autor: gb
Veröffentlicht: 27.05.2019, 12:43 Uhr

Zum Autor: Gregor Braun studierte Geschichtswissenschaften an der Universität Erfurt, bevor er eine Karriere als Redakteur bei Vergleich.org begann. Dort informiert er über verschiedenste Themen, welche die Lebenswelt deutscher Verbraucher berühren.

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