Honor 20 und Honor 20 Pro vorgestellt: Brillante, unbrauchbare Smartphones

Am gestrigen Abend hat Huaweis Günstig-Tochter Honor ihre neuesten Smartphone-Flaggschiffe enthüllt - das Honor 20 und das Honor 20 Pro. Mit ihnen erweitert sich Honors bereits unüberschaubarer Fuhrpark an äußerlich kaum unterscheidbaren Smartphones der Einsteiger- und Mittelklasse um zwei weitere Modelle, die mit verhältnismäßig niedrigen Preisen die Oberklasse angreifen.

honor 20 pro

Für 499 bis 599 Euro in den Basisvarianten bietet Ihnen der chinesische Konzern ab Juni bzw. Juli enorm elegante Smartphones mit aktuellem Highend-Prozessor, 6 bis 8 GB Arbeitsspeicher und 128 bis 256 GB Datenspeicher - das Datenblatt unterscheidet sich kaum von 1.000-Euro-Smartphones. Erstmals will Honor mit der Honor-20-Serie aber auch auf die Oberklasse der Smartphone-Fotografie aufschließen.

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Mit bis zu 48 MP und Weitwinkel- bzw. Makro-Potenzial könnte das Honor 20 Pro ein echtes Kamera-Phone sein, das diesen Namen verdient.

Zu diesem Zweck setzt Honor auf Weitwinkel-, Makro-, und Tele-Kameras mit dreifachem optischem Zoom. Sonys neuer IMX586-Sensor liefert dabei gigantische 48 Megapixel, womit die Smartphones quantitativ selbst professionellen Spiegelreflexkameras Konkurrenz machen.

Ob die realen Ergebnisse dem beeindruckenden Datenblatt gerecht werden, muss die Praxis zeigen. Erste Tester kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wenn sich auch alle einig sind, dass die hier verbauten Kameras definitiv ein Schritt in die richtige Richtung sind.

Ein Abend großer Worte - doch nicht eines zu Huaweis größtem Problem

Für Huawei heißt es dieser Tage Schadensbegrenzung und Gesicht wahren. Dementsprechend sprach man im Zuge der Presseveranstaltung zum Marktstart über so ziemlich alles - nicht jedoch über das Mammut im Raum. Denn um es ganz klar zu sagen: Während Honor 20 und Honor 20 Pro auf dem Papier wie die idealen Smartphones für Nutzer mit hohen aber nicht überzogenen Ansprüchen erscheinen, werden sie für Millionen Smartphone-User dennoch komplett unkauf- bzw. unbrauchbar sein.

Denn die US-Regierung hatte Huawei - Honors Mutterkonzern - im Zuge des wütenden Handelskrieges mit China nur wenige Tage zuvor auf ihre Schwarze Liste gesetzt. Das macht es Google, den Hersteller des weltweit größten mobilen Betriebssystems Android, unmöglich, den chinesischen Konzern mit Software zu versorgen. Und das ist ein kolossales Problem nicht nur für Huawei / Honor, sondern mittelfristig auch für Käufer.

Die Honor-20-Modelle platzieren den Fingerabdruck-Scanner erstmals seitlich auf dem Power-Button. Das hat Vor- und Nachteile.

Im Jahr 2019 läuft Android auf praktisch allen Smartphones mit Ausnahme von Apples iPhones. Alternativen existieren schlichtweg nicht. An das Betriebssystem gekoppelt sind

  • der Zugang zu Googles App-Store namens Google Play,
  • all die Google-Dienste, die heutzutage Standards sind (Google Maps, Google Mail, YouTube etc.),
  • die Versorgung mit Software-Updates (also neuere, sich stets verbessernde Versionen des Android-Betriebssystems)
  • und letztlich auch die regelmäßigen Sicherheits-Updates, die bspw. bekanntgewordene Sicherheitslücken schließen.

Nach aktuellem Stand ist also damit zu rechnen, dass Sie mit der Honor-20-Serie brillante Smartphones kaufen würden, die aus Sicht der Software in der Gegenwart gefangen sind.

Und ein Großteil der letztlichen Nutzererfahrung rund um Smartphones ist nicht die verbaute Hardware, sondern die Software, mit der Sie täglich interagieren. Gerade in Zeiten wachsender Datenschutz- und Cyber-Security-Sensibilität sollten Sicherheits-Updates gegeben sein. Ohne diese werden Honor 20 und Honor 20 Pro brillante Smartphones bleiben, die wir von Vergleich.org leider niemandem reinen Gewissens empfehlen können.

Quelle: hihonor.com
Autor: sse
Veröffentlicht: 22.05.2019, 9:24 Uhr

Zum Autor: Stephan Serowys Weg führte ihn von den News Rooms der WELT und ZEIT Online über die Leitung des deutschen Tech-Magazins AndroidPit hin zur Rolle des Chefredakteurs von Vergleich.org.

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