Etikettenschwindel beim Grillfleisch: "Weidehaltung" führt Verbraucher in die Irre

Freilandeier, Neulandfleisch, Weiderind: Immer mehr Verbraucher möchten beim Kauf von Fleisch und anderen tierischen Produkten auf eine artgerechte Haltung der Tiere achten. Doch häufig steckt hinter den gut klingenden Aussagen nicht mehr als das geschickte Marketing der Fleischproduzenten und Supermarktketten.

Gerade bei Importware ist selten klar, was genau sich hinter den Begriffen versteckt. Die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern haben diese Thematik nun am Beispiel „Weiderind“ einmal näher untersucht.

rindfleisch

Gerade in der Grillsaison erfreut sich Rindfleisch großer Beliebtheit. Doch häufig hält die vermeintlich artgerechte „Weidehaltung“ nicht das, was sie verspricht.

Das Wichtigste zuerst: Lebensmittelrechtlich handelt es sich bei „Weiderind“, „Weidehaltung“ und auch „Weidemilch“ keineswegs um geschützte Begriffe. Das heißt, es ist gesetzlich nicht definiert, was sich hinter den Ausdrücke zu verbergen hat.

Auf Verpackungen und in Werbeprospekten werden meist lediglich vermeintlich grüne Landschaften beschrieben. Aussagen zum Zeitraum der Weidehaltung – sind die Rinder tatsächlich ganzjährig auf der Weide? –, zur Weidefläche des einzelnen Tiers sowie zur Art des Futters fehlen fast immer.

rinder in feedlotBesondere Vorsicht ist bei importierten Rindfleisch aus Übersee geboten, das mit „Weidehaltung“ beworben wird. Gerade in den letzten drei bis vier Monaten der Mast verbringen die Tiere ihre Zeit häufig nicht auf einer grünen Weide, sondern in einem sogenannten „Feedlot“ (zu Deutsch: „Fressplatz“). Dabei handelt es sich um riesige Gehege unter freiem Himmel, in denen oft zehntausende Rinder gleichzeitig mit einer Kraftfuttermischung aus Getreide und Soja gemästet werden. Statt auf grünem Gras stehen die Tiere auf Erde und Sand, teils gar in tiefem Matsch.

Positiv: Bei Weidemilchprodukten können Sie sich auf das Label „Pro Weideland“ verlassen. Dieses wurde 2017 in Deutschland eingeführt und hat feste Kriterien: Die Rinder müssen an mindestens 120 Tagen für mindestens 6 Stunden auf der Weide grasen. Pro Tier müssen dabei 1000 m² Weidefläche zur Verfügung stehen und das Futter darf keine gentechnisch veränderten Produkte enthalten.

Wenn Sie sicher gehen möchten, dass Ihr Rindfleisch von artgerecht auf der Weide gehaltenen Tieren stammt, könnten Sie so vorgehen:

  • Kaufen Sie Fleisch von regionalen Anbietern. Gerade auf Wochenmärkten und beim Verkauf ab Hof können Sie sich direkt beim Erzeuger über die Haltebedingungen erkundigen. Außerdem können Sie so den ohnehin sehr großen ökologischen Fußabdruck zumindest etwas kleiner halten. Denn zumindest der weite Transportweg entfällt.
  • Entscheiden Sie sich für Bio-Rindfleisch. Die EU-Öko-Verordnung aus dem Jahr 2008 schreibt vor, dass Bio-Rinder – wann immer wittterungsbedingt möglich – Zugang zu Weideland haben müssen, lediglich in den letzten drei Monaten ist eine Endmast im Stall erlaubt, nicht jedoch die Umstellung auf einen hohen Kraftfutteranteil oder die Unterbringung in „Feedlots“.

Quelle: Verbraucherzentrale

Autor: vw
Veröffentlicht: 05.06.2019, 9:14 uhr

Zum Autor: Nach einer akademischen Karriere in den Altertumswissenschaften hat sich Viktor Woronin mit dem Online-Bereich der Zukunft verschrieben  und informiert als Redakteur von vergleich.org über wichtige Verbraucherthemen.

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