Crowdfunding-Anbieter 2016

Die 3 besten Anbieter im Vergleich.

AbbildungExporoZinsbaustein.deFunding Circle
AnbieterExporoZinsbaustein.deFunding Circle
Testergebnis
Vergleich.org
Bewertung1,9gut
09/2016
Vergleich.org
Bewertung2,0gut
09/2016
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Bewertung2,2gut
09/2016
mögliche Kredithöhe300.000 - 2,5 Mio. Euro500 Euro - Projektziel10.000 - 150.000 Euro
Kreditlaufzeitenwird von Projekt zu Projekt individuell festgelegt (in der Regel zwischen 18 - 60 Monaten)wird von Projekt zu Projekt individuell festgelegt (höchstens 24 Monate)wird von Projekt zu Projekt individuell festgelegt (zwischen 6 und 60 Monaten)
Gebühren für Kreditnehmerwird von Projekt zu Projekt individuell festgelegt (abhängig von Immobilie, Laufzeit etc.)5 % des Kreditbetrages1,0 - 4,5 % des Kreditbetrags
Gebühren für Anlegerkeine Gebührenkeine Gebühren1,0 % vom ausgewiesenen Zinssatz
Laufzeit Kreditprojekte1 - 2 Monatebis zu 24 Monate6 Monate - 5 Jahre
Größe des AngebotsBezieht sich auf die Anzahl der gleichzeitig geförderten Kreditprojekte.klein (1 - 3 Projekte)klein (2 - 3 Projekte)klein (26)
Scoring QualitätSind die Förderprojekte seriös? Werden Qualitätskontollen seitens des Portals durchgeführt?
ServiceReagiert das Portal kompetent auf Rückfragen von Verbrauchern?
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Crowdfunding – die neue Form des Wagniskapitals

Das Wichtigste in Kürze

1. Crowdfunding und Crowdinvesting

Zweifellos ist Crowdfunding – manchmal fälschlicherweise auch „Croud funding“ oder „Crow funding“ buchstabiert – eines der erstaunlichsten Phänomene der letzten paar Jahre. Man könnte sagen, dass sich beim Crowdfunding um die Social-Media-Version des Fundraising handelt.

Crowdfunding hat seinen Ursprung in den USA, und zwar in der Kreativbranche und der Kunstszene. Mittlerweile ist dieses Konzept aber auch bei Unternehmen aus allen erdenklichen Branchen zu einem äußerst beliebten Finanzierungsmodell geworden, weil es gerade für kleine Unternehmen und Startups Zugang zu bisher unerreichbaren Geldquellen bietet. Heute gibt es sogar Projekte, die versuchen, Crowdfunding privat zu nutzen, etwa zur Finanzierung eines Studiums oder einer Ausbildung!

Auch für Anleger ist Crowdfunding zu einer interessanten Investitionsmöglichkeit geworden – man spricht in diesem Fall von Crowdinvesting. Gleichzeitig stellt es für die meisten Menschen ein recht verwirrendes Gebiet dar, weil ein so breites Spektrum an Möglichkeiten vorhanden ist.

In diesem Ratgeber erfahren Sie deshalb alles, was Sie über Crowdfunding und Crowdinvesting wissen müssen – egal ob Sie in ein spannendes Projekt investieren möchten, oder ob Sie planen, selbst ein Startup-Unternehmen zu gründen bzw. ein neues Projekt auf die Beine zu stellen.

Tipp: Wenn Sie auf der Suche nach einem Kredit von Privatpersonen sind, sollten Sie einen Blick in unseren entsprechenden Ratgeber werfen.

1.1 Das Crowdfunding-Konzept

Lange Zeit war es zur Finanzierung eines Unternehmens oder Projekts nötig, ein paar wenige Leute, etwa Investoren oder Banken, um große Geldsummen zu bitten. Heutzutage ist dies meist nicht gerade einfach, besonders weil Banken bei der Vergabe von Krediten eher zögerlich sind. Das Crowdfunding im Internet stellt diese Idee auf den Kopf: Unternehmer, Startups und Charity-Organisationen, aber auch Einzelpersonen versuchen, Tausende potenzieller Geldgeber – die „Crowd“ – davon zu überzeugen, einen kleinen Betrag beizusteuern. Je nach Crowdfunding-Plattform können die Summen unterscheidlich klein sein. Einige erlauben bereits Investments ab fünf Euro. Wenn die Crowdfunding-Kampagne gut läuft, können auf diese Weise viele tausend Unterstützer und ansehnliche Beträge zusammenkommen.

Normalerweise legt der Projektinhaber der Crowdfunding-Aktion zuvor einen Mindestbetrag fest, der in einer bestimmten, ebenfalls im Vorfeld definierten Zeitspanne erreicht werden muss. Nur dann kann das Projekt durchgeführt werden. Die Unterstützer bekommen eine Gegenleistung für ihren Einsatz: Je nach Crowdfunding-Modell (weiter unten mehr dazu) kann es sich um einen eher ideellen Gegenwert, ein kleines Geschenk oder auch eine finanzielle Beteiligung handeln.

Wird das Crowdfunding-Ziel nicht erreicht, geht das Geld bei den meisten Plattformen an die Unterstützer zurück. Es existieren jedoch auch abweichende Modelle, bei denen das Projektziel nicht unbedingt erreicht werden muss, damit der Initiator das Geld behalten darf. Bei den meisten Plattformen ist das Einstellen des Projekts selbst kostenlos; Gebühren werden erst fällig, wenn das Crowdfunding erfolgreich ist. Dann kassiert die Plattform eine Vermittlungsprovision in Höhe von meist 3 bis 10 Prozent.

1.2. Crowdinvesting

Beim Crowdintesting ist das Modell dem einer Finanzierung ähnlich: Die Investitionen werden verzinst. Unternehmen, die über eine Crowdinvesting-Plattform Risikokapital einsammeln, haben eine monatliche Ratenzahlung zu leisten. Diese wird von den Anbietern des Crowdinvestment eingezogen und an die Investoren –angepasst an deren Anteil an der Finanzierungssumme aufgeteilt. Die Investoren erhalten somit eine Rendite auf ihr Kapital, während die Kreditnehmer eine solide Grundlage für ihr Wirtschaften haben, ohne lange Bearbeitungsfristen, wie sie bei Banken üblich sind, in Kauf nehmen zu müssen.

Während bei vielen Crowdfunding-Plattformen wenige Restriktionen herrschen, sind Crowdinvestment-Portale strenger in der Auswahl der Projekte, welche in die Finanzierungsphase gelangen. Hier werden die Projekte kuratiert, d.h. eine Kommission von erfahreren Experten prüft das Unternehmen und das Projekt, bevor das Risikokapital eingesammelt werden kann.

Ist dieser Schritt getan, kann die Finanzierungsphase beginnen. Und auch in Deutschland wird das eingesammelte Risikokapital höher. Der Cloud-Anbieter Protonet stellte im Jahr 2014 sogar einen Weltrekord im Crowdfunding auf, als er innerhalb von 90 Minuten 750.000 Euro einsammelte. Dieser Meilenstein zeigt nicht zuletzt, dass die Attraktivität und Akzeptanz dieser Art der Unternehmensfinanzierung auch in Deutschland stark gewachsen ist.

2. Crowdfunding-Plattformen im Internet

Im Jahr 2015 gab es bereits über 1.250 solcher Crowdfunding-Websites, auf denen sich gemeinnützige Organisationen, Künstler, Startups und andere Projektinitiatoren um die Unterstützung der Crowd bewerben. Dieser Trend scheint auch noch keinen Abbruch zu finden. Auch in Deutschland konkurrieren zahlreiche Crowdfunding-Websites um die Gunst der Unternehmen und der Unterstützer bzw. Investoren.

2.1 Die verschiedenen Crowdfunding-Formen

Die Spanne der Finanzierungen reicht von Charity-Events ohne finanziellen Gewinn für die Spender bis hin zu rein ökonomisch ausgerichteten Projekten, bei denen es ausschließlich um die Rendite geht. Auch der goldene Mittelweg ist möglich: Einige Plattformen wie etwa Econeers, crowdEner.gy und Bettervest haben sich auf grüne Technologien spezialisiert. Hier winken den Anlegern durchaus handfeste Geldgewinne, gleichzeitig haben sie aber auch das angenehme Gefühl, in eine gute Sache zu investieren. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Finanzierung und gleichzeitig das erste Projekt auf crowdEnergy ist die 2.000 qm große Solaranlage in Ahrenshagen. 27 Investoren erwarben die Panels für insgesamt 23.000 Euro.

Crowdfunding lässt sich in vier Kategorien einteilen:

Typ Beispiele für deutschsprachige Plattformen
Spendenprojekte  betterplace Betterplace
 Social Funders Logo Socialfunders
Crowdfunding gegen Produkte oder Belohnungen  Startnext Logo Startnext
 visionbakery Visionbakery
 Dreamojo Logo Dreamojo
 100days 100days
Crowdfunding gegen Anteile  Logo Seedmatch Seedmatch
 Bergfürst Logo Bergfürst
 Companisto Logo Companisto
 Innovestment Logo Innovestment
Crowdfunding gegen Zinsen  Lendico Logo Lendico
 Ausmoney Logo Auxmoney
 Zencap Logo Zencap
 Zinsbaustein Logo Zinsbaustein
Hinweis: Nicht jedes Crowdfunding-Projekt eindeutig einer dieser Kategorien zuordnen – einige Plattformen bieten den Projekterstellern verschiedene Möglichkeiten, sich bei den Investoren erkenntlich zu zeigen.
2.1.1 Spendenprojekte

Dabei handelt es sich um Crowdfunding ohne Gegenleistung – genauer gesagt, ohne materielle Belohnung. In dieser Kategorie finden sich neben persönlichen und künstlerischen auch viele Charity-Projekte. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für eine Plattform, die sich auf Spendenprojekte spezialisiert hat, ist Betterplace. Wer sich entscheidet, ein Projekt auf einer solchen Plattform zu unterstützen, hat eine soziale oder persönliche Motivation und erwartet keinen finanziellen oder anderweitigen materiellen Gewinn. Die Vorteile der Spender sind meist rein ideeller Natur: Neben dem guten Gefühl, das Projekt ermöglicht zu haben, kann die Belohnung beispielsweise in einer namentlichen Nennung in einem Filmabspann, bzw. auf einem Album-Cover, oder sogar in einer persönlichen Dankesrede des Projektinitiators bestehen.

Schritt für mehr Seriosität: Bei Betterplace können ab dem 12. Oktober 2016 keine Organisationen, die nicht als gemeinnützig anerkannt sind, mehr für Spenden werben. Damit setzt die Plattform Richtlinien des Zahlunsdiensteaufsichtsgesetzes um.

2.1.2 Crowdfunding gegen Belohnungen oder Produkte (Reward-based Crowdfunding)

Diese häufigste Art des Crowd Fundings finden Sie etwa beim US-amerikanischen Pionier Kickstarter, der kreativen Projekten vorbehalten ist, oder bei Indiegogo, einer Plattform für alle möglichen Projekte geschäftlicher und persönlicher Natur. Ein Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum ist beispielsweise Startnext.

Die Unterstützer des Projekts erhalten im Gegenzug eine Belohnung. Bei einem Film-Crowdfunding kann es sich um ein Ticket für den Streifen handeln, zu dessen Finanzierung der Unterstützer verholfen hat. In anderen Fällen bekommen die Spender ein Exemplar der durch das Crowdfunding finanzierten Musik-CD, ein kleines Geschenk usw. Eine besonders beliebte Belohnung ist die Chance, an der Gestaltung des Produkts oder der Dienstleistung mitzuwirken.

Eines der bekanntesten Beispiele für diese Art des Crowdfunding ist die Datenbrille Oculus Rift. Das Unternehmen Oculus VR konnte die Crowd auf Kickstarter dazu bewegen, über 2,4 Millionen Dollar zu investieren. Dies entsprach einer Gesamtfinanzierung von 974 Prozent des ursprünglich geplanten Volumens. Als Facebook Im März 2014 die Firma Oculus VR für 2,3 Milliarden Dollar kaufte, sahen die Unterstützer davon jedoch keinen Cent (was verständlicherweise für lautstark geäußerten Ärger sorgte). Sie erhielten für ihre Spende – je nach Höhe – lediglich ein Dankeschön, ein limitiertes Plakat und/oder ein T-Shirt, bzw. einen oder mehrere Selbstbausätze für die Datenbrille. Wer mindestens 5.000 US-Dollar spendete, durfte sogar einen Blick hinter die Kulissen des Oculus-Lab werfen.

2.2.3 Crowdfunding gegen Zinsen (Debt Crowdfunding, Peer to Peer Lending)

Eine eher „handfeste“ Art des Crowdfunding wird von Startups und Unternehmen genutzt, um für ihre Projekte Kredite und Finanzierungen zu erhalten. Man spricht hier auch von „Debt Crowdfunding“.

Ein Beispiel ist etwa die deutsche Website Auxmoney, auf der die Mitglieder direkt investieren und voneinander Geld leihen können. Die Banken als Mittelsmänner sollen bei dieser Form des Crowdfunding (P2P Lending) wegfallen, so dass für beide Seiten –die privaten Geber der Peer-to-Peer-Kredite und die Kreditnehmer – eine Gewinnsituation entsteht. Diese Modelle können jedoch von Privatpersonen verwendet werden, um Kredite einzuwerben, die sie wegen verschiedener Umstände sonst nicht bekommen würden.

Zwar streichen die Anleger durchaus einen finanziellen Gewinn ein, genau wie bei den zuvor genannten Formen des Crowdfunding kommt aber für viele Investoren ein weiterer Vorteil hinzu: Sie tragen zum Erfolg einer Idee bei, an die sie glauben.

Mithilfe des Debt Crowdfunding können auch „klassische“ Projekte umgesetzt werden. Das Portal Zinsbaustein, welches im Juni 2016 an den Start gegangen ist, bietet Privatpersonen und Unternehmen die Möglichkeit, in Immobilienprojekte zu investieren. Die so genannten Mezzanine-Darlehnen haben eine kurze Laufzeit und werden innerhalb von 24 Monaten zurückgezahlt.

Eine besondere Form des Debt Crowdfunding sind die Mikrokredite, auch als „Social Lending“ bezeichnet. Hier wird per Crowdsourcing Geld an die Ärmsten der Armen verliehen, meist in den Entwicklungsländern. Beim Social Lending werden keine Zinsen auf das Darlehen gezahlt. Die Belohnung des Kreditgebers besteht darin, dass er zu einem wohltätigen Zweck beigetragen hat. Eine bekannte Plattform ist kiva.org.

2.3.4 Crowdfunding gegen Anteile (auch Equity Crowdfunding, Investment Crowdfunding oder Crowdinvesting genannt)

Bei Equity-Crowdfunding-Projekten, die Sie beispielsweise auf Seedmatch oder Innovestment finden, erhalten die Anleger Anteile am Unternehmen, Projekt oder geplanten Vorhaben des Initiators. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 20 Crowdinvesting-Plattformen. Wie bei anderen Arten von Anteilsgeschäften steigt auch bei diesem Schwarminvestment der Wert, wenn das Projekt erfolgreich ist, anderenfalls fällt er. Normalerweise reichen schon 100 Euro, um an einem Crowdinvesting-Projekt teilzunehmen, und es können maximal 10.000 Euro investiert werden, um eine Mehrheitsbeteiligung auszuschließen.

Die Realität ist jedoch ernüchternd: Dividenden sind selten. Außerdem ist in der Praxis ein beträchtlicher Teil der Startups zum Scheitern verurteilt – schlimmstenfalls können Sie also das gesamte investierte Geld verlieren. Ganz allgemein empfiehlt es sich (wie bei allen riskanten Investitionen), nicht mehr einzusetzen, als Sie gegebenenfalls verschmerzen können. Weiter unten in diesem Ratgeber erhalten Sie noch ausführliche Informationen über Risiken, Chancen und Vorsichtsmaßnahmen.

Eines der bekanntesten deutschen Beispiele für ein erfolgreiches Crowdinvesting ist der Kinofilm „Stromberg“, der auf der populären TV-Serie um den üblen Bürochef basiert. Seit 2011 wurde dieser Film von Crowdinvestoren mitfinanziert: Der Produzent Brainpool sammelte bei Anlegern und Fans der Serie innerhalb einer einzigen Woche eine Million Euro, wobei die Investoren Anteile zwischen 50 und 1.000 Euro erwerben konnten. Im März 2014 erreichte der Film die Gewinnzone. Die Investoren erhalten damit nicht nur ihre jeweilige Anlage in kompletter Höhe zurück, vielmehr schüttet Brainpool pro verkaufter Kinokarte auch 50 Cent an die Anleger aus. Bei zwei Millionen Euro Zuschauern würden die Investoren eine Rendite von 50% erzielen. Momentan (Mitte Oktober 2014) haben sich gut 1,3 Millionen Menschen den Film in den Kinos angesehen, womit die Rendite insgesamt ca. 16 Prozent beträgt (etwa 5,1 Prozent pro Jahr).

Beispiel:

  • Investment: 1.000 Euro
  • Ertrag (1,3 Millionen Zuschauer): 160 Euro

Wirft man auch das Risiko in die Waagschale (wäre der Film gefloppt, hätten die Investoren in die Röhre gesehen), ist das nicht gerade viel. Gleichzeitig ist „Stromberg – Der Film“ jedoch auch ein Beispiel dafür, dass die Grenzen zwischen den einzelnen Arten des Crowdfunding oft nicht ganz klar zu ziehen sind. Die Unterstützer rekrutierten sich in erster Linie aus begeisterten Fans der Stromberg-Fernsehserie und als ersten Anreiz bot der Produzent Belohnungen: Wer mindestens 50 Euro spendete, erhielt eine Urkunde und konnte sich während der Filmproduktion online in die „Investors Lounge“ einloggen, um sich über den Stand der Dinge zu informieren. Wer tiefer in die Tasche griff und 100 Euro beitrug, wurde zur Belohnung im Filmabspann genannt. Bei 1.000 Euro erschien der Name weiter oben im Abspann und es gab Tickets für die Filmpremiere.

3. Chancen und Gefahren des Crowdfunding

Der Crowdfunding-Gedanke ist verführerisch: Kleine Unternehmen, junge Startups und Einzelpersonen, die bei den großen Banken keine Chance haben, können die Kleinanleger nun direkt ansprechen.

Auch aus Sicht der Anleger bieten sich zahlreiche Vorteile: Bisher war die Investition in kleine Unternehmen sehr reichen Leuten vorbehalten. Durch das Crowdfunding-Konzept kann nun jedermann von den Vorteilen profitieren, in junge Startups zu investieren. Je nach Dicke der eigenen Geldbörse kann man mit wenigen Euro oder mit fünfstelligen Beträgen dabei sein. Manche Plattformen, etwa Companista, überlassen es dem Anleger, wie viel er mindestens investieren möchte. Die Stückelung der Unternehmensanteile ist so klein, dass eine Teilnahme bereits ab 5 Euro möglich ist.

Große Unternehmen mit ihrem immensen Bedarf an Startkapital werden neue Projekte sicherlich auch künftig auf traditionelle Weise finanzieren. Dennoch lässt sich jetzt schon sagen, dass Crowdfunding das unternehmerische Ökosystem in naher Zukunft einschneidend verändern wird – so wie zuvor bereits die Finanzierung mithilfe von Angel Investors und ähnlich innovativen Konzepte.

Allerdings ist auch Crowdfunding nicht ohne Herausforderungen und Risiken. Die folgenden Abschnitte beschäftigen sich deshalb damit, was Sie als Unterstützer bzw. Investor beachten sollten und was für Sie als Unternehmer wichtig ist.

4. Crowdfunding für Unterstützer und Investoren

Chancen nutzen und Risiken vermeiden

Chancen nutzen und Risiken vermeiden

Als Anleger können Sie Ihr Geld in Aktien, Anleihen und Investmentfonds stecken. Aber können Sie auch in Startups oder Projekte oder sogar in Menschen investieren? Dank Crowd Funding ist all das möglich geworden. Für unternehmungslustige Anleger kann dies eine große Chance darstellen, genauso aber auch für Menschen, denen es gar nicht um den finanziellen Gewinn geht, sondern um die Unterstützung eines wohltätigen Zwecks oder lediglich um die Ehre einer Nennung auf einem Albumcover.

4.1 Crowdinvesting: Welche Fallstricke sollten Sie beachten?

Für erfahrene Anleger kann Crowdinvestment eine durchaus interessante Bereicherung ihres Portfolios darstellen. Dennoch sollten Sie auch die Chancen und Risiken gegeneinander abwägen.

Fallstrick 1: Sie können Ihr ganzes Geld verlieren

Zunächst sollten Sie bedenken, dass die Anlagemöglichkeiten auf Plattformen wie Seedmatch & Co stets eine Risikoinvestition (Venture Capital) bedeuten. Auch wenn eine noch so hohe Rendite locken mag – wird das Projekt in den Sand gesetzt, verlieren Sie das komplette investierte Kapital. Falls Sie schon einmal als Business Angel tätig waren, kennen Sie es: Das in eine Einzelperson, ein neues Unternehmen oder Projekt investierte Frühphasenkapital ist stets einem hohen Risiko ausgesetzt. Fachleute wie etwa Prof. Dr. Ralph Beck von der Fachhochschule Dortmund rechnen damit, dass ein Viertel der über Crowdfunding finanzierten Projekte scheitern wird. Oft gibt es weder Regelungen zu Liquidation Preferences (also wer im Falle eines Scheitern zunächst seine Inventionssumme zurückerhält) noch zu Tag-Along-Klauseln (also dem Weiterverkaufsrecht der Anteile).

Eine gute Strategie zur Minderung (oder eher Streuung) des Risikos besteht darin, in kleinen Anteilen in verschiedene Plattformen und/oder Projekte zu investieren. Viele Anleger entscheiden sich bei dieser Vorgehensweise auch für eine bestimmte Plattform, um sich die Verwaltung des Portfolios ein wenig zu vereinfachen.

Fallstrick 2: Ohne langen Atem geht es nicht

Außerdem sollten Sie sich eine langfristige Sichtweise aneignen und keinen schnellen Return on Investment erwarten. In vielen Fällen können die Investoren erst nach drei bis sechs Jahren zum ersten Mal kündigen. Diese Ausstiegsfristen unterscheiden sich von Plattform zu Plattform. Es kann jedoch eine ganze Weile dauern, bis Startups beginnen, das große Geld zu machen. Und gerade in der Frühphase ist die Gefahr am größten, dass sie Verluste einfahren.

Auch wenn Sie auf den Crowdfunding-Plattformen mittlerweile Finanzierungsrunden etablierter Unternehmen finden, verfügen sehr viele Projektinhaber über keinerlei Kapital. Das bedeutet, dass es schwierig bis unmöglich sein kann, das investierte Geld zurückzufordern oder es in wieder in Bargeld umzuwandeln – ein Thema, das Sie bedenken sollten, wenn Sie in ein Equity-Crowfunding-Projekt investieren möchten.

Fallstrick 3: Je geringer die Risiken, desto geringer sind meist auch die Erträge

Wenn Sie es etwas sicherer mögen, sollten Sie eventuell eher einen Kredit an ein Unternehmen oder eine Privatperson vergeben, statt einen Anteil zu kaufen. Debt Crowdfunding bietet die Möglichkeit eines regelmäßigen Einkommens und einige Projekte schütten laufende Gewinne an die Anleger aus. Zwar ist das Risiko geringer – aber umgekehrt gilt dies auch für die Erträge: Diese fallen normalerweise geringer aus als bei Venture-Capital-Geschäften.

Fallstrick 4: Nehmen Sie sich vor Betrugsversuchen in Acht

Und nicht zuletzt: Überall, wo Geld den Besitzer wechselt – vor allem, wenn der Transfer online durchgeführt wird –besteht die Gefahr von Betrug. Achten Sie als Anleger und Spender darauf, sich selbst zu schützen.

Hinweis: Die großen Anbieter von Crowdfunding schützen ihre Anleger vor Betrug, indem eine eingehende Identitätsprüfung vorgenommen wird, bevor ein Projekt in die Finanzierungsphase geht.

4.2 Für Neulinge im Crowdinvestment: So trennen Sie die Spreu vom Weizen

Mittlerweile gibt es so viele Crowdfunding-Versuche, dass es vor allem unerfahrenen Investoren nicht ganz leicht fällt, aussichtslose von vielversprechenden Vorhaben zu unterscheiden.

Nachfolgend finden Sie ein paar Tipps, die Ihnen helfen können, ein passendes Projekt zu finden.

4.2.1 Finden Sie alles über das geplante Vorhaben heraus

Recherchieren Sie ausgiebig, bevor Sie investieren. Finden Sie so viel wie möglich über das geplante Projekt heraus. Informieren Sie sich über den Hintergrund des Unternehmens bzw. der Personen, die Geld von Ihnen erbitten. Wahrscheinlich ist es nicht möglich, die komplette Kredithistorie zu ermitteln, aber bestimmte Eckdaten des Unternehmens lassen sich über die IHK, das Handelsregister oder über Auskunfteien wie Creditreform leicht prüfen.

Prüfen Sie die Firmenadresse, recherchieren Sie in sozialen Netzwerken und Foren, um zu erfahren, was andere über das Unternehmen und die beteiligten Personen zu sagen haben. Geben Sie die Namen der Protagonisten in eine Suchmaschine ein, um mehr über sie herauszufinden. Falls Sie hierbei irgendwelche Ungereimtheiten – auch länger zurückliegende – feststellen, sollten Sie sehr vorsichtig sein.

4.2.2 Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Projektpräsentationen und Geschäftspläne

Jedes Unternehmen, das etwas von Ihrem Geld haben möchte, sollte ausführliche und transparente Informationen bieten und die Vor- und Nachteile für Investoren nennen können. Prüfen Sie deshalb nicht nur die Präsentation des Crowdfunding-Projekts, sondern auch die Geschäftspläne und ähnliche Unterlagen, die auf den Crowdfunding-Websites bereitgestellt werden. Wenn Sie sich mit solchen Papieren nicht auskennen, suchen Sie sich jemanden vom Fach, der sie für Sie prüfen kann.

Manchmal schaffen es jedoch auch aussichtslose Startups, durch eine professionelle Präsentation und detaillierte Businesspläne den Eindruck einer sicheren Geldanlage zu erwecken. Eine seriös aufgemachte Crowdfunding-Plattform kann dabei ein Übriges tun. Hinzu kommt, dass Crowdinvesting sich immer noch in der rechtlichen Grauzone bewegt: Die präsentierten Businesspläne sind unverbindlich und werden nicht von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin auf Plausibilität geprüft. Mittlerweile liegt zwar ein Gesetzesentwurf vor, der einen Wertpapierprospekt für Projektfinanzierungen über eine Million Euro vorsieht oder wenn Einzelanleger mehr als 10.000 Euro investieren wollen. Für kleinere Projekte ist lediglich vorgesehen, dass der Initiator ein Faltblatt mit sämtlichen Risiken und Angaben bei der BaFin hinterlegt. Eine rühmliche Ausnahme ist Bergfürst: Diese Crowdinvesting-Plattform besitzt eine BaFin-Zulassung.

All dies erleichtert die Suche nach einem passenden Projekt nicht gerade. Deshalb ein wichtiger Rat: Investieren Sie in Bekanntes. Suchen Sie sich Projekte aus Branchen, in denen Sie sich zuhause fühlen, und Nutzen Sie Ihr Know-how, um möglichst gut informierte Entscheidungen zu treffen.

4.2.3 Die Rechtsform des Startups

Gerade wenn Ihre Teilnahme am Projekt – wie so oft – in Form einer Stillen Beteiligung abgewickelt wird, sollten Sie auf die Rechtsform des Unternehmens achten. Handelt es sich lediglich um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), werden Sie es enorm schwer haben, die Beteiligung im Zweifelsfall wieder zu verkaufen. Unproblematisch sind in dieser Hinsicht KG, AG und GmbH.

4.2.4 Was passiert, wenn das Projekt floppt?

Bevor Sie in ein Crowdfunding-Projekt investieren, sollte klar sein, wann und wie Sie eine Rendite erzielen, ob Sie einen Eigenkapitalanteil, eine reguläre Dividende oder Zinszahlungen erhalten.

Auch die Risiken sollten Ihnen bekannt sein. Finden Sie heraus, ob und wie Ihr Geld geschützt ist, wenn das Unternehmen, sein Projekt oder sogar die Crowdfunding-Plattform zusammenbricht. Prüfen Sie insbesondere, ob das Unternehmen über entsprechende Geldreserven oder bestenfalls Versicherungen verfügt, falls es scheitern sollte.

5. Crowdfunding für Unternehmer und Startups

Eine Crowdfunding-Kampagne ist eine spannende, aber auch anstrengende Sache. Wenn Sie selbst planen, Kapital über ein Crowdfunding-Projekt einzusammeln, sollten Sie einkalkulieren, dass Ihnen wahrscheinlich eine hektische Zeit bevorsteht. Sie benötigen eine packende Geschichte, die den Leuten klarmacht, warum sie Sie unterstützen sollten. Fällt Ihnen hierzu nichts ein, dann dürfte Ihr Crowdfunding-Versuch fehlschlagen.

Und noch sehr viel schlimmer wäre es, wenn Sie Ihr Ziel zwar erreichen, dann aber merken, dass Sie unterschätzt haben, wie viel Geld Sie eigentlich benötigen. Sie könnten ernsthafte Probleme bekommen, wenn Sie Ihren Unterstützern im Gegenzug für die Spenden Produkte oder Vergünstigungen versprochen haben, diese Verpflichtungen aber nicht erfüllen können.

Sie brauchen gutes Videomaterial und jeden Tag Zeit, um die Community Ihrer vorhandenen und potenziellen Unterstützer zu betreuen. All das will gut geplant sein und Sie sollten sicherstellen, dass Sie über genügend Mitarbeiter verfügen, die diese Aufgaben übernehmen können.

Wenn Sie all dies nicht abschreckt, kann Crowdfunding Sie durchaus einen großen Schritt weiterbringen, weil Sie nicht mehr von den Launen einzelner Investoren oder Banker abhängig sind.

Außerdem kommen Sie mit erfolgreichem Crowdfunding nicht nur an das benötigte Geld, sondern schaffen sich auch gleich eine Kundenbasis, die das Gefühl hat, Anteil am Unternehmenserfolg zu haben. Kaum etwas schafft mehr Kundenbindung!

Allerdings muss fairerweise gesagt werden, dass Angel-Investoren und auch Banker mehr zu bieten haben als nur Geld: Sie greifen Ihnen auch beratend unter die Arme. Wenn Sie sich stattdessen an die Massen wenden, können Sie keine solche Unterstützung erwarten.

In den folgenden Abschnitten finden Sie einen Ratgeber, der Ihnen dabei hilft, Ihr eigenes Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform zu starten.

5.1 Diese beiden Fehler können Ihr Projekt zum Scheitern bringen

Erfolg und Scheitern

Viele Faktoren entscheiden beim Gründen über Erfolg oder Niederlage

Erinnern Sie sich an den Internet-Hype der Jahrtausendwende? Damals wurde oft der Eindruck vermittelt, dass man einfach nur eine E-Commerce-Site online stellen musste, um über Nacht zum Millionär zu werden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Crowdfunding. Dieses wird heute oft so dargestellt, als müssten Sie nur ein Projekt starten und schon würden auf magische Weise, Menschen aus der ganzen Welt, viele tausend Euro beisteuern und Ihnen in kürzester Zeit zu dem benötigten Startkapital verhelfen.

Mit dieser Einstellung ist Crowdfunding jedoch zum Scheitern verurteilt. Ein erfolgreiches Projekt bedeutet harte, zähe und zeitintensive Arbeit. Dieser Einsatz macht meist den ganzen Unterschied zu einem gescheiterten Versuch, online Geld zu sammeln.

Bevor Sie ein Crowdfunding-Projekt starten, sollten Sie deshalb die folgenden Abschnitte lesen. Hier erfahren Sie, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie Ihr eigenes Crowdfunding-Projekt planen.

Fehler 1: Bitten Sie nicht um mehr Geld, als Sie wirklich brauchen

Viele Crowdfunding-Projekte scheitern, weil die Kampagne auf einer Alles-oder-Nichts-Plattform veröffentlicht und die Finanzierungsziele dabei zu hoch gesteckt wurden, obwohl in Wirklichkeit auch weniger Geld genügt hätte. Rechnen Sie lieber genau aus, was Sie wirklich brauchen.

Aber auch wenn Sie – wie bei Indiegogo –die gesammelten Gelder behalten können, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreicht haben, sollten Sie nur um die wirklich notwendige Summe bitten. Der Grund ist der soziale Beweis – die Tendenz, einer Sache eher zu vertrauen, wenn andere Menschen sie ebenfalls unterstützen. Wenn Sie sich offensichtlich Ihrem Fundraising-Ziel nähern, erkennen die potenziellen Spender, dass andere Menschen bereit waren, Geld in Ihr Projekt zu investieren. Dies bietet einen starken Anreiz, ebenfalls mitzumachen.

Fehler 2: Geiz ist nicht geil

Knausern Sie nicht mit Belohnungen für Ihre Unterstützer – diese sollten immer einen echten Mehrwert im Gegenzug für ihre Investition erhalten. Es wirkt einfach billig, wenn Sie für eine Investition von 50 Euro einen Aufkleber oder einen Kugelschreiber verschenken. Passende Belohnungen müssen nicht gleichzeitig teuer sein. Werden Sie kreativ und lassen Sie sich etwas Passendes einfallen!

Im Idealfall muss die Gegenleistung Sie überhaupt nichts kosten und kann trotzdem als wertvoll wahrgenommen werden: Eine öffentliche Danksagung aus dem Mund des Projektinitiators oder – bei einem Filmprojekt – ein Tag am Set könnten passende Belohnungen sein. Obsidian Entertainment konnte für sein Computerspiel „Project Eternity“ auf Kickstarter knapp 4 Millionen US-Dollar sammeln: unter anderem mit Rewards wie einem Unterstützer-Badge in den Obsidian-Foren, sowie Download-Dateien wie einer digitalen Kopie des Spiels, dem zugehörigen Soundtrack, Desktop-Wallpapers, Klingeltönen und einem Buch im PDF-Format.

Je stärker Sie Ihre Unterstützer in den kreativen Prozess einbeziehen und je mehr Mitspracherecht sie im fertigen Projekt haben, desto besser stehen Ihre Chancen, dass Sie eine stabile und lebendige Community rund um Ihre Aktion erschaffen. Die Mitglieder werden ein Gefühl der Zugehörigkeit zu Ihrem Unternehmen empfinden – das Beste, was Ihnen passieren kann.

5.2 Diese zehn Tipps verhelfen Ihnen zu einem erfolgreichen Crowdfunding-Projekt

Tipps und Tricks

Tipps und Tricks zum Erfolg

Es gibt Tausende von Unternehmen und Menschen, die um Startkapital wetteifern. Die folgenden Tipps können Ihnen helfen, damit Ihre Idee aus der Masse der Mitbewerber heraussticht:

Tipp 1: Ihre Idee ist der Schlüssel

Wenn Ihre Idee nicht spannend klingt, wird mit Sicherheit niemand investieren. Recherchieren Sie deshalb gründlich, bevor Sie Ihre Idee der Welt vorstellen. Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Blogs und Gründer-Sites, die innovative Fundraising Ideas erläutern. Sobald Ihre Idee in trockenen Tüchern ist, erläutern Sie sie in klarer Sprache – verwenden Sie keinen Fachjargon.

Tipp 2: Seien Sie persönlich, aber seriös

Die Menschen investieren gerne in ein Team oder eine Persönlichkeit. Versuchen Sie, so engagiert und sympathisch wie möglich herüberzukommen. Denken Sie daran, dass Crowdfunding ursprünglich aus der Kreativbranche stammt. Deshalb erwarten die Investoren, dass Sie Ihre Ziele mit Leidenschaft verfolgen. Neben dieser Begeisterung sollten Sie aber auch einen seriösen Geschäftsplan präsentieren können sowie eine Erklärung, inwiefern das Geld Ihr Unternehmen oder Ihr Projekt weiterbringen wird.

Tipp 3: Stellen Sie Ihren eigenen Einsatz heraus

Kommunizieren Sie klar und deutlich, dass Ihr eigener Einsatz hoch. Es kommt immer gut an, wenn Sie auf die persönlichen Mittel hinweisen, die bereits in das Projekt eingeflossen sind.

Tipp 4: Nehmen Sie sich Zeit

Crowdfunding ist ein sehr komplexer Prozess (zumindest komplexer als der Umgang mit einer Bank). Wenn Sie keine Zeit haben, Fragen zu beantworten und Ihre Fundraising Idea mit potenziellen Investoren fast täglich über das Forum der jeweiligen Plattform zu diskutieren, sollten Sie es erst gar nicht mit dieser Finanzierungsform probieren.

Tipp 5: Kommunizieren Sie visuell

Schaffen Sie eine emotionale, überzeugende Seite für Ihr Fund-Raising. Nutzen Sie, wo immer möglich, Bilder und Videos (auf vielen Plattformen sind diese sogar Pflicht) und erklären Sie genau, wie viel Geld Sie brauchen und wofür Sie dieses verwenden werden. Ein Beispiel für eine gelungene und professionelle Präsentation der letzten Zeit ist etwa das Pitch-Video für Krautreporter, ein tägliches, werbefreies Online-Magazin. Aber auch weniger professionell gemachte Videos – wie für das Projekt „Von Berlin nach Shanghai mit dem Rad“ – können Erfolg haben, vorausgesetzt, sie sind persönlich und emotional. Hier sammelten die Zwillingsbrüder Paul und Hansen 9.003 Euro, um mit ihren Drahteseln eine Strecke von insgesamt 13.000 Kilometer zurücklegen und darüber ein Buch schreiben zu können.

Tipp 6: Beginnen Sie mit Ihrem Netzwerk

Nehmen Sie Ihr Netzwerk aus begeisterten Freunden und Familie mit an Bord. Potenzielle Anleger werden Ihnen weniger wahrscheinlich Geld geben, wenn der Finanzierungszeiger auf Ihrer Crowdfunding-Website auf Null steht. Eine erste Geldspritze trägt oft dazu bei, die Sache ins Rollen zu bringen. Außerdem sollten Sie Mundpropaganda und virale Effekte durch Bekannte und Freunde nicht unterschätzen.

Tipp 7: Transparenz ist Trumpf

Schaffen Sie eine offene Atmosphäre. Mit Sicherheit werden die Interessenten Ihnen Fragen stellen. Nehmen Sie sich Zeit, diese zu beantworten.

Tipp 8: Vernachlässigen Sie die Öffentlichkeitsarbeit nicht

Veröffentlichen Sie so viele und so vielfältige Informationen über Ihre Crowdfunding-Kampagne, wie Sie können: Kündigen Sie das Projekt auf der Startseite Ihrer Website an; verlinken Sie es auf Ihrer Facebook-Seite und in anderen sozialen Netzwerken wie LinkedIn und XING, verbreiten Sie es über Twitter usw. Versuchen Sie, auch die lokalen Medien mit einzubeziehen. Nehmen Sie also jede Gelegenheit zur Öffentlichkeitsarbeit für Ihr Projekt wahr. Während der gesamten Dauer der Crowdfunding-Kampagne sollten Sie im Netz hochaktiv sein. Erfahrungsgemäß sollten Sie etwa drei bis sechs Monate vor dem Beginn der Crowdfunding-Kampagne beginnen, Ihre Social-Media-Profile aufzubauen und die Kampagne in Blogs und auch Print-Medien aufzubauen. Je mehr Vorlaufzeit Sie einplanen, desto besser.

Tipp 9: Lernen Sie aus den Fehlern anderer

Sehen Sie sich erfolgreiche und erfolglose Projekte in Ihrer Kategorie an. Warum hatten bestimmte Projekte Erfolg, andere nicht? Wie viele Unterstützer haben sie angezogen? Haben die Initiatoren das Projekt durch Kampagnen in den Medien unterstützt und auf welche Weise haben sie es vorgestellt? Eine Analyse der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne von Protonet finden Sie im Blog von Seedmatch.

Tipp 10: Lernen Sie aus Ihren eigenen Fehlern

Selbst wenn Sie keinen Erfolg haben: Betrachten Sie Ihren Crowdfunding-Versuch als Test und als äußerst wertvolle Erfahrung. Mit Sicherheit werden Sie während der Laufzeit des Projekts Feedback von potenziellen Investoren und möglicherweise auch von den Betreibern der Plattform erhalten. Sie bekommen außerdem einen Eindruck davon, wie die Crowd Ihre Geschäftsidee überhaupt annimmt. Crowdfunding – ob nun erfolgreich oder nicht – bringt Sie also auf jeden Fall ein großes Stück voran!

crowdinvesting globalmap

Global Crowdinvesting Map

5.3 So finden Sie die beste Crowdfunding-Plattform für Ihr Projekt

Es gibt Dutzende deutscher und internationaler Crowdfunding-Sites mit zum Teil sehr unterschiedlichen Vertragsbedingungen und Gebührenmodellen. So versucht die Plattform Deutsche Mikroinvest beispielsweise, die Hemmschwelle für die Anleger zu verringern, indem sie ihnen ein vierzehntägiges Widerrufsrecht einräumt. Auf der zweitgrößten deutschen Crowdfunding-Plattform VisionBakery kostet jede Transaktion den Anleger 36 Cent, egal wie hoch sein Beitrag ist (wird das Projektziel nicht erreicht, erhält er diesen Betrag jedoch zurück). Startnext wiederum bietet dem Projektinitiator die Möglichkeit, zusätzlich diverse kostenpflichtige Premium-Features zu buchen, um das Crowdfunding-Projekt besser zu vermarkten.

Bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden, lesen Sie also die Regeln, prüfen Sie die vorhandenen Kampagnen und lesen Sie, wer in Testberichten zum Testsieger gekürt wurde. Damit dieser Vergleich Sie zu einer fundierten Entscheidung führen kann, ist es zudem wichtig, dass Ihnen die Unterschiede der bereits erläuterten Crowdfunding-Modelle klar sind.

5.3.1 Die Funktionsweise der Plattform

Oben wurde bereits erwähnt, dass die meisten Plattformen nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip funktionieren. Das heißt: Die Beträge liegen bis zum von Ihnen definierten Projektende auf einem Sperrkonto und wenn Sie Ihr Ziel bis dahin nicht erreichen, erhalten Sie überhaupt kein Geld.

Bei Indiegogo hingegen können Sie eine flexible Finanzierung wählen und erhalten die gesammelten Gelder auch dann, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen. Dieses Konzept klingt zunächst verführerisch. Vom psychologischen Standpunkt aus gesehen, ermutigt das Prinzip „Alles oder nichts“ die potenziellen Unterstützer aber eher, mehr Geld zu investieren. Sie haben das Gefühl, dass es gerade ihr Beitrag sein könnte, mit dem das Projekt steht oder fällt.

Achten Sie auch darauf, dass bei manchen Anbietern – beispielsweise der größten deutschen Crowdfunding-Plattform Startnext – zunächst eine Startphase nötig ist. In dieser sammeln Sie zunächst einmal Fans. Die Anzahl der Fans bestimmt bei Startnext, wie viel Geld Sie maximal sammeln dürfen.

Wenn Sie außerdem das Gefühl haben, dass Sie bei der Einrichtung Ihrer Kampagne Hilfe brauchten könnten und dass noch Fragen zur Plattform offen sind, ist es unter Umständen vorteilhaft, eine kleinere Crowdfunding-Plattform zu wählen statt einen der großen Anbieter, die einfach nicht auf jede Anfrage reagieren können.

5.3.2 Die richtige Plattform für Ihr individuelles Projektziel
Building a global business network

Lokal – International – Global

Schließlich lässt sich für bestimmte Arten von Projekten auf manchen Plattformen besser Geld sammeln, als auf anderen. Wer Spenden für sich selbst oder eine gute Sache benötigt, ist mit Plattformen wie Betterplace oder Kiezhelden sicherlich besser bedient als mit Seedmatch, das als Crowdinvestment-Plattform für Unternehmen gedacht ist. Für Ihr innovatives „grünes“ Projekt wählen Sie eher Bettervest oder einen ähnlichen Anbieter.

Zu beachten ist auch, dass die Rechtsform Ihres Unternehmens unter Umständen eine wichtige Rolle bei der Zulassung zu einer bestimmten Plattform spielen kann. Seedmatch verlangt etwa, dass Sie eine GmbH oder UG mit Sitz in Deutschland haben.

Neben den Top 10 Crowdfunding-Websites DE /USA sind auch zahlreiche Nischen- und regionale Anbieter sind am Markt. Möchten Sie beispielsweise Geld für Ihren Sportverein zusammenbekommen, bietet Ihnen die spezialisierte Crowdfunding-Plattform Fairplad ihre Dienst an.

5.3.3 Deutschsprachige oder internationale Plattform?

Eine gute Frage, die Sie ebenfalls vorab klären sollten. Tatsache ist, dass Sie auf einer internationalen Plattform wie etwa Kickstarter oder Indiegogo natürlich ein sehr viel größeres Zielpublikum erreichen als auf einer deutschsprachigen Website. Das wird Ihnen jedoch nicht viel bringen, wenn Sie ein Projekt starten, das nur für den deutschsprachigen Raum oder sogar nur regional interessant ist.

 5.3.4 Social-Media-Tools

Informieren Sie sich darüber, mit welchen Techniken die Crowdsourcing-Plattform Ihre Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Welche Tools gibt es, um Ihre Fund-Raising-Aktion zu verbreiten? Lässt sie sich über die Plattform leicht in sozialen Netzwerken verteilen? Gibt es bestimmte Mechanismen, mit denen Ihr Projekt innerhalb der Plattform beworben wird? Ein Beispiel ist der „GoGo“-Faktor der Indiegogo-Projekte: Je beliebter und überzeugender ein Projekt wirkt, desto prominenter erscheint es auf der Indiegogo-Website und desto aktiver wird es dort beworben.

5.3.5 Gebühren und Nebenkosten

Finden Sie heraus, wie hoch die Gesamtkosten für die Verwendung der Crowdsourcing-Plattform sind. Prüfen Sie dabei die folgenden möglichen Kosten:

  • Einrichtungsgebühr. Die großen Plattformen verlangen keine Einrichtungsgebühr, wenn Sie eine Kampagne starten möchten. Bei einigen Plattformen, etwa Startnext, können Sie jedoch kostenpflichtige Features hinzubuchen, um Ihre Kampagne besser zu vermarkten.
  • Kreditkarten-/PayPal-Gebühren, die üblicherweise vom Initiator der Kampagne übernommen werden.
  • Provision für ein erfolgreich finanziertes Projekt. Die Gebühren bewegen sich bei den kommerziellen Plattformen meist zwischen 3 und 10 Prozent. Hat Ihr Projekt keinen Erfolg, müssen Sie üblicherweise nichts an den Plattform-Betreiber bezahlen.

Die folgende Tabelle informiert Sie über die Vermittlungsprovision der wichtigsten deutschsprachigen Anbieter:

Crowdfunding-Plattform Vermittlungsgebühr
Betterplace keine
Socialfunders keine
Startnext keine (funktioniert auf freiwilliger Spendenbasis)
Visionbakery 10 %
Indiegogo 4 % (bei erfolgreichem Funding), 9 % (Fundingziel nicht erreicht)
Dreamojo 6 % (öffentliche Projekte), 2,5 % (private Projekte)
100days 5 %
Seedmatch 5 bis 10 %
Bergfürst durchschnittliche 8 % (je nach Höhe des gezeichneten Kapitals)
Companisto 10 %
Innovestment 4 bis 8 %
Auxmoney 2,95 %
Lendico 0,5 bis 4,5 % (je nach Laufzeit des Kredits sowie Bonität)
Zencap 1 bis 4,5 % (je nach Laufzeit des Kredits)
Zinsbaustein keine

Hinweis: Wenn Sie alles zusammenrechnen, kommen Sie bei einem erfolgreichen durchgeführten Crowdfunding in den meisten Fällen auf deutlich über 10 Prozent des gesammelten Betrags. Nicht eingerechnet sind hier die Gebühren für das Pitch-Video, für Social-Media-Aktivitäten und andere Marketing-Maßnahmen!

5.3.6 Erscheinungsbild und Zahlungsmöglichkeiten

Die optische Wirkung der Fundraising-Site ist ein Faktor, den Sie nicht unterschätzen sollten. Sie sollte nicht nur auf Sie, sondern auch auf potenzielle Unterstützer oder Investoren attraktiv, vor allem aber seriös und leicht bedienbar wirken.

Da Sie Geld sammeln möchten, sollten Sie genau prüfen, auf welche Weise die Unterstützer ihren Beitrag bezahlen können. Manche US-basierten Plattformen bieten nur die Möglichkeit einer Kreditkartenzahlung. Achten Sie darauf, dass gerade für den deutschsprachigen Raum auch alternative Zahlungsmöglichkeiten vorhanden sein sollten, etwa PayPal oder Giropay. Insgesamt sollte der gesamte Zahlungsprozess einen vertrauenswürdigen Eindruck erwecken, um Zahlungsabbrüche in letzter Sekunde zu verhindern.

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