Das Wichtigste in Kürze
  • Biosiegel sind Güte- und Prüfsiegel, die Konsumgüter aus ökologischem Landbau kennzeichnen
  • Jedes Biosiegel stellt unterschiedliche Anforderungen an das Produkt: das strengste Siegel ist die Auszeichnung der Organisation Demeter
  • Die Nachfrage deutscher Konsumenten nach Bio-Produkten steigt seit 2009 stetig an: Im Jahr 2016 investierten die Deutschen 9,48 Milliarden Euro in Bio-Lebensmittel

1. Was ist ein Biosiegel?

Mit einem Bio-Siegel werden Produkte gekennzeichnet, die in einer umweltschonenden Produktion erzeugt wurden. Doch Biosiegel ist nicht gleich Biosiegel: jedes Siegel stellt andere Anforderungen an die jeweiligen Produkte. Erzeugnisse, die mit dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet sind, müssen sich an die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung halten. Darüber hinaus werden private Logos genutzt, wie beispielsweise das Demeter-Logo. Den Organisationen, die diese Logos vergeben, liegen teilweise strengere Bedingungen zugrunde.
Obwohl sich die Gewichtung der einzelnen Schwerpunkte unterscheidet, befolgen alle Biosiegel-Organisationen bestimmte Richtlinien. In unserem Bio-Siegel-Vergleich konzentrieren wir uns auf folgende Kategorien:

  • nachhaltige Bewirtschaftung
  • artgerechte Tierhaltung
  • fairer Handel

2. Welche Richtlinien gelten bei den Organisationen?

In unserem Bio-Label-Test haben wir verschiedene Organisationen aufgenommen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedene Hersteller vor, die Sie auch in der Bio-Siegel-Vergleichs-Tabelle wiederfinden können.

2.1 Demeter

Demeter ist Deutschlands ältestes und strengstes Biosiegel. Um das Demeter-Biosiegel nutzen zu können, darf keine Enthornung der Rinder stattfinden und die Tiere dürfen nur mit Biotierfutter gefüttert werden. Dabei ist darauf zu achten, dass 80% der Wiederkäuer-Nahrung und 50% des gesamten Futters Demeter-Qualität aufweist.
Des Weiteren dürfen bei der Erzeugung ausschließlich 13 Zusatzstoffe genutzt werden. Im Falle einer Erkrankung des Tieres werden vorzugsweise Naturheilverfahren statt Antibiotika genutzt.
Außerdem orientiert sich Demeter bei der Aussaat an den Mondphasen.

2.2 Biokreis

Um ein “regional & fair”-Siegel zu erhalten, müssen Betriebe Rohstoffe (mindestens 80% der Rohstoffe für die Verarbeitung, 60% für den Handel und 50% für die Gastronomie) aus einem Umkreis von 200 km beziehen. Ein weiteres Bewertungskriterium ist der Anbau von Pflanzenarten, die typisch für die Region sind. Dadurch soll eine nachhaltige Landwirtschaft ermöglicht werden.

2.3 Bioland

Nachhaltiger Ackerbau ohne Nutzung von Pestiziden ist bei Bioland von großer Bedeutung. Damit möchten sie die langfristige Fruchtbarkeit des Bodens ermöglichen. Auch auf den Verzicht von Gentechnik wird bei der Erzeugung dieser Produkte geachtet.
Um die bäuerliche Existenz zu schützen, haben sich Bauern, Gärtner, Winzer und Imker in der Bundesrepublik Deutschland zum BIOLAND e.V. Verband für organisch-biologischen Landbau zusammengeschlossen.

2.4 Naturland

Besonders die ökologische Waldnutzung sowie Textil-und Kosmetika-Herstellung werden mit diesem Logo kenntlich gemacht. Auch soziale Aspekte, wie beispielsweise der Umgang mit Mitarbeitern und Handelspartnern, werden bei der Fertigstellung vorausgesetzt.
Seit 2010 gibt es außerdem die Naturland Fair Zertifizierung, mit der die Produkte zusätzlich zum ökologischen Erzeugnis auch als “fair gehandelt” gelabelt werden. Zu den Richtlinien gehören:

  • verlässliche Handelsbeziehungen
  • faire Erzeugerpreise
  • regionale Rohstoffbezüge
  • gemeinschaftliche Qualitätssicherung
  • gesellschaftliches Engagement
  • und Transparenz

2.5 EU-Bio-Logo/Deutsches staatliches Bio-Siegel

Das womöglich bekannteste Biosiegel ist das sechseckige Siegel nach der EG-Öko-Verordnung. Mit diesem Siegel soll der gesetzliche Minimalstandard für Bio-Produkte innerhalb der EU gekennzeichnet werden. Der konsequente Schutz des fairen Handels mit Erzeugern und Händlern wird vor Verleihung des Siegels geprüft. Des Weiteren wird eine nachhaltige Profilierung und Stärkung des Öko-Sektors durch Transparenz aller Erzeugungs- und Verarbeitungsschritte ermöglicht. Diese Verordnungen gelten jedoch nur für die für den menschlichen Verzehr bestimmten Agrarerzeugnisse und nicht für Möbel,Textilien etc.

3. Profitieren auch die Tiere von einer Bio-Tierhaltung?

Im Vergleich zu der konventionellen Tierhaltung wird den Tieren ein größeres Platzangebot ermöglicht. Die Öko-Betriebe sehen eine artgerechte Tierhaltung vor, in der die Tiere Auslauf oder Weidegang erhalten. Des Weiteren müssen die Betriebe das Verbot von Käfigen und der präventiven Verabreichung von Antibiotika einhalten. Abhängig von der Tierart folgen die Betriebe weiteren spezifischen Vorgaben bezüglich der Haltung wie beispielsweise die Bereitstellung schonender Beleuchtung, Sitzstangen, Staubbäder, Wasserbecken, Wühlflächen etc.
Bei der ökologischen Aquakultur wird außerdem der Einsatz von Chemikalien verhindert sowie eine ausnahmslose Verwendung natürlicher Heilmittel vorausgesetzt.

4. Was sind die Vor- und Nachteile?

    Vorteile
  • Schonung der Umwelt
  • artgerechte Tierhaltung
  • Verzicht auf zugesetzte Aromen und Geschmacksverstärker
  • ohne Gentechnik
  • klimafreundlich
    Nachteile
  • höhere Kosten für Verbraucher

5. Fragen und Antworten Biosiegeln im Test

5.1 Welches Siegel ist das Beste?

Das Siegel mit den strengsten Anforderungen ist nach unserer Auswertung die Auszeichnung der Organisation Demeter. Bei der Erzeugung werden die tierfreundlichsten und umweltschonendsten Bedingungen gestellt. Allerdings sollte jeder Verbraucher selbst entscheiden, welches Siegel seinen persönlichen Ansprüchen gerecht wird und abwägen, welche Kriterien wie stark zu gewichten sind.

5.2 Gibt es auch Bio-Waschmittel?

Ja, einige Waschmittel bestehen aus (ätherischen) Ölen, die zu 100 % aus kontrolliertem biologischen Anbau stammen und ohne die Verwendung von Gentechnik erzeugt wurden.
Der Verzicht von Tensiden auf Erdölbasis, Duftstoffen und optischen Aufhellern, die typisch für konventionelle Waschmittel sind, entlastet das Abwasser.

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