Alexa, Siri und Co: Kommt jetzt der versteckte Lauschangriff?

"Alexa, schalte das Licht an; Siri, was ist ein Pangolin?" Immer mehr Verbraucher greifen heutzutage auf digitale Sprachassistenten wie Amazons Alexa, Apples Siri oder den Google Assistant zurück, um kleine Alltagsaufgaben zu beschleunigen. Doch die Nutzung solcher Geräte birgt große Risiken in Bezug auf den Datenschutz: Die Geräte hören ständig mit und was bei den Anbietern in den USA mit den Daten passiert ist unklar. Nun möchten auch die deutschen Strafvollzugsbehörden Zugriff auf diese Daten erhalten – aus rechtsstaatlicher Sicht höchst bedenklich.

innenminister fordern digitalen lauschangriff

Dies geht aus einer Beschlussvorlage des Innenministeriums Schleswig-Holsteins für die anstehende Innenministerkonferenz hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Darin fordert der schleswig-holsteinische Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU), dass in Zukunft digitale Spuren aus dem Bereich „Smart Home“ vor Gericht als Beweismittel erlaubt werden sollen.

Trotz verfassungsrechtlicher Bedenken und des zu erwartenden Widerstands der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern sollen sich die Innenstaatssekretäre von CDU und SPD bereits darauf geeinigt haben, den Antrag bei der Innenministerkonferenz unterstützen zu wollen.

smart speaker

Bei allem Komfort den Sprachassistenten bieten: In Bezug auf den Datenschutz sind Smart Speaker hoch bedenklich.

Die Folge wäre eine ständige anlasslose Bespitzelung weiter Teile der Bevölkerung – zum 30. Jubiläum des Mauerfalls ein erschreckendes Signal. Auch dass die Daten nur auf richterliche Anordnung hin ausgewertet werden sollen, weckt nur wenig Vertrauen. Angesichts der Rechtsprechung zur inhaltlich ähnlich gelagerten Vorratsdatenspeicherung ist jedoch fraglich, ob ein etwaiges Gesetz zur gerichtlichen Auswertung von „Smart Home“-Daten vor dem Bundesverfassungsgericht oder dem Europäischen Gericht Bestand hätte.

Bei der Nutzung von Smart Speakern, wie Amazon Echo oder Google Home ist in jedem Fall Vorsicht geboten. Denn selbst wenn der Plan der Innenminister scheitern sollte, bleiben die Datenschutzbedenken gegenüber den amerikanischen Anbietern bestehen. Bei einer systematischen Analyse der jeweiligen Datenschutzerklärungen, AGBs und Nutzungsbedingung stellte die Stiftung Warentest bei allen Anbietern gravierende Mängel fest.

Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung/RedaktionsNetzwerk Deutschland

Autor: vw
Veröffentlicht: 06.06.2019, 9:39 Uhr

Zum Autor: Nach einer akademischen Karriere in den Altertumswissenschaften hat sich Viktor Woronin mit dem Online-Bereich der Zukunft verschrieben  und informiert als Redakteur von vergleich.org über wichtige Verbraucherthemen.

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